
Zu wissenschaftlichen Leistungen
Im Jahre 1791 begann CARL FRIEDRICH GAUSS seine wissenschaftliche Arbeit
mit Untersuchungen zum geometrischen und arithmetischen Mittel sowie zur
Verteilung der Primzahlen, ein Jahr
später wandte er sich den Grundlagen
der Geometrie zu. Er misstraute der Beweisführung in der elementaren
Geometrie und ahnte bereits, dass es auch andere (sogenannte nichteuklidische
Geometrien) geben müsse.
Mit 18 Jahren fand GAUSS die Methode
der kleinsten Quadrate sowie das Gesetz der normalen Fehlerverteilung,
das sich bekanntlich in der gaußschen
Glockenkurve widerspiegelt.
1796 erkannte GAUSS, welche regelmäßigen Vielecke allein mit Zirkel und Lineal konstruierbar sind (die entsprechende Abhandlung über die Konstruktion des regelmäßigen 17-Ecks war seine erste wissenschaftliche Publikation). Er bewies den folgenden Satz:

verschiedene fermatsche Primzahlen sind) Die ersten natürlichen Zahlen, für die das zutrifft, sind
2, 3, 4, 5, 6, 8, 10, 12, 15, 16, 17, 20, 24, 30, 32, 34, 40, ...
Jene Entdeckung war für GAUSS Anlass, sich endgültig der Mathematik
zuzuwenden. Er führte von nun an ein wissenschaftliches Tagebuch,
in das er über viele Jahre seine wichtigsten Forschungsergebnisse
eintrug.
Im Ergebnis seiner Dissertation veröffentlichte GAUSS 1799 den Fundmentalsatz
der Algebra, der besagt, dass jede
Gleichung n-ten Grades n komplexe Lösungen hat. 1801 erschien sein
erstes Buch "Disquisitiones arithmeticae" (Arithmetische Abhandlungen),
mit dem GAUSS international bekannt wurde.
Ebenfalls im Jahr 1801 beobachtete der italienische Astronom GIUSEPPE
PIAZZI (1746 bis 1822) den Planetoiden Ceres, verlor ihn aber nach 40
Tagen wieder. GAUSS berechnete aus nur drei Beobachtungen die Bahnelemente,
und mehrere Astronomen fanden Ende 1801 bzw. Anfang 1802 die Ceres erneut.
Seine Methoden zur Bahnbestimmung
von Planeten und Ergebnisse der Berechnungen fasste GAUSS zu dem 1809
erschienenen Buch "Theoria motus corporum coelestium ..." (Theorie
der Bewegung der Himmelskörper) zusammen. Noch heute erfolgt die
Bahnbestimmung nach der gaußschen Methode.
Astronomie und Zahlentheorie fesselten GAUSS gleichermaßen. Großes Interesse hatte er aber auch an der Geodäsie. 1818 erhielt er den Auftrag, die trigonometrische Vermessung des Königreichs Hannover vorzunehmen. Bei diesen Vermessungsarbeiten und Berechnungen entwickelte er ein spezielles Vermessungsgerät (den Heliotrop), bei dem das Sonnenlicht für die Signale ausgenutzt wurde. Die 1827 veröffentlichte Abhandlung über die Theorie gekrümmter Flächen ("Disquisitiones generales circa superfesies curvas") stellt eine mathematische Verallgemeinerung jener geodätischen Untersuchungen dar.
Etwa ab 1831 begann eine enge Zusammenarbeit mit dem Physiker WILHELM
EDUARD WEBER (1804 bis 1891), den GAUSS anlässlich einer Naturforscherversammlung
in Berlin kennengelernt hatte. Es entstand eine Theorie
des Elektromagnetismus,
und gemeinsam entwickelten beide Wissenschaftler im Jahre 1833 den elektromagnetischen
Telegrafen. Dessen erster Einsatz wurde zwischen dem Physikalischen Institut
und der Sternwarte in Göttingen erprobt.
Zu den bedeutenden Leistungen von GAUSS sind auch die Bestimmung
der Magnetpole der Erde sowie die Einführung eines absoluten
Maßsystems
(bei dem alle Maßeinheiten auf die der Grundgrößen Länge,
Zeit und Masse zurückgeführt
werden). Weitere Arbeiten bezogen sich auf die Mechanik, in der GAUSS
das Prinzip des kleinsten Zwanges aufstellte,
und auf die Optik.
Bezüglich seiner Veröffentlichungen handelte GAUSS nach dem
Grundsatz "Paucased matura" (Weniges, aber Reifes). Viele seiner
Ideen und Resultate entdeckte man erst beim Aufarbeiten seines Nachlasses.
Dazu zählen u.a. die Erkenntnisse über die Existenz nichteuklidischer
Geometrien (GAUSS hatte also durchaus die Arbeiten von LOBATSCHEWSKI und
des Ungarn JOHANN BOLYAI zur Kenntnis genommen).
Auf mathematischem Gebiet sind noch die Arbeiten zur Theorie
der komplexen Zahlen, vor allem bezüglich ihrer geometrischen
Interpretation (gaußsche
Zahlenebene) erwähnenswert.