Leben und Wirken
DANIEL BERNOULLI (Bild 1) ist ein Vertreter der berühmten Schweizer
Gelehrtenfamilie BERNOULLI, zu der zahlreichen bedeutende Wissenschaftler,
vor allem Mathematiker und Physiker, gehörten. Er wurde als zweites
Kind JOHANN BERNOULLIS (1667 bis 1748), vor dessen Baseler Zeit, am 8.
Februar 1700 im niederländischen Groningen geboren.
Obwohl schon früh seine mathematische Begabung deutlich wurde, musste
DANIEL zunächst eine kaufmännische Lehre beginnen. Nach deren
Abbruch begann er ein Studium der Medizin, das er in Basel, Straßburg
und Heidelberg absolvierte. Zudem beschäftigte er sich bereits in
dieser Zeit intensiv mit naturwissenschaftlichen und mathematischen Problemen.
Für Aufmerksamkeit sorgte beispielsweise die von ihm gegebene Integration
einer Differenzialgleichung.
Im Jahre 1723 ging DANIEL BERNOULLI nach Venedig und war dort kurzzeitig
als Arzt tätig. 1725 wurde er auf Empfehlung des Mathematikers CHRISTIAN
GOLDBACH (1690 bis 1764) gemeinsam mit seinem älteren Bruder NIKOLAUS
(1695 bis 1726) an die Akademie in St. Petersburg berufen. Hier übernahm
er zunächst eine Professur für Physiologie und später für
Mathematik, beschäftigte sich aber auch weiterhin intensiv mit physikalischen
Problemen. Eine fruchtbare Zusammenarbeit entwickelte sich mit dem 1727
nach Petersburg gekommenen Schweizer Mathematiker LEONARD
EULER (1707 bis 1783), der 1733 den Petersburger Lehrstuhl für
Mathematik übernahm. DANIEL BERNOULLI selbst musste zu diesem Zeitpunkt
aus gesundheitlichen Gründen nach Basel zurückkehren und wurde
an der dortigen Universität Professor für Anatomie und Botanik.
Trotz einer Reihe von Schwierigkeiten, insbesondere auch im Verhältnis
zu seinem (den Lehrstuhl für Mathematik seit 1705 innehabenden) Vater,
blieb DANIEL BERNOULLI bis zu seinem Lebensende in Basel und lehnte Berufungen
an andere Universitäten ab. 1750 wurde ihm dann der Lehrstuhl für
Physik übertragen, insbesondere seine Vorlesungen über Experimentalphysik
fanden großen Zuspruch.
Bis ins hohe Alter war DANIEL BERNOULLI geistig rege und wissenschaftlich
tätig. Er verstarb (unverheiratet geblieben) am 17. März 1782
in Basel.
Zu den wissenschaftlichen Leistungen
Auf mathematischem Gebiet beschäftigte sich DANIEL BERNOULLI vor
allem mit Problemen der Wahrscheinlichkeitsrechnung
(wobei eines dieser Probleme, das sogenannte Petersburger
Paradoxon, erst Anfang des 20. Jahrhunderts gelöst werden
konnte). Beispielsweise untersuchte er die Abweichungen der Anzahl der
Jungengeburten in London für die Jahre 1721 bis 1730 vom Erwartungswert
in verschiedenen Modellen. Große Anerkennung erreichte er aufgrund
seiner wissenschaftlichen Leistungen auch auf dem Gebiet der Differenzialrechnung.
In der Physik arbeitete BERNOULLI zunächst über Schwingungen.
Sein Hauptarbeitsgebiet war aber die Physik der Flüssigkeiten und
Gase. Er fand einen grundlegenden Zusammenhang zwischen dem Druck in Flüssigkeiten
bzw. Gasen und der Strömungsgeschwindigkeit (nach seinem Entdecker
als bernoullisches Gesetz
bezeichnet). Er entwickelte die Vorstellung, dass Gase aus Partikeln bestehen,
die sich in Bewegung befinden und die sich bei Zusammenstößen
bzw. bei Stößen gegen eine Wand wie sehr kleine elastische
Kugeln verhalten. Diese Hypothese war eine Grundlage für die Entwicklung
der kinetischen Gastheorie (die allerdings
erst nach 1850, also lange nach seinem Tod, erfolgte).
Auf medizinischem Gebiet befasste sich BERNOULLI mit der Physiologie
der Atmung und mit Muskelbewegungen
sowie mit der therapeutischen Nutzung elektrischer und magnetischer Felder.
Für seine wissenschaftlichen Leistungen wurde DANIEL BERNOULLI mehrfach
ausgezeichnet und als Mitglied großer europäischer Akademien
aufgenommen.