Mathematik Abitur
Das Geburtstagsproblem
Richard von Mises (1883 bis 1953)Simulation des GeburtstagsproblemsInteraktive Simulation des Geburtstagsproblems

Sarah ist stolz darauf, dass sie am gleichen Tag wie ihr Lieblingsonkel Lutz Geburtstag hat. Das ist für sie Ausdruck einer besonderen Fügung des Schicksals. Etwas enttäuscht ist sie allerdings, als ihr Onkel meint, es sei nicht so außergewöhnlich, dass von den insgesamt 32 lebenden Mitgliedern ihrer Familie zwei am gleichen Tag Geburtstag haben.

Um die Aussage des Onkels zu überprüfen, muss man sich etwas näher mit dem sogenannten Geburtstagsproblem beschäftigen, das auf den österreichischen Mathematiker RICHARD VON MISES (1883 bis 1953; Bild 1) zurückgeht. Dieses Problem lautet:

Für die Lösung dieser Aufgabe lassen wir uns von drei Modellannahmen leiten.

Mit diesen Annahmen kann man das Geburtstagsproblem mathematisch fassen, wobei im Interesse einer vereinfachenden Schreibweise die Tage des Jahres von 1 bis 365 durchnummeriert werden. Dann ist:


(Sind mindestens zwei Geburtstage gleich, so gilt . Wenn alle Geburtstage verschieden sind, so ist .)
Gesucht wird für , insbesondere für n = 32.

Lösungsvariante 1 (Statistische Erhebung)
Eine Lösungsmöglichkeit besteht darin, eine statistische Erhebung durchzuführen.
Indem man zum Beispiel die Schüler der eigenen Schule befragt, kann man eine größere Anzahl von Geburtsdaten ermitteln, die unter Berücksichtigung der Annahme 3 in k Gruppen bestehend aus n = 32 Geburtstagen eingeteilt werden. So ist es möglich, die relative Häufigkeit für das Ereignis zu ermitteln. Für große Werte von k kann die relative Häufigkeit entsprechend dem empirischen Gesetz der großen Zahlen als gute Näherung für die gesuchte Wahrscheinlichkeit angesehen werden. Vorteilhaft bei diesem Ansatz ist, dass Annahmen 1 und 2 nicht benötigt werden. Andererseits ist es in der Praxis nicht ganz einfach, die erforderliche Datenmenge zu bekommen. So müssten etwa für und n = 32 insgesamt 3200 Geburtstage unter Berücksichtigung der Annahme 3 erfragt werden.

Lösungsvariante 2 (Simulation)
Das in Bild 2 dargestellte Schirmbild zeigt, wie durch Simulation eine aufsteigend sortierte Liste von 32 zufälligen Geburtstagen erzeugt werden kann.
Wenn man diese Liste nach gleichen Elementen durchsucht und den Simulationsvorgang 100-mal wiederholt, lässt sich errechnen. Rechentechnisch weniger aufwendig kann man die Simulation mit der programmierten Funktion durchführen (Schirmbild in Bild 3). Allerdings benötigt unser "fleißiger Taschencomputer" dafür fast 20 Minuten. Als relative Häufigkeit erhält man für k = 100 und den Wert 0,73.
Interaktiv ist es möglich, k und n zu verändern (s. Bild 4).

Lösungsvariante 3 (Theoretischer Ansatz)
Für die theoretische Lösung ist es hilfreich, das Gegenereignis zu betrachten, wobei gilt:

bedeutet, dass von den n Personen nicht zwei oder mehr Personen an demselben Tag Geburtstag haben. Der dazugehörige Pfad des Baumdiagramms ist im Testbild (s. unten) angegeben .

Dabei gibt es

Mithilfe der Multiplikationsregel erhält man:




Die folgende Tabelle zeigt einige ausgewählte gerundete Werte von :

n
2
5
10
15
20
21
22
23
0,003
0,027
0,117
0,253
0,411
0,444
0,476
0,507
n
24
25
30
32
40
50
60
100
0,538
0,569
0,706
0,753
0,891
0,970
0,994
0,999

Wertet man diese Tabelle aus, so lässt sich Folgendes feststellen:

Sarah schaut verwundert auf das Ergebnis. "Ich sehe das Ergebnis, allein mir fehlt der Glaube", lautet ihr Kommentar.
"Ich denke, das liegt daran, dass es dir eigentlich um eine andere Fragestellung geht, nämlich um die Wahrscheinlichkeit, dass mit dir mindestens eine von den 31 anderen Verwandten Geburtstag hat", entgegnet ihr Onkel.

Dann ist:


Es ist also tatsächlich unwahrscheinlich, dass unter 31 Personen mindestens eine Person an einem bestimmten Tag (z.B. an dem Tag, an dem Sarah geboren wurde) Geburtstag hat.
Dies erklärt auch das Missverständnis von Sarah.

Für das Geburtstagsproblem gibt es verschiedene Verallgemeinerungen:

Im Alltag tritt das Geburtstagsproblem mitunter in eingekleideter Form auf. Es verbirgt sich beispielsweise nicht selten hinter der Frage nach der Wahrscheinlichkeit dafür, dass ein an sich seltenes Ereignis gleich zweimal an einem Tag (oder relativ kurz hintereinander) auftritt.

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