Die sphärische
Geometrie ist die Geometrie auf der Kugel, die sphärische
Trigonometrie die Trigonometrie der Kugeloberfläche. Dass beide
von der Geometrie und der Trigonometrie der Ebene verschieden sein müssen,
erkennt man schon daran, dass es auf der Kugel keine Geraden im Sinne der
klassischen ebenen Geometrie und Trigonometrie gibt.
Drei Punkte A, B und C einer Kugel, die nicht auf ein und derselben Kugelgeraden
liegen, bestimmen drei Kugelgeraden. Auf diesen liegen die sphärischen
Strecken bzw. Abstände
.
Diese Strecken sind höchstens gleich
.
Sie bilden ein sphärisches oder
Kugeldreieck.
Man kann ein leicht zu überschauendes Beispiel
dafür angeben, dass die Summe der Innenwinkelgrößen eines
Kugeldreiecks größer als
ist:
Ist
eine
Strecke auf dem Äquator und sind
,
wo P für einen Erdpol steht, Strecken auf Meridianen, so ist schon
die Summe der Winkel
.
Für jedes echte Dreieck ist die Winkelsumme also größer
als
. Man
sieht am Beispiel auch, dass sie kleiner als
sein muss.
Im Weiteren werden nur solche Kugeldreiecke betrachtet, deren Flächeninhalt
kleiner als der einer Halbkugel ist und deren Seiten und Winkel alle jeweils
kleiner als
sind. Sie heißen eulersche
Dreiecke.
Bezeichnungen:
Wie in der klassischen Geometrie heißen die Seiten des Kugeldreiecks
AB, BC, CA bzw. c, a, b. Deren Längen werden mithilfe der zughörigen
Zentriewinkel ausgedrückt. So ist die Länge der Seite a gleich
dem im Grad- oder Bogenmaß gemessenen Winkel
,
wo M für den Mittelpunkt der Kugel steht, also
.
Analog ist
und
.
Die Winkel
werden von den Tangenten an die Kugelgeraden in den Punkten A, B und C
bzw. den Neigungswinkeln der zugehörigen Ebenen gebildet.
Die Kugelgeraden oder Großkreise sind von ihren Polen aus gesehen
im Gegenuhrzeigersinn orientiert, die Winkel sind entsprechend durch Drehung
des einen Schenkels auf den anderen bestimmt.
Zu den Ecken A, B, C gehören die Gegenecken
,
zu Dreieck ABC das Gegendreieck
Zum Dreieck ABC gehören die Nebendreiecke
, die
es zu je einem Kugelzweieck ergänzen.
Die Nebendreiecke
des Gegendreiecks heißen Scheiteldreiecke.
Um den Flächeninhalt
eines sphärischen Dreiecks zu berechnen, werden aus dem Dreieck
und geeigneten Gegen- und Nebendreiecken Zweiecke gebildet, deren Flächeninhalte
bestimmt werden können. Das Dreieck ABC bildet zusammen mit dem Nebendreieck
ein
Zweieck mit dem Flächeninhalt
.
Ebenso bilden die Dreieck ABC und
sowie ABC und
Zweiecke mit dem Öffnungswinkel
,
sodass man schreiben kann:
,
,
.
Addiert man die linken und die rechten Seiten und ersetzt dabei das Dreieck
durch
das Dreieck
,
das mit
in allen Seitenlängen und Winkelgrößen übereinstimmt,
symmetrisch zu
ist und den gleichen Flächeninhalt hat, so erhält man:
In der Klammer steht nun die Fläche einer Halbkugel, also
.
Nach einigen Umformungen erhält man:
Die Summe
heißt sphärischer
Exzess. Das ist der Überschuss
der Innenwinkelsumme des sphärischen Dreiecks über
.
Man bezeichnet diese Summe mit
,
sodass man für den Flächeninhalt f eines sphärischen Dreiecks
kürzer schreiben kann:
Um Möglichkeiten der Berechnung von Seitenlängen und Winkelgrößen von sphärischen Dreiecken zu finden, kann man wie in der ebenen Trigonometrie vorgehen. Man betrachtet zunächst ein rechtwinkliges sphärisches Dreieck, um die Beziehungen zwischen den Seiten und Winkeln dieses Dreiecks zu bestimmen und wendet sodann die gefundenen Relationen auf ein schiefwinkliges Dreieck an.
Als Hilfsfigur verwendet man ein sog. Dreikant.
Verbindet man die Ecken eines sphärischen Dreiecks ABC mit dem Mittelpunkt
M der Kugel, so bilden die Verbindungsgeraden ein Dreikant. Den Seiten
des Dreiecks entsprechen die Kantenwinkel des Dreikants. Sie heißen
darum auch Seiten des Dreikants. Den Winkeln
des Dreiecks entsprechen die Winkel zwischen den Ebenen, welche das Dreikant
bilden. Sie heißen darum auch Winkel
des Dreikants.
Ist das sphärische Dreieck ABC ein bei C rechtwinkliges
sphärisches Dreieck, erhält
man aus nebenstehender Figur:


Sind also von einem rechtwinkligen sphärischen Dreieck jeweils zwei der in den vorstehenden Gleichungen enthaltenen Stücke bekannt, können die anderen Stücke berechnet werden.
Beispiel
Bekannt sind
.
Aus
.
Aus
,
also
.
Das Dreieck hat den sphärischen Exzess
.
Sein Flächeninhalt beträgt
.
Ein schiefwinkliges
sphärisches Dreieck wird berechnet, indem man durch eine Höhe
zwei rechtwinklige Dreiecke erzeugt und diese Höhe mithilfe der rechtwinkligen
Dreiecke durch geeignete Winkelfunktionen ausdrückt.

Das
Dreieck ABC wird durch die Höhe
in die rechtwinkligen Dreiecke ADC und ADB zerlegt. Dann gilt:
Analog erhält man mithilfe von
.
Beide Proportionen fasst man zur fortlaufenden Proportion
zusammen.
Das Ergebnis ist der
sphärische Sinussatz:
Im Kugeldreieck verhalten sich die Sinus zweier
Seiten wie die Sinus der Gegenwinkel.
Der Fall, dass die Höhe
außerhalb des Dreiecks ABC liegt, führt wegen
auf das gleiche Resultat.
Sind also von einem sphärischen Dreieck zwei Seiten und der Gegenwinkel
einer dieser Seiten oder zwei Winkel und die Gegenseite eines der Winkel
gegeben, so kann der andere Winkel bzw. die andere Gegenseite berechnet
werden.
Beispiele
.
und
hieraus
.
muss
sein, also ist nur
Lösung der Aufgabe. Es gibt nur ein Dreieck mit diesen Seiten und
Winkeln.
.
erhält man
und hieraus
.
sein muss, sind beide Werte Lösungen der Aufgabe. Es gibt zwei
Dreiecke mit diesen Seiten und Winkeln.
.
,
d.h., es gibt kein eulersches Dreieck mit den gegebenen Maßen.Aus der nebenstehenden Figur erhält man den Seitenkosinussatz.

Es gilt:
Wegen
ist also
.
Damit geht der Quotient
über in
.
Hieraus erhält man
.
Durch zyklische Vertauschung erhält man die restlichen Formeln des
Seitenkosinussatzes:
Im sphärischen Dreieck ist der Kosinus einer Seite gleich der Summe der Kosinusprodukte der beiden anderen Seiten und dem mit dem Kosinus des eingeschlossenen Winkels multiplizierten Sinusprodukt dieser Seiten.
Der Seitenkosinussatz ermöglicht also die Berechnung der Länge einer Seite, wenn die Längen der beiden anderen Seiten und der von ihnen eingeschlossene Winkel gegeben sind. Stellt man die Formeln nach dem in ihnen vorkommenden Winkelkosinus um, so erkennt man, dass sie zur Berechnung der Größe eines Winkels geeignet sind, wenn man die Längen aller Seiten kennt.
Geht man zum Polardreieck des Dreiecks ABC über, indem man a, b,
c, C durch A, B, C und c ersetzt, erhält man den Winkelkosinussatz:
Im sphärischen Dreieck ist der Kosinus
eines Winkels gleich der Summe aus dem negativen Produkt der Kosinus der
beiden anderen Winkel und dem mit dem Kosinus der gegenüberliegenden
Seite multiplizierten Sinusprodukt der beiden anderen Winkel.
Der Winkelkosinussatz ermöglicht also die Berechnung der Größe eines Winkels, wenn die beiden anderen Winkel und die Länge der dem Winkel gegenüberliegenden Seite bekannt sind. Er ermöglicht auch die Berechnung der Länge einer Seite, wenn alle Winkel des sphärischen Dreiecks gegeben sind.
Beispiele
.

um,
erhält man:

.
und
auch den Sinussatz heranziehen. Man erhält jeweils zwei mögliche
Winkelwerte, die man daraufhin überprüfen muss, ob sie für
eulersche Dreiecke möglich sind. So erhält man z.B. mithilfe
des Sinussatzes für
auch
.
Aber die Summe der Winkelgrößen des Dreiecks ist für
diesen Wert von
kleiner als
.
Ein solches Dreieck gibt es nicht. Der Seitenkosinussatz ist zwar rechnerisch
aufwendiger, da die Kosinuswerte für Winkel kleiner
positiv, für Winkel größer als
und kleiner als
aber negativ sind, liefert er jedoch immer eindeutige Lösungen. Gegeben sind
.

Aus dem Seitenkosinussatz wird c
berechnet:
Nun sind a, b und c bekannt, also können
und
mithilfe
der entsprechenden Formeln des Kosinussatzes berechnet werden.
Berechnet man
mithilfe des Sinussatzes, erhält man die Winkelwerte
.
Wegen
muss auch
sein, also kommt der Wert
nicht infrage. Analoges gilt für die Berechnung des Winkels
.
Zur Lösung der folgenden beiden Aufgaben werden nur die Winkelkosinussätze verwendet.
,

,
.
