

Grenzwertsätze
gehören zu den wichtigsten Aussagen der Stochastik. Der französische
Mathematiker PIERRE SIMON DE LAPLACE (1749 bis 1827) nannte sie eine der
interessantesten und heikelsten Teile der Analysis des Zufalls.
Wie es schon sein Name zum Ausdruck bringt, kommt dabei dem Zentralen
Grenzwertsatz, der eine theoretische Erklärung für das
Auftreten der Normalverteilung liefert,
eine besondere Stellung zu. Die älteste Fassung des Zentralen Grenzwertsatzes
in der Geschichte der Wahrscheinlichkeitstheorie ist der Grenzwertsatz von
MOIVRE-LAPLACE, der die Approximation
der Binomialverteilung durch die Normalverteilung beschreibt.
ABRAHAM DE MOIVRE (1667 bis 1754, Bild 1) war ein aus Frankreich nach
England vertriebener Mathematiker, der sich in London u.a. mit Ratschlägen
für Glücksspieler durchs Leben schlagen musste.
In diesem Zusammenhang
war er dringend an einer numerischen Approximation der Binomialverteilung
interessiert, denn vor allem aufsummierte Binomialwahrscheinlichkeiten
für
große n oder für "krumme" Werte von p lassen sich
schwer berechnen. Er löste das Problem für
,
indem er die Grenzverteilung für
herleitete.
LAPLACE konnte den Nachweis über die Annäherung der Binomialverteilung
an die Normalverteilung für beliebige p erbringen. Ihn interessierte
dabei nicht nur die Problematik der numerischen Approximation der Binomialverteilung,
sondern auch die der Anwendungsmöglichkeiten der Normalverteilung.
Der Grenzwertsatz von MOIVRE-LAPLACE besagt das Folgende:
Ist X eine binomialverteilte Zufallsgröße mit
,
dann gilt:


(wobei
und 
sowie
und
ist)
Praktisch wird dieser Satz vor allem zum näherungsweisen
Berechnen von Binomialwahrscheinlichkeiten verwendet.
Für
(Faustregel) sind die folgenden Näherungsformeln
sinnvoll:

Anmerkung: Der in der globalen Approximation enthaltene Summand 0,5 hat keinen mathematisch
begründbaren Hintergrund. Sein Einfügen beruht auf Erfahrung.
Die Formel wird auch ohne den Korrektursummanden 0,5 genutzt.
Ein Anwendungsproblem und seine Lösung
Am diesjährigen Schulsportfest der 11. und 12. Klassen des "Lauf-dich-gesund-Gymnasiums"
nehmen 114 Schüler teil. Die Mitarbeiterinnen der Schulkantine bieten
zur besonderen Stärkung Steak vom Laufschwein an. Aus Erfahrungen
vergangener Jahre wissen sie, dass im Mittel zwei Drittel der Sportfestteilnehmer
von diesem Angebot Gebrauch machen. Sie bereiten deshalb 80 Portionen
zu, wobei der Verkaufspreis so kalkuliert wurde, dass bei einem Verkauf
von weniger als 60 Steaks ein finanzieller Verlust entsteht.
Mit welcher Wahrscheinlichkeit stärken sich zwischen 60 und 80 Sportfestteilnehmer
mit einem Steak vom Laufschwein.
Modellfindung: Wenn man davon ausgeht, dass
sich die Sportfestteilnehmer unabhängig voneinander entscheiden,
ob sie ein Steak kaufen oder nicht (diese Annahme wird im realen Geschehen
nicht immer erfüllt sein), dann ist die zufällige Anzahl X der
ess- und kaufwilligen Sportfestteilnehmer binomialverteilt mit den Parametern
.
Für die gesuchte Wahrscheinlichlichkeit
gilt:

Der Faustregel wird genügt, denn es ist:

Die globale Näherung mit
und
liefert:
