


In der Praxis steht
man oftmals vor der Notwendigkeit, Wahrscheinlichkeiten für Ereignisse
der Gestalt
zu berechnen. Dies erweist sich aber nicht immer als ganz einfach. Wir betrachten
dazu ein Beispiel:
und
einzusetzen. Während das Verfahren
einfach handhabbar und kostengünstig ist, belastet
den Probanden erheblich und verursacht deutlich mehr Kosten als
.
Die untersuchte Person hat aber nur dann Diabetes, wenn sowohl
als auch
einen positiven Befund ergeben haben. Anstatt alle 1000 Testpersonen mittels der Verfahren
und
zu untersuchen, wäre es günstiger, zuerst bei allen Probanden
anzuwenden
und
dann nur bei jenen, bei denen
einen positiven Befund
ergeben hat. Aber wie lässt sich dann eine Wahrscheinlichkeitsaussage
über das relevante Ereignis
machen?
Wir betrachten dazu den allgemeinen
Multiplikationssatz
(Produktsatz) für zwei Ereignisse:
,
so gilt: 
Bezüglich dieses Multiplikationssatzes stellen wir fest:
Kehren wir zu unserem Eingangsbeispiel zurück. Nimmt man fiktiv
an, dass bei 290 Probanden das Verfahren
einen positiven Befund ergeben hat und dass bei 35 von diesen 290 auch
positiv
war, so ergibt sich (wenn man für die betreffenden Wahrscheinlichkeiten
näherungsweise die relativen Häufigkeiten verwendet):

Das Beispiel verdeutlicht auch die Erfahrung aus der Praxis, dass für
Berechnungen häufig nicht die Formel für
,
sondern der gleichwertige Multiplikationssatz zur Berechnung von
verwendet
wird.
Verallgemeinerung des
Multiplikationssatzes für n Ereignisse
Der allgemeine Multiplikationssatz (Produktsatz) für zwei Ereignisse
lässt sich wie folgt für n Ereignisse
verallgemeinern:
n Ereignisse eines Zufallsexperiments mit
,
so gilt:
Diesen Multiplikationssatz kann man sich gut an einem n-stufigen Vorgang
veranschaulichen (Bild 2). Das Ereignis
kann gleichsam schrittweise entlang eines Pfades im n-Stufigen Baumdiagramm
abgearbeitet werden:
mit
ein.
eingetreten ist, tritt
mit der Wahrscheinlichkeit
ein.
eingetreten sind, tritt
mit der Wahrscheinlichkeit
ein usw.Wir betrachten auch zum Multiplikationssatz für mehr als zwei Ereignisse ein Beispiel:
Kugeln, davon
grüne und
weiße Kugeln, befinden, jeder von ihnen dem Alter nach (der Jüngste
beginnt) eine Kugel zieht. Wer als Erster eine grüne Kugel zieht,
der darf beim Murmelspiel beginnen.
das Ergebnis der i-ten Ziehung mit
und 


Es kann auch interaktiv untersucht werden, ob es möglich ist, die Werte für n und g so zu wählen, dass der Vorteil der ersten Ziehung hinsichtlich der Gewinnchancen der Nachziehenden ausgeglichen werden kann (s. Bilder 4 und 5).
Wird in obigem Beispiel die gezogene Kugel allerdings wieder zurückgelegt,
dann würden die Chancen für den Nachziehenden, eine grüne
Kugel zu ziehen, gleich bleiben, d.h., es würde gelten:

und

Die Information, dass Jonas eine weiße Kugel gezogen hat, bringt
Lars in diesem Fall auch keine erhöhte Chance, eine grüne Kugel
zu ziehen. Dies bedeutet, es liegt stochastische Unabhängigkeit vor.
Für n voneinander (vollständig)
unabhängige Ereignisse vereinfacht sich der Multiplikationssatz
zu folgender Aussage (spezieller
Multiplikationssatz):