

Für eine Reihe
von Aufgabenstellungen der Differenzialrechnung, z.B. bei Kurvendiskussionen
(Untersuchung des Monotonieverhaltens, der Existenz lokaler Extrema, des
Vorhandenseins von Wendepunkten und des Krümmungsverhaltens von Funktionen)
oder beim Berechnen von Näherungswerten von Funktionen sind die so
genannten globalen Sätze von besonderer Bedeutung.
Zu diesen zählen unter anderem der Mittelwertsatz der Differenzialrechnung
und der nachstehend betrachtete Satz. Dieser geht auf den französischen
Mathematiker MICHEL ROLLE (1652 bis 1719) zurück und besagt Folgendes:
stetig und im offenen Intervall
differenzierbar mit
,
dann existiert mindestens eine Stelle c zwischen a und b, also
,
so dass
ist.Beweis des Satzes von ROLLE
Man unterscheidet beim Beweis zwei
Fälle.
konstant
für jedes
und damit
für alle
.
nicht konstant Ohne Beschränkung der Allgemeinheit gelte für die Funktionswerte
. Da
f in
stetig ist, nimmt f in
einen größten Wert
an.

Für genügend kleines
gilt:

Strebt h nun gegen null, so folgt hieraus
.
Im Falle
wird analog gefolgert.
Einen Spezialfall des
Satzes von ROLLE erhält man für
:
stetig und in
differenzierbar ist, liegt mindestens eine Nullstelle von
. Geometrisch bedeutet der Satz von ROLLE, dass es mindestens einen Kurvenpunkt
in
gibt,
dessen Tangente parallel zur
x-Achse ist.
Wir betrachten noch zwei Beispiele zum Satz von ROLLE und zu seiner Anwendung.
Die Funktion
ist ein Beleg dafür, dass man im Satz von ROLLE nicht formulieren
darf, dass genau eine Zahl
existiere. Betrachtet man
in
,
dann erfüllt f die Voraussetzungen des Satzes von ROLLE. Die Ableitungsfunktion
ist
.
Für
erhält man
,
woraus
folgt (Bild 2).
ist
im Intervall
eine Stelle
so zu bestimmen, dass die Tangente in
an die Funktion f parallel zur x-Achse ist. Für
erhält man
.
Aus
folgt
und demzufolge
.
Mit anderen Worten: An der Stelle
besitzt die Funktion
eine zur x-Achse parallele Tangente. Bild 3 veranschaulicht den Sachverhalt.