

Unter dem Einfluss ihres Eigengewichtes nimmt eine Kette (oder ein Seil) bei Aufhängung an zwei nicht übereinanderliegenden Punkten bei Ruhe die Form einer Kettenlinie an (Bild 1). Diese hängt von der Lage der Aufhängepunkte und der Länge der Kette, nicht jedoch von ihrem Gewicht pro Längeneinheit ab.
Das Problem der Kettenlinie wurde erstmals von GALILEO GALILEI (1564 bis 1642) untersucht. Es geht dabei um folgende Frage:
GALILEI glaubte, dass die Kettenlinie eine Parabel
sei. Diese Annahme wurde vom deutschen Mathematiker, Physiker und Philosophen
JOACHIM JUNGIUS (1587 bis 1657) in seiner 1639 erschienenen "Geometria
empyrica" widerlegt. Auch CHRISTIAAN HUYGENS (1629 bis 1695, Bild 2)
wies den Fehler GALILEIS bei der Lösung nach, indem er zeigte, dass
die Kettenlinie keine Parabel sein könne (und dies, wo doch selbst
die päpstlichen Inquisition keinen Fehler im Werk GALILEIS gefunden
hatte).
Mit dem Problem der Kettenlinie beschäftigten sich auch die Brüder
JAKOB BERNOULLI (1654 bis 1705) und JOHANN BERNOULLI (1667 bis 1748) sowie
der deutsche Gelehrte GOTTFRIED WILHELM LEIBNIZ (1646 bis 1716). Eine Lösung,
d.h. die explizite Herleitung einer diese Funktion beschreibenden Gleichung,
gelang im Jahre 1690.
Die Art und Weise, wie man heute dieses Problem angeht, sei im Folgenden
skizziert (sie entspricht etwa dem Weg, den JOHANN BERNOULLI seinerzeit
gegangen ist).
Die Kraft, die eine Kette spannt, ist ihr eigenes Gewicht G. Da die Kette
im Gleichgewicht ist, sind die Kraftkomponenten in x-Richtung gleich,
d.h., es ist
.
Es gilt:

Damit ergibt sich:

Allgemein findet man für
und
(vgl. die einleitende Bemerkung):


Bezeichnet H den als konstant angenommenen Durchmesser der Kette,
das spezifische Gewicht des Materials und ds das Bogenelement, so lässt
sich das Gewicht G des Kettenstücks zwischen x und
schreiben als
.
Insgesamt findet man:

.
,