Wählt man
in der tschebyschewschen Ungleichung
für
den Parameter
Vielfache der Standardabweichung
,
setzt man also
,
so erhält man:

Die Wahrscheinlichkeit, dass X einen Wert annimmt, der von EX um mindestens
das n-fache der Standardabweichung
abweicht, ist folglich höchstens
.
Für die Spezialfälle
ergibt sich dann Folgendes:

Diese aus der tschebyschewschen Ungleichung gewonnenen Aussagen werden als
oder
bezeichnet.
und der Streuung
annimmt, beträgt mindestens 0,75;
annimmt, mindestens
.Wir betrachten ein Beispiel.
In einer ersten Stufe der Bearbeitung des
Beispiels setzen wir nur die Kenntnis von EX und
voraus. Der Vorteil der
besteht darin, dass sie auch dann angewendet werden kann, wenn man die
Wahrscheinlichkeitsverteilung der Zufallsgröße X nicht kennt,
sondern nur ihren Erwartungswert EX und ihre Streuung
.
Es sei
und
.
Nach der
erhält man:

Das heißt: Mit einer Wahrscheinlichkeit von höchstens 0,25
weicht die Zufallsgröße X um mehr als 2DX von EX ab.
In einer zweiten Stufe setzen wir zusätzlich
die Kenntnis der Wahrscheinlichkeitsverteilung
der Zufallsgröße X voraus. Es sei 
Wie man sich überzeugen kann, hat X die oben angegebenen Werte für
den Erwartungswert und die Streuung. Jetzt ist es möglich, die gesuchte
Wahrscheinlichkeit direkt zu berechnen:

Die Zufallsgröße X weicht also mit einer Wahrscheinlichkeit
von 0,125 um mehr als 2DX von EX ab.
Das Beispiel zeigt, dass die auf der
beruhenden Abschätzungen
relativ grob sind. Dies schränkt die Möglichkeiten einer praktischen
Nutzung der Regel ein. Trotzdem ist sie nicht ohne praktische Relevanz.
Wir betrachten im Folgenden ein Anwendungsbeispiel.
Lars Spielmann besitzt noch einen alten, abgenutzten und lädierten
Würfel, dessen Beschriftung mit den Zahlen 1 bis 6 teilweise nur
noch schwer zu erkennen ist. Trotzdem hängt er an diesem Würfel.
Er möchte deshalb gern wissen, ob er ihn noch benutzen kann, wenn
das betreffende Würfeln fair ablaufen soll. Dazu würfelt er
1000-mal mit diesem Würfel und registriert die absoluten Häufigkeiten
für die einzelnen Zahlen. Als relative Häufigkeiten erhält
er dann die in der folgenden Tabelle enthaltenen Werte
|
k
|
1
|
2
|
3
|
4
|
5
|
6
|
![]() |
0,153
|
0,271
|
0,174
|
0,163
|
0,080
|
0,159
|
Da Lars Spielmann fair würfeln möchte, muss er von der Annahme
ausgehen, dass alle Zahlen gleichwahrscheinlich auftreten, und zwar mit
dem Erwartungswert

und der Standardabweichung

Das zugehörige
ist
.
Da die relativen Häufigkeiten für die Würfelzahlen 2 und
5 außerhalb des
liegen, wird sich Lars Spielmann wohl von diesem Würfel trennen müssen,
denn die angenommene Gleichwahrscheinlichkeit der Augenzahlen kann mit
einer Fehlerwahrscheinlichkeit von höchstens
verworfen werden.
Eigene Würfelergebnisse kann man mit dem "gezinkten Taschenrechnerwürfel" interaktiv gewinnen (s. Bild 1). So ist es z.B. möglich, zu untersuchen,
liegen, oder
liegen.Zur Demonstration wird die "Zinkung" 
gewählt.
Mithilfe des Programms simgezw(mat,n,x) erhält
man z.B. die folgenden Simulationsergebnisse:
|
n
|
![]() |
|
|
1
|
![]() |
|
|
5
|
![]() |
|
|
10
|
![]() |
|
|
100
|
![]() |
|
|
200
|
![]() |
Vergleicht man die relativen Häufigkeiten mit dem jeweiligen
,
so sieht man, dass bei dieser Simulation die relativen Häufigkeiten
erstmals für n = 100 außerhalb des
liegen.
Bei einer
Zufallsgröße X mit
und
verschärft sich die Aussage der
zu ![]() (wobei
die Dichtefunktion von X ist). Unter Beachtung der Symmetrie der Glockenkurve gilt: ![]() |
![]() |
Somit begeht man beim Berechnen von
auf zwei Dezimalen gerundet keinen Fehler, wenn dabei die untere Integrationsgrenze
durch
ersetzt
wird, was einen beträchtlichen Zeitgewinn
bei der Nutzung des TI-92 bedeutet.