



Die Dreiecksverteilung wird in den meisten Lehrbüchern zur Stochastik kaum erwähnt bzw. nur am Rande behandelt. Das mag seinen Grund darin haben, dass diese Verteilung kein eigenständiges, aus der Praxis stammendes Anwendungsgebiet besitzt.
In der Geschichte der Wahrscheinlichkeitstheorie war es THOMAS SIMPSON
(1710 bis 1721, Bild 1), der die Dreiecksverteilung erstmalig zum Gegenstand
einer mathematischen Abhandlung machte. Deshalb trägt sie mitunter
auch seinen Namen.
THOMAS SIMPSON war von Beruf Weber. Seinen Lebensunterhalt verdiente er
sich vor allem als Mathematiklehrer (zuerst an einer Abendschule in Derby
und später an der Königlichen Militärakademie in London).
Sein Hauptinteresse galt der Wahrscheinlichkeitsrechnung und der Analysis.
Bekannt geworden ist er auch durch die simpsonsche
Formel zur näherungsweisen Flächenberechnung.
Mit der Dreiecksverteilung diskreter Zufallsgrößen beschäftigte sich SIMPSON, um die in der damaligen Praxis übliche Verwendung des arithmetischen Mittels zum Messfehlerausgleich als gerechtfertigt nachzuweisen. Er zeigte, dass diese Verfahrensweise sinnvoll ist, wenn die Häufigkeiten von n äquidistanten diskreten Messwerten ein Dreieck bilden, wenn also z.B. gilt (s. dazu auch Bild 2):
| Messwert |
- 4
|
- 3
|
- 2
|
- 1
|
0
|
1
|
2
|
3
|
4
|
| Häufigkeit |
1
|
2
|
3
|
4
|
5
|
4
|
3
|
2
|
1
|
Diesen Ansatz für eine diskrete Dreiecksverteilung kann man auf stetige Wahrscheinlichkeitsverteilungen ausdehnen.
,
wenn sie die Wahrscheinlichkeitsdichte f mit
Für eine dreiecksverteilte
stetige Zufallsgröße X gilt:

Für die zugehörige (in Bild 4 dargestellte)
Verteilungsfunktion F dieser Zufallsgröße erhält man:

Die beiden wichtigsten Kenngrößen von X, der Erwartungswert
und die Streuung, nehmen folgende Werte an:
besitzt diese Zufallsgröße?Die folgende Tabelle gibt die Wahrscheinlichkeitsverteilung wieder.
| Augen- summe i |
günstige Ergebnisse für die Augensumme | Anzahl |
![]() |
| 2 | (1; 1) |
1
|
![]() |
| 3 | (1; 2), (2; 1) |
2
|
![]() |
| 4 | (1; 3), (2; 2), (3; 1) |
3
|
![]() |
| 5 | (1; 4), (2; 3), (3; 2), (4; 1) |
4
|
![]() |
| 6 | (1; 5), (2; 4), (3; 3), (4; 2), (5; 1) |
5
|
![]() |
| 7 | (1; 6), (2; 5), (3; 4), (4; 3), (5; 2), (6; 1) |
6
|
![]() |
| 8 | (2; 6), (3; 5), (4; 4), (5; 3), (6; 2) |
5
|
![]() |
| 9 | (3; 6), (4; 5), (5; 4), (6; 3) |
4
|
![]() |
| 10 | (4; 6), (5; 5), (6; 4) |
3
|
![]() |
| 11 | (5; 6), (6; 5) |
2
|
![]() |
| 12 | (6; 6) |
1
|
![]() |
Die Zufallsgröße Y besitzt als Wahrscheinlichkeitsverteilung eine diskrete Dreieckverteilung. Dieses theoretisch gewonnene Ergebnis kann experimentell und interaktiv bestätigt werden, indem man das zweimalige Würfeln mit einem L-Würfel simuliert (s. Bild 5 bzw. interaktives Beispiel 1). So ergeben 1000 derartige Simulationen zum Beispiel das in Bild 6 dargestellte Histogramm.
Dieses Ergebnis lässt sich folgendermaßen verallgemeinern:
zwei unabhängige und über dem Intervall
gleichverteilte stetige Zufallsgrößen mit der gleichen Dichtefunktion
stetig
dreiecksverteilt.