Eine Gerade
in der xy-Ebene wird durch die Gleichung

beschrieben, und jede Gerade dieser Ebene lässt sich durch eine solche
Gleichung beschreiben.
Analog dazu wollen wir nun überlegen, welche Punktmenge des Raumes
durch die Gleichung

beschrieben wird.
Wo liegen also die Punkte
deren Koordinaten die Gleichung (2) erfüllen?
Eine Beantwortung dieser Frage ist nicht sehr schwierig, wenn man beispielsweise
an Folgendes denkt:
Eine ähnliche Summe wie in Gleichung (2) ist
uns bisher nicht nur bei Geraden in der Ebene, sondern auch beim Skalarprodukt begegnet. Definiert man den Vektor
so lässt sich Gleichung (2) mit dem Ortsvektor
zum Punkt X auch wie folgt aufschreiben:
Durch die Gleichungen (2) und (3) werden also alle
Punkte X des Raumes beschrieben, die dieselbe Normalprojektion
des zugehörigen Ortsvektors
in Richtung des Vektors
besitzen.Nebenstehendes Bild zeigt zwei derartige Punkte
die Projektionen der Ortsvektoren
sind dabei rot markiert. |
![]() |
bilden, auf der der Vektor
senkrecht steht.
Ist P ein Punkt dieser Ebene
,
so lässt sich Gleichung (3) auch wie folgt aufschreiben:

Häufig multipliziert man (4) noch mit
und erhält mit
die folgende Gleichung:
Der Vektor
hat den Betrag 1 und steht senkrecht auf
,
daher wird er auch Orthonormalenvektor
der Ebene
genannt.
Anmerkung: Offenbar gibt es zu jeder Ebene
genau
zwei verschiedene Orthonormalenvektoren.
Durch die Gleichungen (2), (4) und (5) werden also Ebenen im Raum beschrieben und offenbar kann umgekehrt jede Ebene des Raumes auf diese Weise beschrieben werden. Die Gleichung (2) heißt auch Koordinatengleichung oder parameterfreie Gleichung der Ebene, eine Gleichung der Form (4) heißt Normal(en)form und eine Gleichung der Form (5) hessesche Normal(en)form der Gleichung einer Ebene im Raum.
Ist
und jeder der Koeffizienten a, b und c in Gleichung (2) von null verschieden,
so erhält man durch Division dieser Gleichung durch die Zahl
die Achsenabschnittsgleichung
einer Ebene in folgender Form:

Hieraus lassen sich die Schnittpunkte der Ebene mit den Koordinatenachsen direkt ablesen:
Aus Erfahrung weiß man, dass ein dreibeiniger Tisch im Gegensatz
zu Tischen mit vier oder mehr Beinen (fast immer) sicher steht. Dies hat
eine einfache mathematische Ursache: Drei Punkte liegen stets in einer
Ebene des Raumes. Auch umgekehrt ist durch drei Punkte, die nicht alle
auf derselben Geraden liegen, eine Ebene im Raum eindeutig bestimmt. Dies
ist anschaulich klar. Aber lässt es sich auch mathematisch fassen?
Wie kann die durch drei nichtkollineare Punkte A, B und C festgelegte
Ebene
"mathematisch" beschrieben werden?
Dazu muss man der Frage nachgehen, was Punkte X dieser Ebene von anderen
Punkten des Raumes (in Bezug auf die Punkte A, B und C) unterscheidet.
Wir betrachten die (verschiedenen) Geraden g und h durch die Punkte A
und B sowie A und C. Will man nun den Schnittpunkt A dieser Geraden auf
einen beliebigen Punkt X von
verschieben, so gelingt dies immer, indem man A erst ein Stück entlang
der Geraden g und anschließend parallel zu h verschiebt (man könnte
auch umgekehrt den Punkt A erst auf der Geraden h und anschließend
parallel zu g verschieben). Der Punkt A kann also durch Hintereinanderausführen
zweier Verschiebungen parallel zu g bzw. h auf jeden Punkt X der Ebene
abgebildet
werden.
Betrachtet man die durch die Punkte A, B, C und X bestimmten Vektoren,
so heißt dies nichts anderes, als dass sich der Vektor
als Linearkombination der Vektoren
darstellen lässt. Auch anhand nebenstehender Abbildung wird deutlich,
dass diese Darstellung des Vektors
als Linearkombination von
eindeutig ist. |
![]() |
Ebenso wichtig ist, dass diese Aussagen nur für Punkte der Ebene
gelten.
Liegt ein Punkt P nicht in dieser Ebene, so kann der Punkt A durch eine
Hintereinanderausführen von Verschiebungen parallel zu den Geraden
g und h nicht auf P abgebildet werden. Damit verfügen wir über
eine weitere Ebenengleichung:

Erinnern wir uns an die Definition der Vektoren
so lässt sich Gleichung (7) auch wie folgt schreiben:

Die Gleichung (7) heißt auch Punktrichtungsgleichung
einer Ebene in Parameterform, die (linear unabhängigen) Vektoren
werden
auch Spannvektoren der Ebene
genannt.
Die Gleichung (8) heißt Dreipunktegleichung
einer Ebene in Parameterform.
Die folgende Tabelle gibt nochmals einen Überblick über die uns zur Verfügung stehenden Ebenengleichungen.
| Koordinatengleichung | ![]() |
| Normal(en)form | ![]() |
| Hessesche Normal(en)form | ![]() |
| Achsenabschnittsgleichung | ![]() |
| Punktrichtungsgleichung | ![]() |
| Dreipunktegleichung | ![]() |
Anmerkung: Die Achsenabschnittsgleichung
ist nur möglich für Ebenen, die weder parallel zu einer Koordinatenachse
noch durch den Ursprung verlaufen.