

Radioaktiver
Zerfall
Beim Zerfall instabiler Atomkerne kann man annehmen, dass die Zahl der
je Zeiteinheit zerfallenden Kerne
proportional zur noch vorhandenen Anzahl N ist:
Die Zerfallskonstante
ist charakteristisch für den jeweiligen Atomkern, das negative Vorzeichen
beschreibt die Tatsache, dass beim Zerfall die Zahl N abnimmt.
Die entsprechende Differenzialgleichung
lautet dann
Die Trennung der Variablen (N und t)
und Integration auf beiden Seiten ergibt:
Mit der Anfangsbedingung, dass
die Teilchenzahl zur Zeit
ist, erhält man
Mit 
Anmerkungen:
|
1. Dem gleichen Gesetz folgen die Anzahl der Zerfälle je Zeiteinheit,
d.h. die Zahl der ausgesandten Teilchen, die man messen kann. Aus
zwei solchen Intensitätsmessungen lässt sich dann |
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Exponentielles Wachstum
Bei Anregungsprozessen in atomaren Systemen
kann jedes angeregte Atom
weitere Atome anregen. Die Zahl der angeregten Atome nimmt
also im Unterschied zum radioaktiven Zerfall zu
gemäß 
Die Lösung entspricht obiger Rechnung und führt zu
Diese bedeutsame Gleichung gilt nicht nur für
physikalische Systeme, sondern z.B. auch für Ihr Geld auf einem Sparkonto
(
ist
dann der Zinssatz), für Wirtschaftswachstum, für das Anwachsen
von Tierpopulationen und Bakterienstämmen u.a.m. Das stimmt dann
und nur dann, wenn
konstant bleibt und wenn keine Störungen auftreten. Das ist in Wirtschaft
und Natur selten der Fall. Fast immer sind der Lebensraum, die Nahrungsquellen
oder andere Ressourcen begrenzt.
Anmerkung:
Beachten Sie, dass exponentielles Wachstum immer schneller wird! Wann
hat sich Ihr Geld nach diesem Gesetz verdoppelt? Es ist
Das Produkt aus Zinssatz und
Zahl der Jahre ist 0,7; bei einem Zinssatz von
(0,07) verdoppelt sich Ihr Geld in 10 Jahren, in 20 Jahren verfügen
Sie über den vierfachen Betrag und in 100 Jahren über den
–
wenn nichts dazwischen kommt!
Gebremstes Wachstum
Wir suchen ein mathematisches Modell für den Normalfall
von Wachstum in der Natur. Kleine Populationen wachsen so, wie eben beschrieben,
bei zu starkem Anwachsen wird der Anstieg wegen begrenzter Ressourcen
immer langsamer. Ein brauchbarer Ansatz ist offenbar die folgende Differenzialgleichung:
Für kleine Werte von N ist der Zuwachs proportional
N, je näher aber N dem Grenzwert 1 kommt, desto langsamer wächst
die Population.
Auch hier lassen sich die Variablen trennen.
Die Integration ist etwas aufwendig und soll hier übergangen
werden. Es kann leicht nachgeprüft werden, dass folgende Gleichung
eine Lösung ist:

Offensichtlich strebt N für
gegen 1. Das gilt für jeden Startwert (s. nebenstehende Abbildung
und Bild 1.) |
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Deterministisches
Chaos
Bisher haben wir mit kontinuierlichen
Veränderungen gerechnet und uns dabei der Differenzialrechnung bedient.
Vorgänge in der Natur sind aber oft sprunghaft. So haben viele Tiere
einmal im Jahr Nachwuchs, sodass die Frage nach der Population zwischendurch
sinnlos ist. Auch in der Physik, z.B. beim Laser, verlaufen oft die wesentlichen
Prozesse quantenhaft.
Wir tragen dem Rechnung, indem wir die Gleichung
nicht mittels
in eine Differenzialgleichung umwandeln, sondern wir setzen
und erhalten eine Rekursionsgleichung für die Folge 

Jeder Wert ergibt sich eindeutig aus dem vorhergehenden.
Als Endwert für
ergibt sich
Wie schnell dieser Wert erreicht wird, hängt von
ab. Wie die Abbildungen zeigen, wird er in manchen Fällen gar nicht
erreicht, der Verlauf kann auch chaotisch werden.
Untersuchen Sie selbst das merkwürdige Verhalten dieser Folge! Nehmen
Sie die Startwerte 0,04 und 1,2 und für
die Werte 1,5; 2; 2,1; ...; 3.
(Interaktives Rechenbeispiel)