GABRIEL CRAMER
wurde am 31. Juli 1704 als Sohn eines Arztes in Genf geboren, wo er auch
seine Ausbildung erhielt. Diese absolvierte er sehr zügig, und bereits
im Jahre 1724 wurde für ihn an der Académie
de Genève ein Lehrstuhl für Mathematik geschaffen.
CRAMER teilte sich diesen zunächst mit JEAN-LOUIS CALANDRINI (1703
bis 1758). Während Letzterer Algebra und Astronomie lehrte, konzentrierte
sich CRAMER auf Probleme der Geometrie und Mechanik. Auf seinen Vorschlag
hin wurde an der Genfer Akademie dazu übergegangen, die Vorlesungen
nicht mehr in lateinischer Sprache, sondern in Französisch, der Sprache
der Gelehrten jener Zeit, zu halten.
Die Teilung des Lehrstuhls für Mathematik hatten den Vorteil, dass
GABRIEL CRAMER (während CALANDRINI Vorlesungen hielt) ausgedehnte Bildungsreisen
in mehrere europäische Städte und Länder unternehmen konnte
und so bedeutende Mathematiker seiner Zeit persönlich kennenlernte.
In Basel traf er sowohl JOHANN BERNOULLI (1667 bis 1748) als auch dessen
Schüler DANIEL BERNOULLI (1700 bis 1782) und LEONHARD EULER (1707 bis
1783), in England ABRAHAM DE MOIVRE (1667 bis 1754) und JAMES STIRLING (1692
bis 1770) sowie in Paris GEORGES-LOUIS LECLERC DE BUFFON (1707 bis 1788),
um nur einige Namen zu nennen. Aus diesen Bekanntschaften entwickelte sich,
nachdem CRAMER 1729 nach Genf zurückgekehrt war und 1734 alleiniger
Inhaber des Lehrstuhls Mathematik wurde, eine umfangreiche wissenschaftliche
Korrespondenz.
Die wissenschaftlichen Interessen GABRIEL CRAMERS waren sehr vielseitig.
Unter anderem arbeitete er auf philosophischem Gebiet als auch zur Mathematikgeschichte.
Zudem bekleidete er eine Reihe öffentlicher Ämter und war Berater
bei Instandsetzungsarbeiten an Kirchen. Sein bekanntestes mathematisches
Werk ist die 1750 erschienene "Introduction à l'analyse des
lignes courbes algébriques", in deren Mittelpunkt die Untersuchung
und Klassifizierung algebraischer Kurven
steht. Im Anhang befindet sich eine Regel für das Lösen von
linearen Gleichungssystemen mithilfe von Determinanten (speziell für
den Fall n = 5). CRAMER war zwar nicht der Erste, der eine solche Vorschrift
formulierte, doch trug er wesentlich zu deren Vereinfachung und Verbreitung
bei, sodass wir diese heute zu Recht als cramersche
Regel bezeichnen.
GABRIEL CRAMER selbst ist wohl nicht zu den bedeutenden Mathematiker zu
zählen ist, sein wesentliches Verdienst jedoch besteht in der Verbreitung
mathematischer Ideen seiner Zeit. So veröffentlichte er u.a Werke
JOHANN BERNOULLIS sowie eine Abhandlung über das Weltsystem von RENÉ
DESDARTES (1596 bis 1650).
GABRIEL CRAMER war Mitglied der Londoner Royal Society, der Berliner Akademie
der Wissenschaften sowie der Akademien von Bologna, Lyon und Montpellier.
Er verstarb, unverheiratet geblieben, am 4. Januar 1752 in Bagnols-sur-Cèze
(Frankreich).