
Der absolute Betrag
einer Zahl a (geschrieben:
)
ist bekanntlich gleich a, falls a positiv oder gleich null ist, und gleich
-a, falls a negativ ist:

Damit ist der absolute Betrag einer Zahl niemals negativ.
Die Gleichung
hat für
die Lösungen
für
die Lösung
und für
keine Lösung:
Die Gleichung
hat somit die Lösungen 
Generell muss man zum Lösen von Gleichungen mit Beträgen Fallunterscheidungen vornehmen, was nachfolgend an einigen Beispielen erläutert werden soll.
Lineare Gleichungen mit absoluten
Beträgen
Wir betrachten als lineare
Gleichungen mit absoluten Beträgen
im Folgenden Gleichungen des Typs
Beim
Lösen sind folgende Fälle zu unterscheiden:

woraus
folgt.Fall 2: 
Dann erhält man
woraus
folgt.
Die Gleichung
hat danach die Lösungen
und damit die Lösungsmenge 
Eine lineare Gleichung mit absoluten Beträgen kann also zwei
Lösungen haben.
Quadratische Gleichungen mit absoluten
Beträgen
Als quadratische Gleichungen
mit absoluten Beträgen sollen
Gleichungen der Form
untersucht werden. Beim Lösen sind folgende Fälle zu unterscheiden:

und nach der Lösungsformel für quadratische Gleichungen erhält
man:

und nach der Lösungsformel für quadratische Gleichungen erhält
man:
Beispiel: Es sind die Lösungen
der Gleichung
zu ermitteln.
Es sind folgende Fälle zu unterscheiden:

woraus
folgt, also ist 

woraus
folgt, also 
Die Lösungsmenge der Gleichung ist damit
Es existieren genau drei Lösungen.
Die oben allgemein geführten Betrachtungen zeigen, dass eine quadratische Gleichung mit absoluten Beträgen maximal vier Lösungen haben kann. Es sind aber auch Fälle möglich, bei denen es keine Lösung gibt, oder solche mit einer Lösung, mit zwei oder mit drei Lösungen.
zu
so erhält man im Fall 1 wiederum
Im zweiten Fall aber ergibt sich
und daher wegen der nunmehr negativen Diskriminate
keine weitere Lösung. Es gibt also nur zwei
Lösungen.
zu
so erhält man wiederum
Im zweiten Fall ergeben sich nunmehr aus der Gleichung
die Lösungen
Es existieren also vier verschiedene Lösungen.
hat eine Lösung
weil
ist.
hat keine Lösung, weil der absolute
Betrag niemals negativ ist, also insbesondere auch nicht den Wert
annehmen kann.Anmerkung: Die aus dem Fundamentalsatz der Algebra folgende Aussage, wonach eine ganzrationale Gleichung n-ten Grades im Bereich der reellen Zahlen höchstens (im Bereich der komplexen Zahlen genau) n Lösungen hat, gilt also nicht für entsprechende Gleichungen mit absoluten Beträgen.
Die Beispiele zeigen, dass man Gleichungen mit Beträgen durch Fallunterscheidungen
auf "normale" Gleichungen zurückführen kann. Auf diese
lassen sich dann gegebenenfalls die bekannten Lösungsverfahren oder
-strategien anwenden.
Da bei den Lösungsverfahren nicht davon ausgegangen werden kann,
dass ausschließlich äquivalente Umformungen vorgenommen wurden,
sind generell Proben erforderlich.