
Zahlenfolgen kann man hinsichtlich der Eigenschaften Monotonie und Beschränktheit untersuchen. Diese Untersuchungen sind nur für unendliche Zahlenfolgen sinnvoll, im Folgenden werden nur solche Folgen betrachtet.
Es sei das folgende Beispiel einer Zahlenfolge gegeben:

Wir zeigen, dass diese Folge streng monoton wachsend und beschränkt
(mit der unteren Schranke 0 und der oberen Schranke 1) ist:
(1) Monotonie
Es ist zu zeigen, dass
für alle n gilt.

(2) Beschränktheit
Wegen
ist einsichtig, dass stets
gilt. Außerdem ist zu zeigen, dass
für alle n gilt.

Natürlich ist auch jede Zahl größer 1 eine obere Schranke
der Folge, aber der Wert 1 ist eine besondere obere Schranke, ihm nähern
sich die Glieder der Folge immer mehr (wie auch das folgende Bild zeigt).

So ist
und
.
Die Folge kommt dem Wert 1 also beliebig nahe, man muss nur in der Folge
weit genug voranschreiten (hinreichend große Glieder betrachten).
Der Begriff des Grenzwertes
Ausgehend von derartigen Überlegungen kommt man zur Definition eines
der zentralen Begriffe der Mathematik, dem Begriff
des Grenzwertes einer Zahlenfolge. Um
diesen exakt definieren zu können, führt man eine Größe
ein,
worunter eine beliebig kleine positive reelle Zahl verstanden wird. Dann
kann man wie folgt formulieren:
,
wenn für jedes noch so kleine
die Ungleichung
ab einem bestimmten n erfüllt ist.Wir betrachten wieder unser obiges Beispiel und zeigen, dass die Folge
den Grenzwert
hat. Es gilt:

Wählt man nun beispielsweise
,
so folgt
,
d.h., alle Glieder der Folge ab dem Glied
haben von 1 einen geringeren Abstand als die vorgegebenen 0,01 (Rechenbespiel).
Unter der
-Umgebung
einer Zahl g versteht man das offene Intervall
.
Mithilfe dieses Begriffes lässt sich die Definition des Grenzwertes
folgendermaßen vereinfachen:
,
wenn für jedes noch so kleine
fast alle Glieder an in der
-Umgebung
von g liegen.Die Glieder einer Zahlenfolge können sich dem Grenzwert g von unten (links), von oben (rechts) oder auch von beiden Seiten nähern.



Folgen, die einen Grenzwert haben, heißen konvergent;
haben Folgen keinen Grenzwert, so nennt man sie divergent.
Die Tatsache, dass die Folge
den Grenzwert g hat, drückt man durch folgende Symbolik aus:
(Sprechweise: Limes von
für n gegen unendlich gleich g)
Zahlenfolgen, die den Grenzwert 0 haben, heißen Nullfolgen.
Sie spielen beim Berechnen von (weiteren) Grenzwerten sowie beim Begründen
der Differentialrechnung eine besondere Rolle.
Grenzwerte arithmetischer und geometrischer
Zahlenfolgen
Eine arithmetische Folge
ist
- monoton wachsend für
;
- monoton fallend für
;
- konstant für
.
Nur im letzten Fall, d.h. für
,
ist die Folge konvergent und hat den (trivialen) Grenzwert
.
Die Folge der Partialsummen einer arithmetischen
Folge
wächst (bzw. fällt) über (bzw. unter) alle Grenzen, sie
ist also divergent.
Eine geometrische Folge
ist
- monoton wachsend für
;
- monoton fallend für
;
- konstant für
.
Im ersten Fall ist die Folge divergent, im dritten Fall besitzt sie den
(trivialen) Grenzwert
.
Gilt für eine geometrische Folge
,
so ist sie konvergent und es handelt sich um eine Nullfolge.
Die Folge der Partialsummen einer geometrischen
Zahlenfolge ist ebenfalls nur für den Fall
konvergent und hat den Grenzwert
.