Mathematik Abitur
Hinweise zur Anwendung des Grafiktaschenrechners VOYAGE 200 beim Lösen von Aufgaben aus der Analysis

1. Lösen von Gleichungen
Gleichungen (und Ungleichungen) können mit der Funktion solve( gelöst werden. Dazu wird solve in die Eingabezeile geschrieben oder aber über [F2] [1] (solve() eingegeben. Die Gleichung und – durch Komma getrennt – die aufzulösende Variable sind zu ergänzen und mit [ENTER] abzuschließen.
Damit Brüche, Wurzeln und Exponenten in üblicher Schreibweise dargestellt werden, muss der Pretty Print-Modus eingeschaltet sein ([MODE] [Pretty Print / on] ) (Bild 1).

Mithilfe der solve-Funktion werden – als Beispiel für das Lösen einer Parametergleichung – die Nullstellen der Funktionenschar ermittelt (vgl. 4. Darstellen von Funktionenscharen). Über den mit-Operator ([2nd] [K]) werden nach der zu lösenden Gleichung Bedingungen eingegeben: In der ersten Berechnung in der zweiten und dritten Berechnung der spezielle Wert t = 0,5. Ist am Rechner der Approx-Modus ([MODE] [Exact / Approxe] [3] (approximate)) eingestellt, so werden die Ergebnisse als Näherungswerte angezeigt (s. letzte Berechnung und Statusanzeige für die letzte Rechnung), im Exakt-Modus erhält man die Ergebnisse in symbolischer Form (Berechnungen 1 und 2) (Bild 2).

Im Bild 3 wird die Funktion solve verwendet, um die Wachstumsformel nach n aufzulösen. Die Vorgehensweise ist wie zu Bild 1 erläutert.

Soll eine quadratische Gleichung mithilfe der Lösungsformel gelöst werden, so wird diese als Funktion definiert und mit [ENTER] abgespeichert (Zeile 1). Damit steht die Lösungsformel jederzeit zur Verfügung. So werden mit die Lösungen für ermittelt (Zeile 2) (Bild 4).

2. Lösen linearer Gleichungssysteme
Folgendes Gleichungssystem sei zu lösen:


Der VOYAGE 200 stellt im MATH/Matrix-Menü ([2nd] [5]) zwei Befehle zum Lösen linearer Gleichungssysteme zur Verfügung. Da simult nur für eindeutig lösbare Gleichungssysteme vom Typ "n Variable und n Gleichungen" genutzt werden kann, ist der Operator rref allgemeingültiger und wird bevorzugt (Bild 5).

Die eingegebene Matrix entsteht, indem die Koeffizienten des Gleichungssystems und die Absolutglieder innerhalb der Klammer [ ] zeilenweise eingetragen werden. Die einzelnen Koeffizienten werden durch ein Komma getrennt; ein Semikolon am Zeilenende führt zur nächsten Zeile (Bild 6).

Durch Abschluss der in Bild 6 eingegebenen Matrix mit [ENTER] bringt der Operator rref das System auf Diagonalform, aus der man die Lösung in der letzten Spalte direkt ablesen kann (Bild 7).

3. Grafisches Darstellen von Funktionen
Die grafische Darstellung von Funktionen erfolgt beim VOYAGE 200 mithilfe des y-Editors. Nach dem Aufrufen des y-Editors mit [W] (y=) wird in der Eingabezeile die Funktionsgleichung eingegeben. Je nach Termstruktur ist dabei die Klammersetzung zu beachten. Wird die Eingabe mit [ENTER] abgeschlossen, wird der Funktionsterm in Zeile 1 angezeigt und der Cursor springt in Zeile 2. Damit ist die Eingabe (und gleichzeitige Darstellung) einer weiteren Funktion möglich (Bild 8).

Im Window-Editor ( [E] (WINDOW)) werden Eigenschaften des Grafikbildschirms festgelegt: xmin, xmax, ymin und ymax begrenzen die Intervalle auf der x- bzw. auf der y-Achse, xscl und yscl legen den Abstand zwischen zwei Teilstrichen der Achsen fest, und xres bestimmt die Pixel-Auflösung der Graphen (niedrige Werte verbessern die Auflösung, können aber die Darstellungsgeschwindigkeit verringern; Standardeinstellung ist 2) (Bild 9).
Nach Öffnen des Grafikbildschirms ( [R] (GRAPH)) erscheint dort der Graph der vorher eingegebenen Funktion. Feinheiten in der Darstellung sind in starkem Maße von den Window-Einstellungen abhängig. So ist das "Loch" im Graphen der hier dargestellten Funktion bei anderen Einstellungen u.U. nicht sichtbar (Bild 10).

4. Darstellen von Funktionenscharen
Im y-Editor ( [W] (y=)) wird die Gleichung der Funktionenschar und über den mit-Operator ([2nd] [K]) eine Liste mit ausgewählten Werten für den Parameter t eingegeben. Eine Liste wird erstellt, indem die einzelnen Elemente durch Komma getrennt innerhalb geschweifter Klammern geschrieben werden (Bild 11).

Über [R] (GRAPH) werden die ausgewählten Kurven im Grafikbildschirm dargestellt (Bild 12).

5. Abschnittweise definierte Funktionen
Dargestellt wird die abschnittsweise definierte Funktion f mit
Die drei Abschnitte der Funktion f sind als gesonderte Funktionen y1, y2 und y3 für das jeweilige Intervall im y-Editor ( [W] (y=)) definiert. Die Intervallgrenzen werden über den mit-Operator ([2nd] [K]), die Doppelungleichung (Zeile 2) als Verknüpfung and eingegeben (Bild 13).

Eine andere Variante ist die Eingabe im y-Editor als when-Funktion. Allgemein ist dabei einzugeben:
when (Bedingung, wahrer Term, falscher Term)

Da die hier darzustellende Funktion in drei Abschnitte unterteilt ist, ist die when-Funktion zweimal anzuwenden. Die Eingabe lautet dann:
Die Relationszeichen findet man in [2nd] [+] (CHAR) [2] (MATH).
Nach Abschluss mit [ENTER] erscheint die Funktionsgleichung in dargestellter Weise (Bild 14).

Unabhängig von der Art der Eingabe (Bild 13 oder Bild 14) wird der Graph der Funktion nach [R] (GRAPH) im Grafikbildschirm dargestellt.
Handelt es sich bei der Funktion wie hier um eine Betragsfunktion , so ist im y-Editor einfach der Funktionsterm einzugeben (Bild 15).

6. Darstellen von Zahlenfolgen
Dargestellt wird die Fibonacci-Folge
Zur Darstellung von Zahlenfolgen ist der Graph-Modus [MODE] [Graph] auf SEQUENZ einzustellen. Im y-Editor [W] (y=) entsteht dadurch eine Funktionsliste u1, u2, … , in welche die Bildungsvorschrift eingetragen wird. Bei rekursiven Zuordnungsvorschriften ist zu beachten, dass ein Glied der Zahlenfolge als , ein Glied als usw. einzugeben ist. Außerdem sind in Zeile 2 (ui1) die Startwerte als Liste einzutragen.
Im Window-Editor (rechte Bildschirmhälfte, [E] (WINDOW)) wird der gewünschte Darstellungsbereich festgelegt. Den hier gewählten geteilten Bildschirm erhält man über [MODE] [F2] [Split Screen] [LEFT-RIGHT] (Bild 16).

Im Grafikbildschirm ( [R] (GRAPH)) wird die Zahlenfolge dargestellt. Dazu wurde vorher der volle Bildschirm wiederhergestellt ([MODE] [F2] [Split Screen] [FULL]). Benutzt man [F3] [TRACE], so kann man die geplotteten Punkte mit dem Cursor abfahren und die dazugehörigen Zahlenpaare ablesen (Bild 17).

Die im y-Editor eingegebene Zahlenfolge wird im Tabellenbildschirm [Y] (TABLE) numerisch ausgewiesen. Man erhält eine Tabelle mit den Folgengliedern. Durch Scrollen gelangt man zum gewünschten Bereich (Bild 18).

7. Untersuchen eines Funktionsgraphen mithilfe von ZOOM und TRACE
Funktionsuntersuchung am Beispiel der Funktion
Um Koordinaten markanter Punkte des Graphen einer dargestellten Funktion zu ermitteln, kann der Graph mit dem Cursor abgefahren werden. Die Cursorkoordinaten werden im Grafikbildschirm ( [R] (GRAPH)) angezeigt. Neben einem frei beweglichen Cursor (er erscheint bei Bedienen der Cursorfeldtasten) ist vor allem die Trace-Funktion ([F3] im Grafikbildschirm) sehr hilfreich. Hier bewegt sich der Cursor entlang den geplotteten Punkten der Funktion. So können beispielsweise Nullstellen einer Funktion oft schon mit hinreichender Genauigkeit ohne zusätzliche Einstellungen abgelesen werden (Bild 19).

Mithilfe der ZoomIn-Funktion ([F2] [2] (ZoomIn)) wird ein Ausschnitt der grafischen Darstellung gewählt und anschließend vergrößert dargestellt. Dazu wird mit dem Cursor ein Mittelpunkt (New Center?) festgelegt, um den ein Ausschnitt gebildet wird (Bild 20).

Nach [ENTER] wird ein Ausschnitt um den gewählten Mittelpunkt dargestellt, die Koordinaten des gewünschten Punktes können über Trace nun mit höherer Genauigkeit abgelesen werden. Wenn erforderlich, kann dieser Vorgang für eine noch detailreichere Darstellung wiederholt werden (Bild 21).

8. Bestimmen der Nullstellen einer Funktion
(am Beispiel der Funktion )
Nullstellen einer grafisch dargestellten Funktion können leicht mit [F5] [2] (Zero) ermittelt werden. Dazu sind durch Eingabe geeigneter Werte oder mit dem Cursor Grenzen eines Intervalls zu setzen, in dem sich die Nullstelle befindet (Lower Bound? [ENTER] Upper Bound? [ENTER]) (Bild 22).

Der Cursor zeigt die Nullstelle an und die Koordinaten werden ausgewiesen (Bild 23).

Ohne grafische Darstellung erhält man die Nullstellen durch Lösen der entsprechenden Gleichung mit dem Solve-Operator (siehe 1. Lösen von Gleichungen) (Bild 24).

9. Verhalten im Unendlichen / Bestimmen von Grenzwerten
Im Menü [F3] (Calc) sind wichtige Funktionen zur Differenzial- und Integralrechnung zu finden, so auch die Funktion limit zur Ermittlung von Grenzwerten (Bild 25).

Untersucht wird das Verhalten im Unendlichen der Funktion
Nach Aufrufen von [F3] [3] (limit() im Home-Editor wird der Funktionsterm eingegeben (Klammersetzung für Zähler und Nenner beachten!). Danach folgt, jeweils durch ein Komma getrennt, die Variable und die Richtung: Zeile 1 für Zeile 2 für (Bild 26).

Analog zu Bild 26 wird der Grenzwert des Differenzenquotienten der Funktion gebildet. Nach limit( und Eingabe des Funktionsterms folgt die Variable h und 0 als "Richtung". Nach Bestätigung mit [ENTER] erhält man als gesuchten Grenzwert cos x (Bild 27).

10. Bilden von Ableitungen
Ableitung der Funktion
Nach Aufrufen von [F3] [1] (d(differentiate) (vgl. Bild 25) oder [2nd] [8] (d) wird der Funktionsterm gefolgt von der Differenziationsvariablen x eingegeben (Zeile 1). Nach Schließen der Klammer und [ENTER] wird der Term der Ableitungsfunktion angezeigt (Zeile 2). Um die Ableitung der Funktion an einer Stelle zu ermitteln, wird die bisherige Eingabe über den mit-Operator ([2nd] [K]) durch die Stelle ergänzt (Zeile 3). Zeile 4 weist das Ergebnis aus. Vom Rechner wird jedoch nicht die Schreibweise , sondern verwendet. Für die Ableitungsfunktion wurde am Rechner der Exakt-Modus ([MODE] [Exact / Approxe] [2] (exakt) eingestellt, für die Berechnung der Ableitung an der Stelle der Approx-Modus ([MODE] [Exact / Approxe] [3] (approximate) (Bild 28).

In Bild 29 wurden die 2. und 3. Ableitung der Funktion gebildet. Die Vorgehensweise ist wie zu Bild 28 erläutert. In der Eingabezeile ist nach der Differenziationsvariablen lediglich der Grad der Ableitung zu ergänzen.

Die Ableitung einer Funktion an einer Stelle kann auch aus der grafischen Darstellung heraus erfolgen. Dazu wählt man [F5] [6] (d(differentiate) [dy/dx] und gibt im wieder erscheinenden Grafikbildschirm über die Tastatur oder mit Cursor die Stelle (x = - 0,5) vor und bestätigt mit [ENTER] (Bild 30).

Im Grafikbildschirm wird nun durch den Cursor der ausgewählte Punkt angezeigt. Gleichzeitig wird die Ableitung an dieser Stelle ausgewiesen . Es besteht Übereinstimmung zur Berechnung in Bild 28 (Bild 31).

11. Ermitteln lokaler Extrempunkte
Ist die Funktion grafisch dargestellt, können die Koordinaten von Hoch- und Tiefpunkten über die Trace-Funktion [F3] näherungsweise bestimmt werden (siehe 7. Untersuchen eines Funktionsgraphen mithilfe von ZOOM und TRACE). Hier wird allerdings die Funktion [F5] [4] (Maximum) zur Ermittlung des Hochpunktes verwendet. Durch Eingabe geeigneter Werte oder mit dem Cursor werden untere Grenze (Lower Bound? [ENTER]) und obere Grenze (Upper Bound? [ENTER]) eines Intervalls gesetzt, in dem sich die Extremstelle befindet (Bild 32).

Der Cursor zeigt den Hochpunkt an und die Koordinaten werden ausgewiesen. (In gleicher Weise wird [F5] [3] (Minimum) zur Bestimmung des Tiefpunktes benutzt.) (Bild 33)

Ohne grafische Darstellung erhält man die Extremstellen u.a. durch Anwenden der Funktion fMax bzw. fMin im Menü [F3] (Calc) (vgl. Bild 25). Nach Auswahl von fMax bzw. fMin werden Funktionsterm und Differenziationsvariable in die Eingabezeile eingetragen. Wie Zeile 1 zeigt, genügt das nicht in jedem Fall, um im Ergebnis eine vorhandene lokale Extremstelle zu erhalten. Der Rechner weist hier mit eine globale Extremstelle aus. Um die lokale Extremstellen zu erhalten, sind über den mit-Operator ([2nd] [K]) geeignete Intervallgrenzen vorzugeben (Zeilen 2 und 3). Diese können relativ leicht einer grafischen Darstellung entnommen werden. Zeile 5 zeigt die Berechnung des zur Extremstelle x = 4 gehörenden Funktionswertes. Der Wert x = 4 wird – wieder über den mit-Operator – in den Funktionsterm eingesetzt; der Extremwert lautet 16 (Bild 34).

12. Ermitteln unbestimmter und bestimmter Integrale
Integration der Funktion
Nach Aufrufen von [F3] [2] (vgl. Bild 25) oder [2nd] [7] wird der Funktionsterm eingegeben.
Wird, durch Komma getrennt, nun noch die Integrationsvariable x ergänzt, erhält man nach Schließen der Klammer und [ENTER] eine Stammfunktion von f (Zeile 1). (Die Darstellung erfolgt hier im pretty print-on-Modus.) werden nach der Variablen – wieder durch Komma getrennt – noch Integrationsgrenzen (hier -1 und 2) hinzugefügt, wird das bestimmte Integral in den gegebenen Grenzen berechnet (Zeile 2) (Bild 35).

Ist der Graph der Funktion dargestellt, kann die Berechnung des bestimmten Integrals auch aus dem Grafikbildschirm heraus erfolgen. Nach Aufrufen der Funktion [F5] [7] werden die Intervallgrenzen eingegeben (Lower Limit? [ENTER] Upper Limit? [ENTER]) (Bild 36).

Das bestimmte Integral wird berechnet Gleichzeitig wird die Fläche unter der Kurve im vorgegebenen Intervall schraffiert dargestellt (Bild 37).

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