Mathematik Abitur
Hinweise zur Anwendung des Grafiktaschenrechners VOYAGE 200 beim Lösen von Aufgaben aus der Analytischen Geometrie

1. Lösen linearer Gleichungssysteme
Folgendes Gleichungssystem sei zu lösen:

Bild 1 bis Bild 3 demonstrieren einen Lösungsweg, der dem GAUSS-Algorithmus entspricht:

In Zeile 1 (Bild 1) wird mithilfe der solve-Funktion Gleichung 1 nach aufgelöst.
In Zeile 2 wird Gleichung 2 nach aufgelöst. Gleichzeitig wird über den mit-Operator ([2nd] [K]) der Wert für in Gleichung 2 eingesetzt. Man erhält in Abhängigkeit von

In Fortsetzung von Bild 1 wird Gleichung 3 nach aufgelöst. Gleichzeitig werden über den mit-Operator und die Verknüpfung "and" (als Resultat aus Bild 1) ersetzt. (Vor und nach "and" ist ein Leerzeichen zu setzen!) Man erhält (Bild 2)

Als nächstes wird berechnet. Dazu wird der Wert von in den Term für eingesetzt.
Man erhält .
Als Letztes werden die Lösungen für in den Term von eingesetzt. Man erhält (Bild 3)

Weitaus effektiver ist die Lösung des Gleichungssystems über Matrizen. Der VOYAGE 200 stellt im MATH/Matrix-Menü ([2nd] [5]) zwei Befehle zum Lösen linearer Gleichungssysteme zur Verfügung. Da simult nur für eindeutig lösbare Gleichungssysteme vom Typ "n Variable und n Gleichungen" genutzt werden kann, ist der Operator rref allgemeingültiger und wird im Allgemeinen bevorzugt.

Nach Aufrufen der Funktion rref( wird eine erweiterte Koeffizientenmatrix aufgestellt. Dazu werden die Koeffizienten und die Absolutglieder des Gleichungssystems innerhalb der Klammer [ ] zeilenweise eingetragen. Die einzelnen Koeffizienten werden durch ein Komma getrennt; ein Semikolon am Zeilenende führt zur nächsten Zeile. Nach Schließen der (runden) Klammer und Abschluss mit [ENTER] bringt rref( das System auf Diagonalform, aus der man die Lösung in der letzten Spalte ablesen kann (Bild 4).

Wird die Funktion simult verwendet, sind Koeffizientenmatrix und Vektor der Absolutglieder einzeln und durch Komma getrennt aufzustellen. Die Eingabe erfolgt wie zu Bild 4 beschrieben. Die Lösungen des Gleichungssystems werden über simult als Lösungsvektor ausgewiesen (Bild 5).

Steht als Rechner ein VOYAGE 200 oder ein TI-89 zur Verfügung, kann das Gleichungssystem auch mithilfe der solve-Funktion gelöst werden:

Die Bilder 6 und 7 stellen ein und dieselbe Rechnung dar, Bild 7 ist lediglich die Zeilenfortsetzung von Bild 6. Nach Aufrufen des solve-Befehls ([F2] [1] (solve( ) ) werden die Gleichungen des Systems nacheinander und durch "and" verküpft eingegeben. (Vor und nach "and" ist ein Leerzeichen zu setzen!) Nach einem Komma folgen innerhalb einer geschweiften Klammer die aufzulösenden Variablen Mit [ENTER] erhält man sofort Dieser Lösungsweg ist allerdings nur bei eindeutig lösbaren Gleichungssystemen anwendbar.

Die Bilder 8 und 9 stellen Matrizen von Gleichungssystemen dar, die nicht bzw. nicht eindeutig lösbar sind. Die Eingabe der erweiterten Koeffizientenmatrix und die Umformung über den rref-Operator erfolgen wie zu Bild 4 beschrieben.

Die letzte Zeile der umgeformten Matrix, zu interpretieren als , weist auf einen Widerspruch hin, das Gleichungssystem ist also nicht lösbar (Bild 8).

Die Umformung mit rref bringt die Matrix auf Trapezform, das Gleichungssystem hat unendlich viele Lösungen (Bild 9).

2. Rechnen mit Vektoren
Vektoroperationen findet man beim VOYAGE 200 im Menü [2nd] [5] (MATH) [4] (matrix) [L] (Vector ops). Das geöffnete Untermenü enthält u.a. die häufig benötigten Funktionen unitV( (Einheitsvektor), crossP( (Vektorprodukt) und dotP( (Skalarprodukt) (Bild 10).

Jede Formel lässt sich definieren ([F4] [1] (define)) und steht dann jederzeit für Berechnungen zur Verfügung, so auch die Rechenvorschrift für den absoluten Betrag (Bild 11, Zeile 1) eines Vektors. In Zeile 2 wird der Betrag des Vektors berechnet. Dazu werden der gewählte Funktionsname betrag und in runden Klammern die Werte für vorgegeben. Mit [ENTER] erhält man in der exakt-Einstellung ([MODE] [Exakt / Approx] [2] (exakt)) das Ergebnis .

Einfacher ist es, soweit vorhanden, vordefinierte Funktionen zu verwenden. So erhält man den absoluten Betrag eines Vektors durch Vorgabe der Funktion norm (schreiben oder MATH/matrix-Menü ([2nd] [5] (MATH) [4] (matrix) [H] (Norms) [1] (norm() ). Danach sind in eckigen Klammern und durch Komma getrennt die Koordinaten des Vektors einzugeben. Nach Schließen mit runder Klammer und [ENTER] erhält man wiederum den Betrag, in Zeile 3 wieder im exakt-Modus und in Zeile 4 nach Umstellen in den approx-Modus ([MODE] [Exakt / Approx] [3] (approximate)) (Bild 11).

Über das MATH /matrix-Menü (Bild 10) werden in Zeile 1 das Skalarprodukt in Zeile 2 das Vektorprodukt und in Zeile 3 der Einheitsvektor des Vektors berechnet. Dabei sind die Vektoren in der Form einzutragen (Bild 12).

Werden die Koordinaten innerhalb der eckigen Klammer durch ein Semikolon getrennt, erfolgt die Darstellung der Vektoren in Spaltenform (Bild 13).

3. Winkelberechnungen
Zur Berechnung von Winkeln werden die entsprechenden Rechenvorschriften verwendet oder aber für wiederkehrende Rechnungen definiert und gespeichert:

Zur Berechnung eines von zwei Vektoren eingeschlossenen Winkels wird die Gleichung verwendet. Der Term (Skalarprodukt) wird über dotP, die Beträge werden über norm ermittelt (vgl. Bilder 11 und 12). Als Ergebnis wird für der Wert -0,04962917 ausgewiesen.
In Zeile 2 liefert [2nd] [cos] schließlich den gesuchten Winkel zu (Die Einheit Grad ergibt sich aus der DEG-Einstellung in [MODE] [Angle] [2] (degree).

In Zeile 3 wird die verwendete Gleichung für zwei Vektoren unter dem Variablennamen winvek definiert und gespeichert. Die komplette Eingabe lautet:



(Bild 14)

Bild 15, Zeile 1 zeigt die Fortsetzung der zuletzt vorgenommenen Eingabe. Solange diese Definition im Rechner gespeichert bleibt, kann nach Aufrufen der Funktion winvek und nachfolgender Eingabe der Koordinaten zweier Vektoren der Winkel zwischen diesen schnell ermittelt werden (Zeile 2).

Sind Richtungsvektoren zweier Geraden oder Normalenvektoren zweier Ebenen, können mit der Funktion winvek auch Schnittwinkel zweier Geraden bzw. Ebenen ermittelt werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass ein Schnittwinkel als spitzer (oder rechter) Winkel definiert ist.
In Bild 16, Zeile 1 wird mithilfe von crossP aus den Spannvektoren einer Ebene ein Normalenvektor ermittelt, in Zeile 2 erfolgt das Gleiche für die Spannvektoren einer zweiten Ebene.
In Zeile 3 wird aus den ermittelten Normalenvektoren über die vorher definierte Funktion winvek der Winkel zwischen den Normalenvektoren berechnet und Zeile 4 liefert schließlich den gesuchten Schnittwinkel der beiden Ebenen.

4. Vektorielle Geradengleichungen
Wird eine vektorielle Geradengleichung (hier ) eingegeben und mit [ENTER] bestätigt, erscheint ein äquivalentes System von drei Gleichungen. Um daraus einen speziellen Punkt der Geraden zu ermitteln, wird der Parameter über den mit-Operator ([2nd] [K]) angefügt. Die vollständige Eingabe kann in der Eingabezeile abgelesen werden.
Bei der hier gewählten Form erhält man Koordinaten des Punktes als Spaltenvektor (Bild 17).

Für wiederholte Berechnungen empfiehlt es sich, die Geradengleichung in allgemeiner Form als Funktion zu definieren und abzuspeichern (Bild 18, Zeile 1). In Zeile 2 wird g für spezielle Vektoren und beliebigem Parameter t aufgerufen, es entsteht ein zur Geradengleichung äquivalentes Gleichungssystem. Wird an Stelle von t eine reelle Zahl eingesetzt, ergibt sich wieder der dazugehörige Geradenpunkt (Zeile 3).

In Bild 19 bis Bild 21 wird untersucht, ob ein Punkt P auf einer gegebenen Geraden g liegt oder nicht ("Punktprobe").

In Bild 19 wird untersucht, ob der Punkt auf der Geraden g: liegt. Dazu wird die Gerade noch einmal über die vorher definierte allgemeine Geradengleichung eingegeben und dann mit dem Vektor des Punktes gleichgesetzt (s. Eingabezeile). Es entsteht ein zu lösendes Gleichungssystem.

Das Gleichungssystem wird in Bild 20, Zeile 2 mithilfe des rref-Operators gelöst (vgl. die Erläuterungen zu Bild 4).
Die entstandene Lösungsmatrix ist zu interpretieren:

Da Zeile 1 dem System eine eindeutige Lösung zuweist und Zeilen 2 und 3 keinen Widerspruch ausweisen, wird das Gleichungssystem für t = 3,5 gelöst; der Punkt liegt also auf der Geraden g.

Bild 21 ist zu untersuchen, ob der Punkt ein Punkt der Geraden g ist. Die Eingabe erfolgt analog zu Bild 20. Entscheidend ist dann die Interpretation der Lösungsmatrix:

Da Zeile 2 einen Widerspruch ausdrückt, ist dieses Gleichungssystem nicht lösbar; der Punkt liegt also nicht auf der Geraden g.

5. Lagebeziehungen von Geraden im Raum
Untersucht wird die Lagebeziehung von Geraden g1, g2 und g3 mit

Die Gleichungen der drei Geraden werden mithilfe der bereits im Rechner gespeicherten allgemeinen Geradengleichung (vgl. Bild 18) gebildet und unter den Variablennamen g1, g2, g3 gespeichert ( [g] [1] usw.) (Bild 22).

In der Annahme, dass und gemeinsame Punkte haben, werden die vorher gespeicherten Gleichungen aufgerufen und dabei sofort gleichgesetzt:
[g][1][=][g][2]
Es entsteht das zu lösende Gleichungssystem. Um die Funktion rref zum Lösen des Gleichungssystems anwenden zu können (vgl. die Erläuterungen zu Bild 4), werden die Gleichungen – ohne Hilfe des Rechners – umgeformt:

Aus Koeffizienten und Absolutgliedern wird nun die Matrix gebildet, auf die der rref-Operator angewandt wird. Aus der entstandenen Matrix erhält man . Das Gleichungssystem ist eindeutig lösbar, die Geraden und schneiden einander in einem Punkt (Bild 23).

Auf gleichem Weg wie in Bild 23 dargestellt, wird die gegenseitige Lage der Geraden und untersucht. Hier drückt die Zeile 2 der vom rref-Operator umgeformten Matrix mit einen Widerspruch aus. Die Geraden und haben demzufolge keinen Schnittpunkt. Ob sie zueinander parallel oder windschief sind, muss durch rechnerunabhängige Überlegungen geklärt werden (Bild 24).

6. Abstandsberechnungen
Da die Abstandsberechnungen weitestgehend auf die Anwendungen von Formeln zurückgeführt werden können, besteht die Möglichkeit, die Berechnungen immer wieder neu einzugeben oder für jeden Typ den Abstand einmal zu definieren und dann darauf zurückzugreifen. Da die letztgenannte Variante auf Dauer effektiver ist, wird sie im Folgenden beschrieben.

In Bild 25, Zeile 1 wird für den Abstand eines Punktes von einer Ebene in Koordinatenform eine Funktion definiert und gespeichert.
Eingabe:

In Zeile 2 wird der Abstand des Punktes von der Ebene berechnet.

Für den Abstand eines Punktes von einer Geraden der Ebene wird in Bild 26 eine Funktion definiert und gespeichert.
(Hiermit lässt sich auch der Abstand eines Punktes von einer Ebene berechnen, nicht aber der Abstand eines Punktes von einer Geraden im Raum.)

Eingabe:

(abs berechnet den absoluten Betrag einer Zahl, norm den Betrag eines Vektors.)

In Zeile 2 wird der Abstand des Punktes von der Geraden berechnet. Die für die Parameter und n einzusetzenden Punkte bzw. Vektoren sind innerhalb eckiger Klammern einzugeben. (Den Punkt der Geraden erhält man aus der Gleichung.)

Für den Abstand zweier windschiefer Geraden wird in Bild 27 mithilfe des Vektorproduktes eine Funktion definiert und gespeichert.

Eingabe:


In Zeile 2 wird der Abstand der zueinander windschiefen Geraden und berechnet. Die für die Parameter p1, p2, a1 und a2 einzusetzenden Punkte bzw. Vektoren sind innerhalb eckiger Klammern einzugeben.

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