Mathematik Abitur
Hypergeometrische Verteilung
Graphischer Verlauf der hypergeometrischen Verteilung (interaktives Beispiel)

Werden einer Urne mit genau N Kugeln (davon M weiße und rote) genau n Kugeln "auf gut Glück" entnommen und gibt die Zufallsgröße X die Anzahl der dabei herausgegriffenen weißen Kugeln an, so ist X binomialverteilt, wenn die Entnahme mit Zurücklegen erfolgt. In diesem Fall gilt:

Werden die n Kugeln ohne Zurücklegen entnommen, so ist X hypergeometrisch verteilt und es gilt:

Dies ergibt sich aus nachstehenden Überlegungen:

(1) Die Kugelentnahme erfolgt "auf gut Glück", woraus nach der LAPLACE-Formel der entsprechende Ansatz resultiert.
(2) Die Entnahme ohne Zurücklegen bedingt ein Zählprinzip ohne Wiederholung.
(3) Da für die Zufallsgröße X nur die Anzahl der weißen Kugeln von Interesse ist, bleibt bei der Entnahme der Kugeln ihre Reihenfolge unbeachtet, was dem Zählprinzip für Mengen mittels Binomialkoeffizienten entspricht. Es gibt

Das führt auf die folgende Definition der hypergeometrischen Verteilung.

Die hypergeometrische Verteilung genügt dem kolmogorowschenschen Axiomensystem.
Interaktiv kann man sich eine Vorstellung vom grafischen Verlauf der hypergeometrischen Verteilung verschaffen (s. Bild 1 bzw. interaktives Beispiel 1).

Ein Vergleich verschiedener grafischer Darstellungen legt die Vermutung nahe, dass für (n sehr viel kleiner als N) eine Approximation der hypergeometrischen Verteilung durch eine Binomialverteilung möglich ist (s. nebenstehendes Bild).
Es gilt in der Tat:


Das eröffnet die Möglichkeit, die Entnahme einer kleinen Stichprobe ohne Zurücklegen aus einer großen Grundgesamtheit durch die Entnahme einer Stichprobe mit Zurücklegen zu modellieren. Für die Anwendung der entsprechenden Näherungsformeln haben sich die Faustregeln und als sinnvoll erwiesen.

Die Kenngrößen Erwartungswert und Streuung einer hypergeometrisch verteilten Zufallsgröße X lassen sich wie folgt berechnen:

Bevorzugtes Anwendungsgebiet der hypergeometrischen Verteilung ist die statistische Qualitätskontrolle. Dazu trägt auch bei, dass bei der Qualitätskontrolle ein Zurücklegen des kontrollierten Teils verschiedentlich nicht möglich ist, weil das Teil nach der Qualitätskontrolle funktionsunfähig ist.
Wir betrachten dazu ein Beispiel.

Lösung: Die T-Shirt-Entnahme erfolge "auf gut Glück" und "ohne Zurücklegen" (Modellannahme). Als Zufallsgröße X werde die zufällige Anzahl der defekten unter fünf entnommenen T-Shirts mit betrachtet. Dann ist:

Auf lange Sicht gesehen ist das arithmetische Mittel der Anzahl der defekten T-Shirts in der Stichprobe 0,5 (s. interaktives Beispiel 2).
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