Beim indirekten
Beweis eines Satzes der Form
geht man von der Annahme aus, dass die Behauptung B falsch sei und deren
Negation
also wahr ist. Aus dieser Annahme versucht man, einen Widerspruch herzuleiten.
Wenn das gelingt, dann wäre
falsch und somit B wahr.
Das Erzeugen des Widerspruchs
kann in unterschiedlicher Weise geschehen.
Im Allgemeinen unterscheidet
man folgende Fälle:
(1) Es ergibt sich
,
d.h. ein Widerspruch zur gültigen Voraussetzung A. Das ist in zweierlei
Weise möglich:


(2) Aus der Voraussetzung und dem Gegenteil der Behauptung ergibt sich
die Behauptung, d.h. ein Widerspruch zur negierten Behauptung:

(3) Aus der Voraussetzung und dem Gegenteil der Behauptung ergibt sich
eine neue Aussage der Form
,
wobei C eine bereits als wahr erkannte Aussage darstellt. Man spricht
in diesem Fall von einer reductio ad absurdum,
es handelt sich um einen Widerspruch zu einem bereits bewiesenen Satz:
In jedem dieser drei (bzw. besser vier) Fälle ergibt sich eine Implikation,
die zu
äquivalent ist (durch Aufstellen der Wahrheitswertetabellen überzeugt
man sich sehr schnell von der Gültigkeit der Äquivalenzen).
Damit ergibt sich folgende Struktur
für den indirekten Beweis:
Aus der Voraussetzung, bereits bekannten Tatsachen (Definitionen und Lehrsätze)
und dem Gegenteil der Behauptung wird mithilfe einer endlichen Anzahl
gültiger Schlussregeln ein Widerspruch zur Voraussetzung zu bereits
bekannten Tatsachen oder zum Gegenteil der Behauptung erzeugt.
Gelingt die Widerspruchserzeugung, dann ist das Gegenteil der Behauptung
falsch und somit nach dem Satz vom ausgeschlossenen Widerspruch sowie
dem Satz vom ausgeschlossenen Dritten die Behauptung wahr.
Die beiden genannten Schlussregeln bilden also gewissermaßen das
Fundament für den indirekten Beweis.
Im Folgenden betrachten wir zwei Beispiele.
Voraussetzung:

Behauptung:

Beweis (indirekt):
Das Gegenteil der Behauptung ist
(2 teilt nicht x).
|
Feststellung
|
Begründung
|
bedeutet: ![]() |
Jede natürliche Zahl ist entweder gerade oder ungerade. |
![]() |
Anwenden der binomischen Formel |
![]() |
Wenn ,
dann ist auch . |
![]() |
|
Damit ist ein Widerspruch zur Voraussetzung erzeugt, d.h., das Gegenteil der Behauptung ist falsch, und somit ist die Behauptung bzw. der Satz wahr.
,
dann ist das Dreieck rechtwinklig (Umkehrung des Satzes von PYTHAGORAS). Voraussetzung:
beliebiges Dreieck ABC mit 
Behauptung:

Beweis (indirekt):
Annahme: 
|
Feststellung
|
Begründung
|
ist rechtwinklig. |
Senkrechte zu AC in C und von C aus a abtragen |
![]() |
Satz des PYTHAGORAS für rechtwinkliges Dreieck AB'C |
![]() |
nach Voraussetzung |
Wegen
können (1) und (2) nicht gleichzeitig gelten. |
![]() |
Damit ergibt sich ein Widerspruch
zur Voraussetzung, die Annahme ist also falsch und somit die Behauptung
war, d.h., es ist
.
Das letzte Beispiel macht zweierlei
deutlich: Erstens der indirekte Beweis wird vorwiegend beim Beweis der
Umkehrung von Sätzen angewendet. Zweitens wird dabei der ursprüngliche
Beweis häufig als Beweismittel verwendet.
Weitere Anwendungsbereiche des indirekten Beweises sind die folgenden:
.Nachweis von negierten Existentialaussagen,
etwa
Es gibt kein x mit der Eigenschaft
.
(Man weist nach, dass doch ein Element existiert, indem man eines
konstruiert.)