




Kauft man bei einem Bäcker Brötchen einer bestimmten Sorte,
so wird der zu zahlende Preis eindeutig von der Anzahl der gekauften Brötchen
bestimmt. Würfelt jeder Schüler einer Gruppe genau einmal mit
einem normalen Spielwürfel, so kann jedem Schüler auf diese
Weise eindeutig die gewürfelte Augenzahl zugeordnet werden: In beiden
Fällen handelt es also um eindeutige Zuordnungen - die Vorschriften
beschreiben Funktionen.
Trotzdem besteht zwischen den beiden beschriebenen Sachverhalten aus mathematischer
Sicht ein wesentlicher Unterschied: Während im ersten Fall zu jeder
Preisangabe auch eindeutig eine bestimmte Brötchenanzahl
gehört (eben genau die Anzahl der Brötchen, die man für
das Geld erhält), ist die Zuordnung "geworfene Augenzahl
Schüler" nicht eindeutig, da mehrere Schüler die gleiche
Augenzahl geworfen haben können (was bei mehr als sechs Spielern
ja unumgänglich ist).
Allgemein formuliert: Im ersten Fall ist die Zuordnung in beiden Richtungen,
im zweiten Fall nur in der Ausgangsrichtung, aber nicht in der umgekehrten
Richtung eindeutig.
Man sagt:
Oder anders formuliert:
In diesem Sinne wird also beispielsweise durch die Gleichung
eine
umkehrbar eindeutige Abbildung (eine umkehrbare Funktion) beschrieben,
da durch sie jeder (reellen) Zahl x
eindeutig eine andere reelle Zahl y zugeordnet wird und umgekehrt auch
zu jeder Zahl y
eindeutig eine Zahl x
gehört (Bild 1);
eine nicht umkehrbar eindeutige Abbildung (eine nicht umkehrbare Funktion)
beschrieben, denn jedem Argument x wird zwar genau ein Funktionswert
zugeordnet,
aber zu jeder Zahl aus dem Wertevorrat (außer 0) gehören
zwei Argumente (Bild 2).Aus dem Graphen einer Funktion lässt sich gut erkennen, ob diese
Funktion umkehrbar ist:
Da in diesem Falle zu jedem y-Wert nur genau ein x-Wert gehört, darf
jede Parallele zur x-Achse (die ja einen bestimmten y-Wert beschreibt)
den Graphen der Funktion auch nur (höchstens) einmal schneiden (Bild
3).
Da bei einer umkehrbaren Funktion die Abbildung "in beiden Richtungen" eindeutig ist, gilt:
einer eineindeutigen Funktion f entsteht wieder eine Funktion. Man nennt
diese Funktion Umkehrfunktion (inverse
Funktion) von f und bezeichnet sie mit
.Diese Schreibweise hat einen andere Bedeutung als in der Potenzrechnung,
wo
gilt.
Die Funktionsgleichung der Umkehrfunktion
von f erhält man, indem man
nach x auflöst und danach x und y vertauscht (da es üblich ist,
die Elemente des Definitionsbereichs mit x und die Elemente des Wertebereichs
mit y zu bezeichnen).
Beispiel 1 (Bild 4):
Die Funktion
lässt sich auch durch die Menge von Wertepaaren
beschreiben. Diese Funktion ist - wie oben gezeigt - umkehrbar.
Die Umkehrfunktion
wird durch die Menge
beschrieben.
Um die Funktionsgleichung von f zu erhalten, lösen wir
nach x auf:

Dann vertauschen wir x und y:

Eine Überprüfung zeigt, dass man mittels dieser Gleichung zu
der obigen Paarmenge für
gelangt.
Beispiel 2 (Bild 5):
Die Funktion
ist nicht eineindeutig und daher im Ganzen nicht umkehrbar. Verwendet
man aber als Definitionsbereich die Menge der nichtnegativen reellen Zahlen
, so erhält
man eine eineindeutige Funktion.
Um die Funktionsgleichung von
zu erhalten, lösen wir
nach x auf:
Dann vertauschen wir x und y:

Zeichnet man jeweils die Graphen von f und
in ein Koordinatensystem, so ist erkennbar, dass die Graphen der beiden
Funktionen achsensymmetrisch zur Winkelhalbierenden des I. und III. Quadranten
sind. Diese Eigenschaft besitzen alle Graphen von zueinander inversen
Funktionen.