



Kenngrößen von Zufallsgrößen dienen deren quantitativer Charakterisierung. Wir betrachten im Folgenden binomialverteilte Zufallsgrößen.
besitzt den folgenden Erwartungswert:
Diese Aussage kann streng mathematisch bewiesen werden, indem man z.B.
die Eigenschaft
oder die Rekursionseigenschaft
der Binomialkoeffizienten nutzt.
Grafikfähige Taschenrechner oder auch der Computer bieten überdies die Möglichkeit
einer stichprobenartigen Bestätigung
der obigen Formel (was nachstehend angedeutet werden soll).
Für
berechnet sich der Erwartungswert nach folgender Formel:

Es ist demzufolge nachzuweisen, dass gilt:
Dies kann stichenprobenartig für beliebige
n
und p
kontrolliert werden. Nebenstehendes Schirmbild zeigt z.B. die Berechnung
von
Bestätigt wird der Wert 0,456. |
![]() |
Auch eine interaktive Kontrolle ist möglich (s. Bild 1 und interaktives
Beispiel 1).
besitzt die folgende Streuung:
Auch hier soll die Richtigkeit dieser Formel durch eine stichprobenartige
Kontrolle belegt werden.
Für
berechnet sich die Streuung nach folgender Formel:

Demzufolge ist nachzuweisen, dass für beliebige n
und p
gilt:

Nebenstehendes
Schirmbild bestätigt diese Aussage z.B. für
und . |
![]() |
(Hinsichtlich einer interaktiven Kontrolle s. Bild 2 bzw. interaktives Beispiel 2).
Ein Beispiel und drei Lösungsideen
Definiert man als Zufallsgröße X die zufällige Anzahl der nicht geworfenen Augenzahlen bei sechs Würfen, so ist der Erwartungswert EX gesucht.
Führt man hinreichend viele derartige Sechs-Wurf-Serien mit einem
entsprechenden nicht gezinkten Würfel durch und ermittelt bei jeder
Serie die Anzahl der nicht geworfenen Augenzahlen, so ergibt deren arithmetisches
Mittel einen Näherungswert für den gesuchten Erwartungswert
EX.
| Mithilfe der Randomfunktion kann eine solche Sechs-Wurf-Serie simuliert werden (s. Bild 3). Nebenstehendes Schirmbild zeigt das Ergebnis bei Simulationen von 5, 10 und 100 Sechs-Wurf-Serien. | ![]() |
Um EX berechnen zu können, muss die Verteilung von X bekannt sein.
Da X als "zufällige Anzahl ... bei sechs Würfen" definiert
ist, liegt der Gedanke nahe, X durch eine BERNOULLI-Kette der Länge
zu modellieren,
d.h.
anzusehen (wobei p die Erfolgswahrscheinlichkeit des dazugehörigen
BERNOULLI-Experiments ist.)
Aber welches BERNOULLI-Experiment gehört zur Zufallsgröße
"zufällige Anzahl der nicht geworfenen Augenzahlen bei sechs
Würfen"?
Auf den ersten Blick scheint es nahe liegend zu sein, das einmalige Würfeln
in der Sechs-Wurf-Serie als BERNOULLI-Experiment zu wählen. Bei genauerer
Betrachtung stößt man aber auf eine Reihe von Widersprüchen.
Zum Beispiel wäre die Wahrscheinlichkeit, beim ersten Wurf eine noch
nicht gewürfelte Augenzahl zu würfeln,
,
beim zweiten Wurf wäre sie aber
.
Damit wäre aber eine wesentliche Bedingung einer BERNOULLI-Kette
– gleiche Erfolgswahrscheinlichkeit p – nicht erfüllt.
Als BERNOULLI-Experiment betrachten wir daher jetzt eine ganze Sechs-Wurf-Serie.
Als "Erfolg" wird bewertet, wenn eine bestimmte, aber beliebige
Augenzahl k nicht geworfen wird. Die Erfolgswahrscheinlichkeit p ist dann
unabhängig von der konkreten Augenzahl k und zwar
.
Realisiert man dieses BERNOULLI-Experiment für jede Augenzahl k genau
einmal, so ist die Anzahl aller eingetretenen "Erfolge" gleich
der Anzahl der nicht geworfenen Augenzahlen in einer Wurfserie. Man erhält
also ein geeignetes Modell der zu untersuchenden BERNOULLI-Kette, d.h.,
es ist:

Es sind also etwa 2,009 nicht geworfene Augenzahlen in einer Sechs-Wurf-Serie
zu erwarten.