Mathematik Abitur
Kenngrößen von Zufallsgrößen
Karl Pearson (1857 bis 1926)Beispiel einer asymmetrischen, schiefen VerteilungModalwert einer Zufallsgröße (Beispiel)Zufallsgrößen mit gleichem Erwartungswert, aber unterschiedlicher StreuungExponentialverteilung

Eine Zufallsgröße wird durch ihre Verteilungsfunktion am besten beschrieben, denn diese gibt an, welche Werte die Zufallsgröße annehmen kann und mit welchen Wahrscheinlichkeiten sie dies tut.
In der Praxis möchte man allerdings meist mit möglichst wenigen, aber typischen Angaben auskommen, denn oftmals reicht schon eine grobe Vorstellung von der Zufallsgröße aus. Es kommt hinzu, dass die Verteilungsfunktion mitunter gar nicht oder nur schwer bestimmbar ist.
Man sucht deshalb nach Kenngrößen (manchmal spricht man auch von Parametern), die einen hinreichenden Aufschluss und eine quantitative Charakterisierung einer Zufallsgröße ermöglichen.

Erwartungswert einer Zufallsgröße
Die wichtigste und einfachste derartige Angabe ist der Erwartungswert einer Zufallsgröße X (Abkürzung EX oder ).
Der Erwartungswert einer diskreten Zufallsgröße X, die die Werte mit den dazugehörigen Wahrscheinlichkeiten annehmen kann, ist wie folgt definiert:

Für eine stetige Zufallsgröße X mit der Dichte(funktion) f gilt:

Die herausgehobene Stellung des Erwartungswertes hängt vor allem mit folgenden Umständen zusammen:

Hat man es allerdings mit einer asymmetrischen, schiefen Verteilung zu tun, so beschreibt die Lage des Erwartungswertes im Allgemeinen keinen typischen Wert. Die Lebensdauer von Glühlampen kann durch die in Bild 2 wiedergegebene Dichtefunktion beschrieben werden. Der Erwartungswert ist kein typischer Wert, d.h., in einem solchen Fall wird man versuchen, die Verteilung durch weitere Kenngrößen zu beschreiben. Das ist auch deshalb erforderlich, weil nicht jede Zufallsgröße einen Erwartungswert besitzt.

Median und Modalwert einer Zufallsgröße
Weitere Kenngrößen einer Zufallsgröße sind der Median und der Modalwert (s. dazu Bilder 3 und 4).

Wenn die Funktion F stetig ist, so gibt es mindestens eine Zahl mit . Der Median halbiert die Verteilung. Man spricht auch vom mittelsten Wert der Verteilung.

Streuung (bzw. Varianz) einer Zufallsgröße
Zufallsgrößen mit gleichem Erwartungswert unterscheiden sich ggf. noch wesentlich voneinander, denn die einzelnen Werte der Zufallsgrößen können in unterschiedlicher Weise um den Erwartungswert streuen (Bild 5).
Das gebräuchlichste Maß der Streuung (bzw. Varianz) ist heute die mittlere quadratische Abweichung.
Die Streuung (bzw. Varianz) einer diskreten Zufallsgröße X ist folgendermaßen definiert:

Die Streuung (bzw. Varianz) einer stetigen Zufallsgröße X mit der Dichte f ist definiert durch:

Aufgrund der Linearität des Erwartungswertes erhält man durch einfache algebraische Umformung die folgende (für Berechnungen nützliche) Formel:

Bezüglich der Streuung von Zufallsgrößen lässt sich Folgendes feststellen:

Nicht wenige Zufallsgrößen besitzen eine asymmetrische Verteilung. Zur Charakterisierung der Asymmetrie benutzt man die Kenngröße Schiefe. Für diese Kenngröße gibt es unterschiedliche Definitionen.
Wir geben hier die relativ einfache, auf den Vater der mathematischen Statistik KARL PEARSON (1857 bis 1936, Bild 1) zurückgehende Fassung an. Danach ist die Schiefe der Quotient aus der Differenz des Erwartungswertes EX und des Modalwertes M sowie der Standardabweichung DX von X, d.h., für die Schiefe gilt:

Die Normalverteilung als eine symmetrische Verteilung besitzt die Schiefe 0. Die Exponentialverteilung, bei der der "längere Teil" rechts vom Erwartungswert liegt, besitzt eine positive Schiefe, und zwar mit dem Wert 1, da und ist
(Bild 6).
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