



Eine Zufallsgröße
wird durch ihre Verteilungsfunktion
am besten beschrieben, denn diese gibt an, welche Werte die Zufallsgröße
annehmen kann und mit welchen Wahrscheinlichkeiten
sie dies tut.
In der Praxis möchte man allerdings meist mit möglichst wenigen,
aber typischen Angaben auskommen, denn oftmals reicht schon eine grobe Vorstellung
von der Zufallsgröße aus. Es kommt hinzu, dass die Verteilungsfunktion
mitunter gar nicht oder nur schwer bestimmbar ist.
Man sucht deshalb nach Kenngrößen
(manchmal spricht man auch von Parametern), die
einen hinreichenden Aufschluss und eine quantitative Charakterisierung einer
Zufallsgröße ermöglichen.
Erwartungswert einer Zufallsgröße
Die wichtigste und einfachste derartige Angabe ist der Erwartungswert
einer Zufallsgröße X (Abkürzung EX oder
).
Der Erwartungswert einer diskreten Zufallsgröße
X, die die Werte
mit den dazugehörigen Wahrscheinlichkeiten
annehmen kann, ist wie folgt definiert:

Für eine stetige Zufallsgröße
X mit der Dichte(funktion) f gilt:

Die herausgehobene Stellung des Erwartungswertes hängt vor allem
mit folgenden Umständen zusammen:
Hat man es allerdings mit einer asymmetrischen, schiefen Verteilung zu
tun, so beschreibt die Lage des Erwartungswertes im Allgemeinen keinen
typischen Wert. Die Lebensdauer von Glühlampen kann durch die in
Bild 2 wiedergegebene Dichtefunktion beschrieben werden. Der Erwartungswert
ist kein typischer Wert, d.h., in einem solchen Fall wird man versuchen,
die Verteilung durch weitere Kenngrößen zu beschreiben. Das
ist auch deshalb erforderlich, weil nicht jede Zufallsgröße
einen Erwartungswert besitzt.
Median
und Modalwert
einer Zufallsgröße
Weitere Kenngrößen einer Zufallsgröße sind der Median
und der Modalwert (s. dazu Bilder 3 und 4).
,
für den die Ungleichungen
gelten. Wenn die Funktion F stetig ist, so gibt es mindestens eine Zahl
mit
.
Der Median halbiert die Verteilung. Man spricht auch vom mittelsten
Wert der Verteilung.
Streuung (bzw. Varianz)
einer Zufallsgröße
Zufallsgrößen mit gleichem Erwartungswert unterscheiden sich
ggf. noch wesentlich voneinander, denn die einzelnen Werte der Zufallsgrößen
können in unterschiedlicher Weise um den Erwartungswert streuen (Bild
5).
Das gebräuchlichste Maß der Streuung
(bzw. Varianz) ist heute die mittlere
quadratische Abweichung.
Die Streuung (bzw. Varianz) einer diskreten
Zufallsgröße X ist folgendermaßen definiert:

Die Streuung (bzw. Varianz) einer stetigen
Zufallsgröße X mit der Dichte f ist definiert durch:

Aufgrund der Linearität des Erwartungswertes erhält man durch
einfache algebraische Umformung die folgende (für Berechnungen nützliche)
Formel:

Bezüglich der Streuung von Zufallsgrößen lässt sich Folgendes feststellen:
Nicht wenige Zufallsgrößen besitzen eine asymmetrische Verteilung.
Zur Charakterisierung der Asymmetrie benutzt man die Kenngröße
Schiefe. Für diese Kenngröße
gibt es unterschiedliche Definitionen.
Wir geben hier die relativ einfache, auf den Vater der mathematischen
Statistik KARL PEARSON (1857 bis 1936, Bild 1) zurückgehende Fassung
an. Danach ist die Schiefe der Quotient aus der Differenz des Erwartungswertes
EX und des Modalwertes M sowie der Standardabweichung DX von X, d.h.,
für die Schiefe gilt:

liegt, besitzt eine positive Schiefe, und zwar mit dem Wert 1, da
und
ist