


Durchfährt ein Rennfahrer beispielsweise die Grand-Prix-Strecke des Eurospeedway Lausitz (Bild 1), so muss er seinen Wagen durch eine Vielzahl von Links- und Rechtskurven mit dazwischen liegenden "Wendestellen" lenken.
Die Graphen monotoner Funktionen kann man in ähnlicher Weise auf
ihr sogenanntes Krümmungsverhalten
bzw. auf mögliche Wendestellen untersuchen.
In Bild 2 sind dazu eine Funktion und
ihre 1. und 2. Ableitung dargestellt. Anhand der Zeichnung erkennt man
für die Art der Krümmung folgende typischen Eigenschaften:
| Rechtsgekrümmte Kurvenstücke |
Linksgekrümmte Kurvenstücke |
|
| Alle Tangenten an den Graphen in diesem Bereich liegen ... | ... oberhalb des Graphen. | ... unterhalb des Graphen. |
| Mit wachsenden x- Werten werden die Tangentenanstiege ... | ... immer kleiner. | ... immer größer. |
| Die erste Ableitung ist in diesem Intervall ... | ... streng monoton fallend. | ... streng monoton wachsend. |
| Die zweite Ableitung in diesem Intervall ... | ... ist kleiner als null. | ... ist größer als null. |
An der Wendestelle
bzw. dem zugehörigen Wendepunkt
ändert der Graph sein Krümmungsverhalten.
Tritt bei dem Graphen
von f ein Wechsel von rechtsgekrümmt nach linksgekrümmt auf,
so hat die 1. Ableitung von f in der Wendestelle
ein lokales Minimum.
Erfolgt jedoch der Wechsel von links-
nach rechtsgekrümmt, so hat die 1. Ableitung entsprechend ein lokales
Maximum.
Verallgemeinert man diese Aussage, so ist eine Wendestelle dadurch gekennzeichnet, dass die 1. Ableitung an dieser Stelle ein Extremum haben muss. Mögliche Wendestellen liegen also immer an denjenigen Stellen vor, an denen die 2. Ableitung Nullstellen besitzt (interaktives Rechenbeispiel 1).
Für die Existenz einer Wendestelle gilt folgende hinreichende Bedingung:
Eine Funktion f sei in ihrem Definitionsbereich dreimal differenzierbar.
Gilt für eine Stelle
des Definitionsbereiches
so hat f an der Stelle
eine Wendestelle.
Es gibt Wendestellen
für die außerdem
gilt, wo also die Tangente an den Graphen von f parallel zur x-Achse verläuft.
Man nennt solche Wendepunkte Sattelpunkte,
Terrassenpunkte oder Horizontalwendepunkte (interaktives Rechenbeispiel
2).
Unter einer Wendetangente versteht man diejenige Tangente, die den Graphen von f in ihrem Wendepunkt durchsetzt und somit die Kurventeile mit unterschiedlichem Krümmungssinn voneinander trennt.
Im folgenden Beispiel soll das Vorgehen bei der Untersuchung des Krümmungsverhaltens eines Funktionsgraphen gezeigt werden:
Die Funktion lautet:

Bilden der ersten drei Ableitungen:

Die Nullstellen der 2. Ableitung erhält man aus 
Da
ist, existieren bei
tatsächlich Wendestellen.
Die Wendepunkte erhält
man, indem die Wendestellen in die Ausgangsgleichung eingesetzt werden:
gleich null ist, ist
ein Sattelpunkt.)
erhält
man die Gleichungen für die Wendetangenten (Bild 3):