Von LEONARDO sind
nur wenige Lebensdaten bekannt. Er lebte etwa in der Zeit von 1180 bis 1250
und entstammte einer angesehenen Kaufmannsfamilie. Der Vater, ein Konsularbeamter
der Republik Pisa in Tunesien, bestimmte einen Mauren als Erzieher des Knaben,
und dadurch wurde der junge LEONARDO auch mit den mathematischen Leistungen
der Araber vertraut gemacht.
Später bereiste LEONARDO als Handelsbeauftragter seiner Heimatstadt
u.a. Ägypten, Syrien, Griechenland und Sizilien. Er nutzte diese Gelegenheit,
um sich mit den wissenschaftlichen Leistungen jener Völker zu befassen
und sie sich autodidaktisch anzueignen. So verbanden sich in LEONARDO gleichsam
zwei Kulturkreise. Das erklärt auch, dass er unter zwei Namen bekannt
wurde: Der italienischen Tradition folgend setzte er zum einen hinter das
LEONARDO den Namen seiner Vaterstadt (man vergleiche etwa LEONARDO DA VINCI).
Zum anderen fügte er nach arabischem Brauch das Wort "Sohn"
und den Namen des Vaters (Bonaccio) an, wobei aus "figlio Bonacci"
verkürzt FIBONACCI wurde, unter welchem Namen er in die Geschichte
der Mathematik einging.
FIBONACCIS Beitrag zur Arithmetik
– das "Liber abaci"
In Europa lag die Mathematik seit dem Niedergang der griechischen Kultur
darnieder. Zunächst waren es die Inder, die mit der Entwicklung der
Zahlsysteme und des Rechnens eine neue Blütezeit einleiteten, anschließend
brachten die Araber mit der Begründung der ebenen und räumlichen
Trigonometrie die Entwicklung voran. Diese Situation verlangte geradezu
danach, jene Erkenntnisse auch in Europa zu verbreiten, und niemand war
dazu besser berufen als FIBONACCI, der all dieses Wissen aufgenommen und
auch noch erweitert hatte.
Im Jahre 1202 erschien sein aus 15 Abschnitten bestehendes Werk "Liber
abaci" (Buch vom Abakus), die erste europäische Gesamtdarstellung
der Arithmetik. Der Titel des
Werkes war allerdings irreführend. FIBONACCI propagierte damit nicht
das Rechnen auf dem Abakus, also dem Rechenbrett mithilfe von Plättchen.
Er propagierte vielmehr die arabischen Ziffern
und das Rechnen mit diesen Zahlen. Das war eine schwierige Aufgabe, denn
es bestand ein weit verbreitetes Misstrauen gegenüber diesen Zahlen.
So wurde deren Benutzung noch 1299 in Florenz von den Stadtvätern
verboten.
Über FIBONACCI wird die folgende Begebenheit erzählt: Im Jahre
1225 gab es in Pisa einen der damals üblichen Rechenwettstreite.
Die Teilnehmer hatten dabei komplizierte Aufgaben zu lösen.
Eine
solche Aufgabe war die folgende:
FIBONACCI fand als Lösung den Bruch
,
und er ging als glanzvoller Sieger aus dem Wettbewerb hervor. Der Staufenkaiser
FRIEDRICH II., der dem Wettstreit beigewohnt hatte, stellte FIBONACCI
einen Wunsch frei und dieser erbat sich, der Kaiser möchte die Verbreitung
der arabischen Zahlen fördern. Das versprach FRIEDRICH II. zwar,
doch auch er konnte sich damit nicht durchsetzen. So dauerte es letztlich
bis 1494, dass die MEDICI in ihren Verwaltungen
generell zu den arabischen Zahlen übergingen. Dennoch trug FIBONACCIS
Buch zu deren Verbreitung und zum Übergang zur dezimalen Schreibweise
bei.
FIBONACCI setzte auch die Verwendung einer Reihe von Begriffen und Symbolen durch. Dazu gehörten
|
- |
Begriffe wie etwa equatio für Gleichung, censo für Quadrat, res (Sache) für die Unbekannte; |
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- |
Symbole wie etwa der aus dem r von radix (svw. Wurzel) entwickelte Wurzelhaken oder der Bruchstrich; |
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- |
die negativen Zahlen (die er als Schulden auffasste). |
Im Grunde genommen wurde im "Liber abaci" das gesamte mathematische Wissen jener Zeit zusammengefasst, systematisiert und angereichert, und dieses Werk wurde lange Zeit nicht übertroffen. Beispielsweise findet man darin Regeln für die Teilbarkeit durch 2, 3, 5 bzw. 9 ebenso wie die Neunerprobe (und übrigens auch die Elferprobe). Es werden Verfahren zur Ermittlung des kleinsten gemeinsamen Vielfachen (kgV) gezeigt, wofür man vorher einfach mit dem Produkt der Zahlen operierte. Zudem werden Lösungsverfahren für Aufgaben mit Proportionalität vorgestellt, Mischungsaufgaben gelöst, Wege zum Lösen von Gleichungssystemen (mit bis zu sieben Unbekannten) gewiesen und Lösungen von Gleichungen (auch höheren Grades) vorgeführt. Schließlich gibt es Näherungsverfahren für Kubikwurzeln, bei denen man iterativ vorgeht, also immer genauere Werte in eine Formel einsetzt.
Weitere
Veröffentlichungen FIBONACCIS
1220 folgte mit der "Practica Geometriae" (Praxis der Geometrie)
ein zweites Werk FIBONACCIS, in dem das geometrische Wissen zusammengestellt
und aufbereitet war. Hier fanden sich u.a. mit
ein Näherungswert für
,
der aus dem regelmäßigen 96-Eck abgeleitet wurde, ein Beweis
für den Satz des PYTHAGORAS über ähnliche Dreiecke sowie
auch die von den Arabern entwickelte Trigonometrie.
Im Jahre 1225 erschien schließlich noch das "Liber quadratorum"
(Buch der Quadrate).
Die
FIBONACCI-Folge (die FIBONACCI-Zahlen)
Vieles in seinen Werken hat FIBONACCI von Vorgängern übernommen
und "nur" systematisiert und bereichert. Mit einer Entdeckung
indes ist sein Name bis heute verbunden. Den Ausgangspunkt dafür
bildete eine zunächst sonderbar anmutende Problemstellung:
Wie viele Kaninchenpaare können in einem Jahr von einem einzigen Paar erzeugt werden, wenn Folgendes gelten soll:
Im
ersten Monat ist nur ein Paar vorhanden, im zweiten Monat sind es bereits
zwei Paare. Im dritten Monat kommen vom ersten Paar ein neues und im vierten
Monat vom ersten und zweiten Paar je ein neues hinzu, sodass dann insgesamt
fünf Paare existieren. Das ergibt für die Gesamtzahlen die Folge
1; 2; 3; 5; ...
Setzt man vor das erste Glied als weiteres Glied eine 1, so erhält
man die sogenannte FIBONACCI-Folge:
|
n |
1 |
2 |
3 |
4 |
5 |
6 |
7 |
8 |
9 |
10 |
11 |
![]() |
1 |
1 |
2 |
3 |
5 |
8 |
13 |
21 |
34 |
55 |
89 |
Es gilt:

Jedes Glied ergibt sich als Summe der beiden vorangehenden. Es handelt
sich somit um eine (vermutlich die erste bekannt gewordene) rekursiv definierte
Folge.
FIBONACCI untersuchte diese Folge und fand viele bemerkenswerte Eigenschaften
wie etwa die folgenden:
.
)
).
).Erst viel später stellte sich heraus, dass diese Folge ganz unerwartet in anderen mathematischen Problemen eine Rolle spielt, so etwa beim Goldenen Schnitt, beim pascalschen Dreieck und bei der logarithmischen Spirale.