Mathematik Abitur
Methoden zum Erstellen von Zufallszahlen

Die Erstellung von Zufallszahlen ist zu wichtig, als dass man sie dem Zufall überlassen darf.

Bei den verschiedensten Anwendungen der Stochastik wird eine zufällige Auswahl, eine Auswahl "auf gut Glück" eines bestimmten Elements aus einer bestimmten Grundgesamtheit gefordert. Die Realisierung einer solchen Auswahl gilt vielfach als unproblematisch, verbindet man damit doch nicht selten das Ziehen einer Kugel aus einer Urne mit n gleich großen, gleich schweren und äußerlich nicht unterscheidbaren Kugeln, die gut durchgemischt wurden (etwa Ziehung der Ansetzungen bei Fußballmeisterschaften).
Solche idealen Bedingungen sind im realen Leben vielfach nicht gegeben. So kann ein Zollbeamter die 100 Frachtcontainer einer Schiffsladung bei der Auswahl eines zu kontrollierenden Behälters nicht durchmischen. Und wählt er selbst, ohne Benutzung weiterer Hilfsmittel zufällig einen Container aus, so werden sich unbewusst in irgendeiner Weise Bevorzugungen (Eigenheiten, Erfahrungen, Vorlieben usw.) oder ihre Gegensätze einstellen. Würde er allerdings die Container der Reihe nach mit den Zahlen 0 bis 99 durchnummerieren, so könnte er zur rein zufälligen Auswahl ein Hilfsmittel benutzen, und zwar eine Urne mit genau zehn von 0 bis 9 durchnummerierten und ansonsten gleichen Kugeln. Durch zweimaliges Ziehen jeweils einer Kugel "auf gut Glück" und mit Zurücklegen erhielte er eine zweiziffrige Zahl, die die Nummer des zu kontrollierenden Containers ergäbe. Der Zollbeamte hätte in diesem Fall eine zweistellige Zufallszahl erzeugt.

Da es sehr mühsam und zeitaufwendig wäre, jedes Mal "aus einer Urne zu ziehen", wurden Zufallszahlen tabelliert. Der Nutzer kann damit auf die Ergebnisse schon durchgeführter Zufallsexperimente zur Erzeugung von Zufallsziffern zurückgreifen. Die erste derartige Tafel wurde von LHC Tippett im Jahre 1927 herausgegeben. 1955 veröffentlichte die Rand Corporation ein Buch mit einer Million Zufallszahlen. Bild 1 zeigt eine solche Tabelle mit Zufallsziffern (Zufallszahlen).

Um für den "Hausgebrauch" Zufallsziffern zu erzeugen, gibt es außer dem "Ziehen aus einer Urne" noch andere Möglichkeiten. Relativ einfach handhabbar wäre das Werfen eines regulären Ikosaeders (Zwanzigflächners), das die Augenzahlen 1 bis 20 trägt, wobei man jeweils nur die Ziffer der Einerstelle registriert. Manchem wird aber auch dieses Verfahren noch zu umständlich sein, und er wird stattdessen auf die Randomfunktion (RND bzw. rand oder ) seines Taschenrechners oder Computers verweisen, die allerdings nur sogenannte Pseudozufallszahlen liefert.
Beispielsweise erzeugen und eine Zufallsziffer und ihre mehrmalige Realisierung eine Folge von Zufallsziffern bzw. entsprechende k-stellige Zufallszahlen (Bild 2 und interaktives Beispiel 1).

Die Randomfunktion ermöglicht es nicht nur, Zufallsziffern zu erzeugen. Mit ihrer Hilfe ist auch eine Simulation wichtiger Zufallsexperimente möglich.
Soll das "Werfen" mehrmals wiederholt werden, so bieten Taschencomputer und Mathematikprogramme spezielle Funktionen an, um entsprechende Folgen von realisierten Zufallsexperimenten zu erstellen.
Das zehnmalige Werfen einer LAPLACE-Münze (L-Münze) kann mittels , das eines L-Tetraeders mittels , das eines L-Würfels mittels und das eines L-Ikosaeders mittels realisiert werden (Bild 3 und interaktives
Beispiel 2).

Auch das zehnmalige Werfen einer "gezinkten" Münze, bei der Wappen und Zahl nicht mit der gleichen Wahrscheinlichkeit fallen, bzw. eines gezinkten Würfels ließe sich realisieren (Bild 4 und Bild 5).

Das n-malige Werfen eines L-Würfels bietet z.B. die Möglichkeit, das Stabilwerden relativer Häufigkeiten zu veranschaulichen, das n-malige Werfen einer "gezinkten" Münze kann zur Simulation einer BERNOULLI-Kette genutzt werden.

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