Allgemein versteht
man unter einer Nullstelle einer Funktion
f diejenige Zahl
,
für die
gilt. Nullstellen zu berechnen heißt demnach, alle Lösungen der
Gleichung
zu ermitteln. Näherungsweise kann man Nullstellen auch grafisch bestimmen.
Man zeichnet den Graphen und beim Schnittpunkt des Graphen mit der x-Achse
liest man den Abszissenwert als Nullstelle ab.
Bei ganzrationalen Funktionen vom Grad
ergeben sich bei der Nullstellenbestimmung Gleichungen, für die man
(anders als bei linearen und quadratischen Funktionen) im Allgemeinen
keine Lösungsformeln mehr zur Verfügung hat. Für Gleichungen
dritten und vierten Grades wurden zwar bereits im 16. Jahrhundert "Lösungsformeln"
entwickelt, die jedoch in der Ausführung so kompliziert sind, dass
sie praktisch kaum verwendet werden. Für eine Reihe von Problemen
lassen sich die Nullstellen mit Näherungsverfahren oder mit einem
Computeralgebrasystem bestimmen (interaktives Rechenbeispiel).
Sonderfälle
Für einige Sonderfälle existieren auch spezielle Lösungsverfahren,
z.B. Lösen durch Ausklammern.
sollen ermittelt werden. Nullsetzen von f(x) ergibt:

Auf der linken Seite kann man x ausklammern:

Ist ein Produkt gleich null, so ist mindestens einer der Faktoren gleich
null, d.h., es ist:

Die Lösung der quadratischen Gleichung ergibt:
Ein anderes spezielles Lösungsverfahren ist das Lösen
durch Substitution,
wenn man es mit so genannten biquadratischen
Gleichungen zu tun hat.
,
man ermittle die Nullstellen. Die Gleichung
ist zu lösen. Man setzt
.
Mit dieser Substitution erhält man eine quadratische Gleichung in
z:

Diese hat die Lösungen
.
Nun wird die Substitution rückgängig gemacht, und die Gleichungen
werden
gelöst. Das führt zu folgenden Nullstellen:
Ein weiteres Lösungsverfahren ist das Lösen
durch schrittweises
Faktorisieren einer ganzrationalen Funktion mithilfe ihrer Nullstellen.
Grundlage dafür ist der folgende Zusammenhang:
eine Nullstelle der ganzrationalen Funktion f vom Grad n (mit
),
d.h. mit der Form
ist, dann gibt es eine Zerlegung der Form
.
Dabei ist g(x) eine Funktion vom Grad
. Dieser Satz lässt sich folgendermaßen beweisen: Sei
eine Nullstelle von f(x). Angenommen durch Polynomdivision erhält
man
,
also mit einem Rest r, der nicht von x abhängt. Lässt man nun
die Werte von x gegen
streben, dann erhält man
.
Da
nach
Voraussetzung eine Nullstelle von f(x) ist, gilt auch auf
.
Damit ist
,
d.h., die Polynomdivision ist ohne Rest ausführbar.
Mit g(x) kann man wiederum so verfahren. Bei jedem Schritt verringert
sich der Grad des verbleibenden Polynoms jeweils um 1, d.h., es kann höchstens
n Linearfaktoren geben. Es gilt also der Satz:
vom Grad n (mit
),
hat höchstens n Nullstellen.Lässt sich aus der ganzrationalen Funktion f(x) der Linearfaktor
mehrfach,
etwa k-fach, ausklammern, so nennt man
mehrfache
Nullstelle (man nennt k auch die Ordnung der Nullstelle). Dabei lassen
sich folgende Fälle unterscheiden:
ist
eine einfache Nullstelle; der Graph der Funktion schneidet an dieser
Stelle die x-Achse.
und k gerade
ist
eine k-fache Nullstelle; der Graph der Funktion berührt die x-Achse
(die 1. Ableitung an der Stelle
ist gleich null).
und k ungerade
ist
eine k-fache Nullstelle; der Graph schneidet die x-Achse
. Hat eine ganzrationale Funktion n-ten Grades
die Nullstellen
,
so kann man sie nach dem Nullstellensatz
für Polynome, einem fundamentalen
Satz der Algebra, folgendermaßen als Produkt aus Linearfaktoren
darstellen:

Eine wichtige Hilfe bei der Zerlegung einer
ganzrationalen Funktion in ihre Linearfaktoren
ist folgender Satz:
mit
gegeben
ist, so ist jede ganzzahlige Nullstelle
ein Teiler vom Absolutglied
.

Lösung der Teilaufgabe a):
Der Funktionsterm ist bereits in Linearfaktoren zerlegt. Man liest als
Nullstellen sofort ab:

Lösung der Teilaufgabe b):
Die (unmittelbar ablesbaren) Nullstellen sind
.
Weitere Nullstellen gibt es nicht, da die aus dem dritten Faktor folgende
Gleichung
keine reelle Lösung besitzt.
sollen die Nullstellen berechnet werden. Durch Nullsetzen und Ausklammern erhält man:

Aus
folgt die zweifache Nullstelle
.
Weitere Nullstellen liefert die Gleichung
.
Als Teiler des Absolutgliedes kommen
in Frage. Man überzeugt sich sehr schnell, dass
die Bedingung erfüllt. Division durch den Linearfaktor
ergibt:

Die Lösungen der quadratischen Gleichung
sind die restlichen Nullstellen, also
.
Das heißt, die gegebene Funktion hat vier Nullstellen; ihre Zerlegung
in Linearfaktoren ist:
.
Weiter sei
.
Wie lautet die Funktionsgleichung? Nach dem Nullstellensatz gilt:

Mit
erhält man daraus
und somit die folgende Funktion:


Die Funktion f hat vier Nullstellen, und zwar
,
obwohl eine ganzrationale Funktion 7. Grades sieben Nullstellen haben
könnte. Der Graph der Funktion schneidet die x-Achse bei
;
ist
eine zweifache Nullstelle, da der Graph der Funktion die x-Achse dort
berührt und
ist.
Mit
ergibt sich folgende Darstellung in Linearfaktoren:

Man kann also durchaus von sieben Nullstellen sprechen: zwei einfachen,
einer doppelten und einer dreifachen Nullstelle.
Eine Variation
der grafischen Methode (Graph zeichnen, am Schnittpunkt des Graphen
mit der x-Achse die Nullstelle ablesen) bringt das nachfolgende Beispiel
zum Ausdruck.
sind zu ermitteln. Aus
folgt
,
d.h., der Funktionsterm von f ist auf diese Art und Weise geschickt in
zwei Terme zerlegt worden, die wiederum Funktionen darstellen und deren
Graphen man besonders einfach zeichnen kann (Normalparabel und Gerade).
Die x-Koordinaten der Schnittpunkte der Graphen sind die Nullstellen der
Ausgangsfunktion, denn nach den vorgenommenen Veränderungen gilt
. In
diesem Fall liest man
als Nullstellen ab (s. Bild 1 bzw. nachstehendes Textbild).

Zusammenfassung
Nullstellen ganzrationaler Funktionen ermittelt man rechnerisch
durch
bzw. grafisch durch
geschicktes Zerlegen des Funktionsterms von f(x) in Funktionsterme
g(x) und h(x) mit
(die
x-Koordinaten der Schnittpunkte der Graphen von g(x) und h(x) sind
dann die Nullstellen von f(x)).