


Persönliche
Daten
PIERRE DE FERMAT wurde am 20. August 1601 in Beaumont an der Garonne (in
der Gascogne, nahe Toulouse) geboren. Sein Vater war als Kaufmann, der
vor allem mit Lederwaren handelte, recht begütert und konnte dem
Jungen eine gute Erziehung ermöglichen. Pierre wurde zunächst
von Franziskanermönchen unterrichtet, studierte dann in Toulouse
Rechtswissenschaft und wurde Anwalt. Obwohl seine Kanzlei gut lief, trat
er 1631 in den Staatsdienst ein, bekleidete am Gerichtshof zu Toulouse
mehrere Ämter und wirkte dort 34 Jahre lang bis zu seinem Tode. Er
galt als redlich und unbestechlich (was damals keineswegs normal war)
und erwarb sich durch seine Rechtschaffenheit großes Ansehen, sodass
er für seine Verdienste geadelt wurde. FERMAT lebte ruhig und zurückgezogen,
scheute die Öffentlichkeit und führte ein gutes Familienleben,
aus dem fünf Kinder hervorgingen. Er war sehr vielseitig gebildet,
beherrschte alle wichtigen europäischen Sprachen und schrieb Gedichte
in Französisch und Spanisch. Seine Heimatstadt verließ er nur
zu Dienstreisen. Während einer solchen starb er am 12. Januar 1665
in Castres bei Toulouse. Seine letzte Ruhestätte fand er in der Augustinerkirche
von Toulouse.
Zur wissenschaftlichen
Arbeitsweise von FERMAT
Die Beschäftigung mit der Mathematik betrieb FERMAT neben seinem
Beruf, aus Liebhaberei. So ist zu erklären, dass zu Lebzeiten fast
keine Veröffentlichungen von ihm existierten. Lediglich in einem
regen Briefwechsel mit mathematischen Freunden (u.a. mit BLAISE PASCAL
und RENÉ DESCARTES) hat er seine Entdeckungen weitergegeben. Erst
lange nach FERMATS Tod gab dessen ältester Sohn Samuel-Clément
(der ebenfalls Anwalt war) zuerst die Randnotizen, die sein Vater in die
von ihm gelesenen Bücher eingetragen hatte, und später (im Jahre
1679) eine Zusammenstellung von Aufzeichnungen heraus, dies unter dem
Titel "Verschiedene mathematische Arbeiten des Herrn de Fermat, ausgewählt
aus seinen Briefen
".
Aus dieser Arbeitsweise FERMATS erklärt sich, dass er vor allem mit
DESCARTES in Streit über die Priorität seiner Entdeckungen geriet.
Schaffung von Grundlagen
der analytischen Geometrie
FERMAT beschäftigte sich mit einer ganzen Reihe von Teilgebieten
der Mathematik. Er studierte die Werke der großen griechischen Mathematiker
(wie etwa die von EUKLID, APOLLONIUS bzw. DIOPHANT) und bemühte sich,
verloren gegangene Teile dieser Werke zu rekonstruieren. Darauf aufbauend
und die Bezeichnungen von Größen
durch Buchstaben nach VIETA nutzend, schuf er – fast zeitgleich mit DESCARTES
– die Grundlagen
der analytischen Geometrie, und zwar in seinem Werk "Ad locos
planos et solidos isagoge" (Einführung in die ebenen und körperlichen
Örter). Er zeigte darin, wie man geometrische Objekte durch Gleichungen
beschreiben und geometrische Aufgaben rechnerisch lösen kann. Beispielsweise
wird durch die Gleichung
ein Kreis beschrieben, der den Radius r und
den Mittelpunkt
M(c; d) hat. Auf diese Weise lassen sich Schnittpunkte von Kurven rechnerisch
ermitteln und bestimmte Eigenschaften von Figuren (wie etwa der Satz,
dass sich die Seitenhalbierenden eines Dreiecks in einem Punkt und im
Verhältnis 2:1 schneiden) beweisen. So wurde das Koordinatensystem
zu einer Art geometrischem Rechenbrett.
In seinem Vorgehen benutzte FERMAT bereits Elemente der Differenzialrechnung (1628/29), wobei er Maxima und Minima (also größtmögliche und kleinstmögliche Werte) funktionaler Zusammenhänge ermittelte. Beispielsweise zeigte er, dass unter allen Rechtecken mit gegebenem Umfang das Quadrat den größten Flächeninhalt hat, und er ermittelte rechnerisch die Lage von Tangenten an Kurven.
FERMATS Beitrag
zur Entwicklung der Stochastik
Gemeinsam mit BLAISE PASCAL (1623 bis 1662) legte FERMAT den Grundstein
für die Wahrscheinlichkeitsrechnung. Obwohl es zu jener Zeit für
solche Fragen auch bereits gesellschaftliche Bedürfnisse (Versorgungsprobleme,
Versicherungen) gab, war der Ausgangspunkt doch kurios: Ein mit FERMAT
und PASCAL befreundeter Adliger, der Chevalier DE MÉRÉ,
der verarmt seinen Lebensunterhalt durch Glückspiele mit Würfeln
bestritt und dafür immer neue Varianten erfand, bat die beiden Gelehrten,
ihm die Chancen für einen Gewinn oder Verlust der jeweiligen Glücksspiele
auszurechnen.
Zwei Beispiele seien dafür angeführt:
betrug, also größer als
war und riet ab.) Zahlentheoretische
Sätze
FERMATS Lieblingsdisziplin indes war die Zahlentheorie.
Hier fand er zahlreiche interessante Zusammenhänge und Gesetze, u.a.
die folgenden:


FERMAT fand auch heraus, dass 343 eine Kubikzahl ist,
bei der die Summe aller ihrer Teiler eine Quadratzahl ergibt:
Oder er beschäftigte sich mit sogenannten
"befreundeten Zahlen". Zwei
Zahlen heißen befreundet, wenn jede von ihnen gleich der Summe der
echten Teiler der anderen ist. Ein Beispiel dafür sind die Zahlen
220 und 284.
Bei diesen zahlentheoretischen Untersuchungen unterliefen FERMAT auch
Irrtümer. So glaubte er, entdeckt zu haben, dass der Term
für alle natürlichen Zahlen n stets Primzahlen liefert. Tatsächlich
erhält man für n = 1, 2, 3 und 4 mit
jeweils eine Primzahl. (Diese Zahlen sollten
später bei der Frage der Konstruierbarkeit regelmäßiger
n-Ecke mit Zirkel und Lineal eine Rolle spielen.)
ergibt
4294967297. LEONHARD EULER stellte später fest, dass diese Zahl durch
641 teilbar, also keine Primzahl ist.