
Darstellung
und Eigenschaften rationaler Zahlen
Wenn man ausgehend von den natürlichen Zahlen die Zahlbereiche so erweitert,
dass man alle vier Grundrechenoperationen (Addition, Subtraktion, Multiplikation,
Division) uneingeschränkt (außer der Division durch Null) ausführen
kann, kommt man zur Menge der rationalen Zahlen.
Jede rationale Zahl lässt sich eindeutig darstellen als
, wobei
der Zähler z eine ganze und der Nenner n eine natürliche Zahl
ist und soweit wie möglich gekürzt wird;
deren arithmetisches Mittel
.
Da man dieses Verfahren unendlich oft wiederholen kann, liegen zwischen
zwei rationalen Zahlen sogar unendlich viele weitere rationale Zahlen.| Irrationale Zahlen | |
| Eine Tatsache, die die Vorstellungskraft
übersteigt, ist nun aber die folgende: Obwohl die rationalen
Zahlen und die sie darstellenden Punkte auf der Zahlengeraden überall
dicht liegen, gibt es dazwischen noch Punkte, denen keine rationale
Zahl zugeordnet werden kann. Wir betrachten dazu nachstehendes Beispiel: Wenn man ein Quadrat mit der Seitenlänge 1 zeichnet, hat dessen Diagonale die Länge (nach
Satz des PYTHAGORAS). Diese Diagonale kann man auf die Zahlengerade
klappen, ihr Endpunkt
ist keine rationale Zahl (s. nebenstehende Abbildung). |
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Der Beweis, dass
keine rationale Zahl sein kann, ist das klassische Beispiel eines indirekten
Beweises. Man nimmt dazu an,
sei eine rationale Zahl. Dann lässt sie sich darstellen als
(wobei
p und q soweit wie möglich gekürzt sein sollen). Durch Quadrieren
ergibt sich
.
Das kann aber nicht sein, wenn sich p und q nicht kürzen lassen.
Also war die Annahme falsch, und somit ist
keine rationale Zahl.
Auch der Dezimalbruch
,
dessen Bildungsgesetz darin besteht, vor der nächsten Eins immer
eine Null mehr einzufügen, ist keine rationale Zahl, denn er ist
weder endlich noch periodisch.
Solche Zahlen wie
,
der oben genannte Dezimalbruch d,
,
oder
auch die Kreiszahl
und die eulersche Zahl e sind keine rationale Zahlen, man nennt sie irrationale
Zahlen.
Es gibt unendlich viele irrationale Zahlen. Jede Wurzel aus einer natürliche
Zahlen, wenn sie selbst keine natürliche Zahl ist, ist eine irrationale
Zahl. Außerdem sind die meisten Funktionswerte von Winkel- und Logarithmusfunktionen
irrationale Zahlen.
Zwischen den unendlich vielen und überall dicht liegenden Punkten
auf der Zahlengeraden, die den gebrochenen Zahlen zugeordnet sind, gibt
es also noch unendlich viele Punkte, die den irrationalen Zahlen entsprechen.
Das ist sicher schwer vorstellbar, und so ist es umso verständlicher,
dass die Mathematiker der Antike und des Mittelalters am Problem der irrationalen
Zahlen (der Name macht es ja deutlich) scheiterten. Die griechischen Mathematiker
konnten zwar noch Quadratwurzeln ziehen, das Resultat von
konnten sie jedoch nicht ermitteln. Damit war die folgende als delisches
Problem bezeichnete Fragestellung unlösbar:
(Einheit) hat, beträgt sein Volumen
.
Der neue Altar muss dann das Volumen von
haben, woraus folgt, dass seine Kantenlänge
sein muss – und diesen Wert konnte man nicht berechnen. Das Problem der Verdopplung des Würfels
(Kubus) ist eines der drei klassischen Probleme der antiken Mathematik.
Die beiden anderen sind die Quadratur des
Kreises (Konstruktion eines Quadrates, das den gleichen Flächeninhalt
wie ein gegebener Kreis besitzt) und die Trisektion
des Winkels (Teilung eins beliebigen Winkels mit Zirkel und Lineal
in drei gleiche Teile). Die letzten beiden Probleme hängen mit der
Irrationalität von
zusammen.
Mathematiker aller Epochen haben sich mit den drei klassischen Probleme
beschäftigt, was wesentlich zur Entwicklungen der mathematischen
Theorie beigetragen hat. Letztlich haben erst die Forschungsergebnisse
von EVARISTE GALOIS (1811 bis 1832), die von ihm entwickelte Gruppentheorie,
die Beweise von der prinzipiellen Unlösbarkeit dieser drei Probleme
ermöglicht.
Transzendente Zahlen
Die irrationalen Zahlen lassen sich noch unterteilen in algebraisch
irrationale und transzendente
Zahlen. Algebraisch irrationale
Zahlen sind solche, die sich als Lösung einer Gleichung mit rationalen
Koeffizienten ergeben, z.B.
als Lösung der Gleichung
.
Bei transzendenten Zahlen ist dies nicht der Fall.
In der historischen Entwicklung war vor allem das Verhältnis von
Umfang zu Durchmesser des Kreises, also die Zahl
(die Bezeichnung geht auf LEONHARD EULER zurück), interessant. Die
Mathematiker der Antike scheiterten an Tatsache, dass sich Umfang und
Durchmesser eines Kreises (ebenso wie Diagonale und Seitenlänge eines
Quadrates) nicht durch ganzzahlige Teilverhältnisse ausdrücken
lassen. Näherungswerte waren aber seit langem bekannt. Die alten
Ägypter verwendeten ,
ARCHIMEDES VON SYRAKUS (etwa 287 v.Chr. bis 212 v.Chr.) kam durch Vergleich
des Kreisumfangs mit den Umfängen von ein- und umbeschriebenen Vielecken
zu dem Ergebnis das
zwischen
und
liegen muss. Der niederländische Mathematiker LUDOLPH VAN CEULEN
(1540 bis 1610) berechnete
auf 32 Stellen genau, weshalb
auch ludolphsche (auch ludolfsche) Zahl genannt wird.
Auch mithilfe von Potenzreihen (eine erste wurde von GOTTFRIED WILHELM
LEIBNIZ gefunden) gelang es Näherungswerte für
zu finden. Bei diesen und weiteren Berechnungen ging es vor allem um das
Auffinden einer Periodizität, was die Rationalität von
bedeutet hätte. Dass
eine irrationale Zahl ist, wurde Ende des 18. Jahrhunderts durch JOHANN
HEINRICH LAMBERT (1728 bis 1777) und ADRIEN MARIE LEGENDRE (1752 bis 1833)
bewiesen. Aber erst 1882 konnte der deutsche Mathematiker FERDINAND LINDEMANN
(1852 bis 1939) zeigen, dass
eine transzendente Zahl ist.
Der Bereich der reellen Zahlen
Der Bereich der rationalen Zahlen und der Bereich der irrationalen Zahlen
bilden zusammen den Bereich der reellen Zahlen.
Anschaulich ist klar, dass die reellen Zahlen auf der Zahlengeraden abgebildet
werden können, womit auch eine Größer-Beziehung (über
den Abstand vom Nullpunkt) erklärt ist. Ein solches naives, auf Anschauung
beruhendes Umgehen mit den reellen (bzw. irrationalen) Zahlen hatte sich
zwar im Laufe der Zeit durchgesetzt, blieb aber natürlich unbefriedigend.
Eine exakte Erfassung des Irrationalen, eine theoretische Fundierung der
reellen Zahlen erfolgte erst mit den grundlegenden Arbeiten von RICHARD
DEDEKIND (1831 bis 1916; Bild 1), GEORG CANTOR (1845 bis 1918) und KARL
WEIERSTRASS (1815 bis 1897; Bild 2).
Eine reelle Zahl ist entweder rational oder irrational. Irrationale Zahlen
können durch rationale beliebig genau angenähert werden.
Reelle Zahlen lassen sich auf der Zahlengeraden darstellen, dabei gehört
zu jeder reellen Zahl genau ein Punkt und zu jedem Punkt genau eine reelle
Zahl.
Rechnen mit reellen Zahlen
Im Bereich der reellen Zahlen sind die Addition; die Subtraktion, die
Multiplikation, die Division (außer durch Null) uneingeschränkt
ausführbar.
Dabei gilt:

Für das Rechnen mit reellen Zahlen gelten die gleichen Regeln und Gesetze wie im Bereich der rationalen Zahlen, also insbesondere
;
;

folgt
.
folgt
nur
für
.Beim Rechnen mit reellen Zahlen gibt es folgende Möglichkeiten:
Da jede irrationale Zahl beliebig genau durch rationale Werte angenähert
werden kann, ist Letzteres immer möglich und in der Praxis das übliche
Vorgehen.