Funktionen, die
an jeder Stelle ihres Definitionsbereiches stetig sind, nennt man stetige
Funktionen oder auch global stetig.
Für global stetige Funktionen lassen sich mehrere "angenehme"
Eigenschaften formulieren und beweisen, so u.a. die folgenden Sätze:
Im Folgenden sollen die ersten beiden Eigenschaften (Sätze) bewiesen werden.
Der Nullstellensatz von BOLZANO
Der nach dem böhmischen Philosophen und Logiker BERNARD BOLZANO (1781
bis 1848, Bild 1) benannte Nullstellensatz
besagt das Folgende:
stetige Funktion und gilt
,
so gibt es wenigstens eine Stelle
mit
. Der Beweis erfolgt durch Aufbau einer Intervallschachtelung
mittels fortgesetzten Halbierens (sog. weierstraßsches
Halbierungsverfahren).
Es sei f im abgeschlossenen Intervall
stetig und o.B.d.A. gelte
(s. unten stehendes Bild).
Für die Mitte
des ersten Intervalls
gilt dann
und es ist entweder
oder
.
Als zweites Intervall betrachtet man jetzt dasjenige der beiden Teilintervalle,
bei dem f Randwerte mit verschiedenen Vorzeichen hat. Ist
,
so wählt man als neues Intervall
mit
.
Ist
,
so wählt man dagegen
mit
.
Verfährt man mit dem zweiten Intervall wie mit dem ersten, so kommt
man entweder zu einer Nullstelle von f oder man erhält eine Folge
von Intervallen (Intervallschachtelung)
mit
, die
folgende Eigenschaften hat:
der linken Intervallenden ist monoton steigend.
der rechten Intervallenden ist monoton
ist eine Nullfolge.
Aus diesen Eigenschaften lässt sich weiter folgern:
,
d.h., die Folgen
und
sind monoton und beschränkt und demzufolge konvergent.
Wegen
besitzen beide Folgen den gleichen Grenzwert
,
weil (wegen der vorausgesetzten Stetigkeit von f)
ist. Da aber
für alle
ist, gilt
.
Der Satz über die Annahme der
Zwischenwerte
Der Zwischenwertsatz
besagt Folgendes:
stetige Funktion mit
ist, dann nimmt f jeden Wert c, der zwischen den Funktionswerten
liegt, mindestens einmal an.Dieser Satz ließe sich ebenfalls mithilfe einer Intervallschachtelung
beweisen. Einfacher ist es jedoch, ihn als Verallgemeinerung
des Nullstellensatzes zu gewinnen.
Es ist bekannt, dass f ist stetig ist. O.B.d.A. sei
.
Man wählt irgendeinen beliebigen Wert c zwischen
und betrachtet die Funktion
,
die durch Verschiebung um
Einheiten in Richtung der negativen Ordinatenachse erzeugt wird (s. obiges
Bild). Da f stetig ist, ist auch die so gebildete Funktion g stetig und
es gilt:

Damit erfüllt g alle Voraussetzungen des Nullstellensatzes. Also
gibt es in
eine Stelle mit
,
d.h. aber:
Ohne Beweis sollen die beiden anderen oben genannten Sätze über stetige Funktionen noch mitgeteilt werden:
stetige Funktion ist, dann hat f in
ein Maximum und ein Minimum (Satz
von WEIERSTRASS).Ist f eine über
stetige und umkehrbare Funktion, dann ist auch die Umkehrfunktion
über
stetig (Stetigkeit
der Umkehrfunktion).