STANISLAW MARCIN ULAM wurde am 3. April 1909 im polnischen Lemberg (heute: Lwow, Ukraine) geboren. Nach Abschluss der Grundschule absolvierte er das städtische Gymnasium. Bereits in jener Zeit begann er, sich für physikalische und astronomische Probleme zu interessieren. Dies wurde noch verstärkt, nachdem er als Zwölfjähriger von einem Onkel ein Teleskop geschenkt bekommen hatte. Im Alter von etwa 14 Jahren unternahm ULAM den Versuch, die spezielle Relativitätstheorie von ALBERT EINSTEIN zu verstehen; scheiterte aber zunächst an den erforderlichen mathematischen Grundlagen. Deshalb eignete er sich diese durch Studieren zahlreicher Mathematikbücher, die weit über dem schulischen Niveau des gymnasialen Unterrichts lagen, an. Unterstützung erhielt er dabei von seinem Mathematiklehrer, der auch als Dozent an der Lemberger Universität tätig war.
Im Jahre 1927 begann STANISLAW ULAM, in Lemberg Mathematik zu studieren.
Zu seinen Lehrern gehörte unter anderem der bekannte polnische Mathematiker
KAZIMIERZ KURATOWSKI (1896 bis 1980). Nach Abschluss des Studiums und
erfolgreicher Promotion im Jahre 1933 setzte STANISLAW ULAM seine Forschungen
fort. Auf Einladung JOHN VON NEUMANNS (1903 bis 1957) begab er sich zu
seinem ersten Auslandsaufenthalt nach Princeton (USA), wonach noch zahlreiche
weitere Besuche amerikanischer Universitäten folgen sollten. So pendelte
er regelmäßig zwischen seiner Heimat und den USA, in die er
nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges emigrierte.
Im Jahre 1940 erhielt STANISLAW ULAM eine Professor an der Universität
von Wisconsin. 1943 bat ihn VON NEUMANN um Mitarbeit an einem geheimen
kriegswichtigen Projekt. ULAM stimmte zu und trat kurz danach seine neue
Stelle am "Los Alamos National Laboratory" an. Hier wurden die
grundlegende Forschungen für den Bau der ersten Kernwaffen betrieben,
an denen (speziell an der Entwicklung
der Wasserstoffbombe) ULAM nun
beteiligt war und maßgebliche Beiträge zur erfolgreichen Umsetzung
des Projekts lieferte.
Während der Zeit in Los Alamos entwickelte STANISLAW ULAM ein mathematisches
Verfahren (die sogenannte Monte-Carlo-Methode),
die heute u.a. Verwendung in Mathematiksoftware findet (Monte-Carlo-Algorithmen
sind stochastische Algorithmen).
1956 veränderte er das Sieb des ERATOSTHENES und erhielt so Zahlen,
die ähnliche Eigenschaften wie die Primzahlen haben (und als glückliche
Zahlen bezeichnet werden).
1965 verließ STANISLAW MARCIN ULAM Los Alamos und übernahm
den Lehrstuhl für Mathematik an der Universität von Colorado.
Wissenschaftlich arbeitete er vor allem auf den Gebieten der Mengenlehre
(eine rekursiv definierte Folge trägt heute seinen Namen), der Gruppentheorie
und der Topologie sowie der mathematischen
Physik. Bis zu seinem Tod am 13. Mai 1984 hatte er die Professor für
Biomathematik inne.