
Auf Empfehlung des württembergischen Herzogs FRIEDRICH erhielt SCHICKHARDT
im Jahre 1619 eine Anstellung als Professor für hebräische und
orientalische Sprachen an der Universität Tübingen. 1631 wurde
ihm auch die Professur für Astronomie und Mathematik übertragen.
SCHICKHARDTS Beschäftigung mit Mathematik gipfelte in der Entwicklung
einer Rechenmaschine (der berühmten "Rechenuhr", Bild 2),
die er 1623 konstruierte. SCHICKHARDT erfand damit (lange vor PASCAL und
LEIBNIZ) eine mechanische
Rechenmaschine, die Addition und Subtraktion beherrschte. Eine Beschreibung
dieses Ziffernrechners
findet sich in einem Brief an KEPLER, der wegen seiner umfangreichen Berechnungen
an einem solchen Gerät interessiert war. Die Rechenmaschine selbst
wurde jedoch im Dreißigjährigen Krieg durch Feuer zerstört.
Der Brief an KEPLER ist erst 1957 aufgefunden worden, so ist die Arbeit
von SCHICKHARDT ohne Einfluss auf die Entwicklung von mechanischen Rechenhilfsmitteln
geblieben.
Seit 1960 ist die Rechenmaschine mehrfach nachgebaut worden, Exemplare
befinden sich in Tübingen und im Deutschen Museum in München.
Zu den erwähnenswerten theoretischen und praktischen Leistungen SCHICKHARDTS
sind neben Betrachtungen zur hebräischen Grammatik und der Konstruktion
eines Handplanetariums seine Untersuchungen zur Landvermessung
und die dadurch erbrachte kartografische Erfassung von Württemberg
zu zählen.
WILHELM SCHICKHARDT starb, erst 43-jährig, am 23. (oder 24.) Oktober
1635 an den Folgen der Pest, die durch den Dreißigjährigen
Krieg auch nach Tübingen gebracht worden war.