Die (mathematische) Statistik beschäftigt sich mit dem zahlenmäßigen Erfassen, dem Darstellen und dem Untersuchen bzw. Bewerten von Massenerscheinungen in der Natur, der Gesellschaft und der Technik, bei denen Zufallseinflüsse wirken. Dabei werden Methoden und Verfahren der Wahrscheinlichkeitsrechnung angewandt.
Das Sammeln und Auswerten von Daten über Individuen, Objekte oder
Vorgänge ist ein Weg der Erkenntnisfindung, der nicht erst mit der
Entwicklung der Statistik als Wissenschaftszweig beschritten wird. Überlieferungen
und Aufzeichnungen von Volkszählungen aus dem Reich der Ägypter
um 2650 v.Chr. beweisen das. In der Verfassung Roms unter dem 6. König
namens SERVIUS TULLIUS (577 bis 534 v.Chr.) war verankert, dass alle fünf
Jahre der census (lat. - Volkszählung)
durchzuführen sei. Im Jahre 433 v.Chr. wurde in Rom ein "Volkszählungsbüro"
eingerichtet, das regelmäßige Erhebungen über Bevölkerungsdaten
und Vermögensverhältnisse aller Bürger veranlasste. Die
Bibel berichtet, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus
ausging, dass alle Welt geschätzt würde
und jedermann
ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt
(Lukas-Evangelium, Kapitel 2).
Zur Zeit der Herrschaft KARLS des Großen (768 bis 814) wurden Güter-
und Besitzverzeichnisse angelegt, die neben Personen auch deren Wohnräume,
Getreidebestände und das Vieh getrennt nach Art und Alter auswiesen.
Bereits Ende des 18. Jahrhunderts besaßen die meisten Länder
staatliche statistische Ämter. Daneben entwickelte sich an den Hochschulen
das Lehrgebiet "Staatenkunde", später
"Politische Arithmetik" genannt. Das
Wort Statistik verwendete der Göttinger
Staatswissenschaftler GOTTFRIED ACHENWALL (1719 bis 1772) im Sinne von
"Staatsbeschreibung" oder "Lehre von der Staatsverfassung".
Neben den bis ins 18. Jahrhundert fast ausschließlichen Erhebungen
von Angaben über Bevölkerungszahlen und Besitzverhältnisse
begann man dann in England und später auch in Deutschland bevölkerungsstatistische
Massenerscheinungen zu untersuchen. Ausgehend von Geburten- und Sterbelisten,
getrennt nach Geschlechtern, wird nun nach Ursachen bestimmter Sterbehäufigkeiten
und nach Regelmäßigkeiten, z.B. bei der Verteilung von Jungen-
und Mädchengeburten, gefragt. Die Daten wurden jeweils in Tabellen
oder grafischen Darstellungen erfasst und auf dieser Basis dann Berechnungen
(Summen, Anteile/Prozente, Mittelwerte usw.) durchgeführt. Die Verwendung
solcher Methoden kennzeichnet die Beschreibende
Statistik (deskriptive Statistik).
In engem Zusammenhang mit der Beschreibenden Statistik steht die sogenannte
explorative Datenanalyse,
die sich u.a. mit der Entdeckung von "Mustern" in ermittelten
Daten, mit der Modellierung und Hypothesenbildung und mit der Identifikation
von Extremwerten beschäftigt.
Als Begründer der explorativen Datenanalyse gilt der amerikanische
Statistiker JOHN TUKEY (1915
bis 2000). Dieser war übrigens auch Erfinder des Begriffs Software
sowie des Kunstworts Bit (für "Binary
Digit"), das ihm der Legende nach 1946 bei einem Mittagessen mit
seinen Kollegen BIGIT und BINIT eingefallen sein soll ...