Baumfarne – Überlebende vergangener
Erdepochen
Baumfarne sind Wahrzeichen vergangener
Jahrmillionen. Im Devon (ca. 410 – 360 Millionen
Jahre vor unserer Zeitrechnung) besiedelten die ersten Vertreter die Erde und im Karbon
(ca. 360 – 285 Millionen Jahre vor unserer Zeitrechnung) und Perm
(ca. 285 – 250 Millionen Jahre vor unserer Zeitrechnung) prägten sie vorherrschend
das Landschaftsbild. Mit dem Aufkommen der Samenpflanzen wurden die Baumfarne mehr und mehr verdrängt.
Unübersehbar streckten die Baumfarne ihre Wedelkronen bis zu 30 Meter
empor. Die meist unverzweigten, häufig armdicken Stämme wurden
von Wedelrosetten aus bis zu 4 Meter langen, mehrfach geteilten Wedeln gekrönt.
Solche Schopfbäume trifft man heute hauptsächlich in zwei Farnfamilien an:
Heutige Verbreitung: u. a. Australien, Tasmanien, Neuseeland, vor allem in tropischen Gebieten, einige auch in subtropischen und kühlen Klimazonen
Ein großer Teil des bis zu mehrere Meter hoch werdenden Stammes besteht
aus Adventivwurzeln (sprossbürtige Luftwurzeln) und parallel laufenden Blattspuren.
Das Wachstum und die Entfaltung neuer, junger, zuerst bischofsstabförmig
eingerollter Farnwedel erfolgt an der
Sprossspitze. Diese liegt im Zentrum der Rosetten. Wenn die Scheitelzelle
verletzt wird, können Baumfarne nicht mehr weiter wachsen.
Da die Stämme der Baumfarne oft durch abgeworfene Wedel uneben oder
von stehenbleibenden alten Wedeln bedeckt sind, eignen sie sich gut als
Unterlage für andere Pflanzen. Bei einigen Arten bleiben die abgestorbenen
Wedel erhalten, klappen herunter und bilden im oberen Stammbereich einen
undurchdringlichen Umhang. Unerwünschte Pflanzen werden dadurch an
der Besiedlung des Spitzenbereichs gehindert. Baumfarne können beträchtlich
hoch werden. Ihre Stämme sind recht dünn, da ein Wachstum in
die Dicke (sekundäres Dickenwachstum) fehlt.
Damit der Stamm aber eine gewisse Festigkeit hat, sind bei Baumfarnen
besondere Einrichtungen entwickelt. Ein kräftiges Festigungsgewebe
umgibt die Leitbündel. Dies trägt auch zur Bruchfestigkeit und
Härte des Holzes bei. Außerdem umhüllen bei vielen Arten
zusätzlich zahlreiche sprossbürtige Wurzeln den ganzen Stamm
oder seinen unteren Bereich mit einem festen Mantel.
Baumfarne lieben feuchte tropische Bergwälder. Manche Arten findet
man in Höhen bis über 3 000 Meter, wo sie Fröste ertragen. In
Ecuador und Peru kommen sie sogar bis in Höhen von etwas über
4 000 Meter vor. Andere Arten überstehen Waldbrände. Alle Vertreter
benötigen aber eine hohe Luftfeuchtigkeit.
Zu welcher Pflanzenfamilie Baumfarne gehören, ist bis heute noch
umstritten. Die Einordnung zu den Farnen wurde früher hauptsächlich
durch die Lage der Sporenhäufchen (Sori)
und die Form ihrer Schleierchen (Indusien)
untermauert. Heute zieht man Merkmale heran wie das Vorhandensein oder
Fehlen von Dornen, Knötchen, Haaren oder Schuppen an der Wedelbasis
oder die Beschaffenheit solcher Schuppen und Haare.
Im 19. Jahrhundert wurden Baumfarne nach Europa importiert. Seitdem wurden sie in Tropenhäusern gezüchtet. Spezielle Züchtungen von Cyathea und Dicksonia sind heute beliebte Haus- und Gartenpflanzen.