

Typologie der Backwaren
Zu den Backwaren gehören außer den verschiedenen Brotsorten
noch Fein- und Dauerbackwaren wie Kuchen und Kekse. Brot im engeren Sinne
wird aus Mehl, Trinkwasser, Speisesalz, Hefe beziehungsweise Sauerteig
und Backmitteln wie Enzymen, Quellmitteln, Stabilisatoren und Emulgatoren
hergestellt. Bei anderen Backwaren kommen gegebenenfalls weitere Backzutaten
wie Zucker, Fett, Ei, Früchte, Milchprodukte und Gewürze hinzu.
An die Stelle von Hefe können auch andere Lockerungsmittel wie Backpulver
treten.
In keinem Land der Welt werden so viele verschiedene Brotsorten produziert
wie in Deutschland: nahezu 300, von denen über 200 das ganze Jahr
über angeboten werden. Die Brotrezepturen mancher Sorten weichen
deutlich von denen für Brot im engeren Sinne ab, sodass sich fließende
Übergänge zu Fein- oder Dauerbackwaren ergeben. Beispiele sind
hier Früchtebrot und Zwieback.
Mengenmäßig entfällt der größte Anteil auf
Weizen-, Roggen- und Mischbrote aus diesen beiden Getreiden. Eine Besonderheit
unter den Backwaren sind roggenhaltige Brote, weil man sie mit Sauerteig
backt oder Säuerungsmittel wie Milch- oder Zitronensäure zusetzt.
Die Ansäuerung dient zum einen der Erzielung des charakteristischen
Geschmacks, zum anderen ist sie für die Quellfähigkeit von Roggenmehl
und -schrot erforderlich.
Zum Backen eines typischen Brots mit poröser Krume und zur Bereitung
von gärungsgelockertem Teig sind ohne weiteres nur Mahlprodukte der
Brotgetreide Weizen, Roggen und eines Hybrids aus diesen beiden, Triticale,
geeignet. Nichtbrotgetreiden wie Reis, Mais, Hafer und Gerste fehlen die
dazu erforderlichen Klebereiweiße, Schleimstoffe und bestimmte Enzyme.
Durch Mischen mit Brotgetreidemehl oder durch Zugabe der fehlenden Stoffe
lässt sich aber auch aus Nichtbrotgetreiden sowie Kartoffeln Brot
backen.
Herstellung von Brot
Zur gewerblichen Herstellung von Brot werden die trockenen Rezepturbestandteile
aus Silos vollautomatisch in eine Waage dosiert. Häufig werden hier
auch Fertigbackmischungen
verwendet, deren Komponenten genau aufeinander abgestimmt sind. Die Mischung
gelangt in einen Teigkneter, wo die erforderliche Menge Wasser, gegebenenfalls
auch Fett und Milch oder Molke, zugesetzt und eingeknetet wird. Dabei wird
auch die Hefe, meist als Presshefe, zugegeben. Es folgt eine Gare genannte
Ruhezeit, während der die Feuchtigkeit durch Quellung des Mehls aufgenommen
wird und der Teig aufgeht. Der Vortrieb, also die Volumenvergrößerung,
beruht auf der Kohlenstoffdioxidproduktion der Hefe, die dabei Kohlenhydrate
vergärt.
Nach der Gare wird der Teig zur Beseitigung großer Blasen gewirkt (geknetet) und in einzelne Stücke aufgeteilt (aufgemacht). Dazu nutzt man meist eine Strangpresse und ein Teilmesser. In der Wirkmaschine werden die Teigstücke durchgearbeitet, wodurch man eine gleichmäßige Porung erzielt und die Laibe ihre Form erlangen. Es schließt sich eine weitere Gare an, die häufig bei erhöhter Luftfeuchtigkeit in Gärschränken oder -räumen stattfindet. Nach Erreichen der Ofenreife werden die Teigrohlinge in den Backofen eingeschossen oder auf einem Transportband durch die Backstraße befördert. Im Ofen wird die Backtemperatur stufenweise geregelt, sie liegt zwischen 200 und 250 °C, die Backdauer beträgt zwischen 20 und 90 Minuten. Anschließend lässt man die Brote allmählich abkühlen und ausschwaden. Nach einer mehrstündigen Zwischenlagerung werden die Laibe verpackt, gegebenenfalls vorher noch in Scheiben geschnitten.
Oft werden tiefgefrorene Teigrohlinge von Brötchen produziert, die
erst im Verkaufsraum oder zu Hause gebacken werden. Zum Tiefkühlen
dient ein Kältegas wie Kohlenstoffdioxid. Man sollte sie in jedem Fall
rasch und bei hoher Feuchtigkeit auftauen lassen.
Damit die Teigrohlinge das Einfrieren und Wiederauftauen möglichst
unbeschadet überstehen, muss man ihre Teigrezeptur durch geeignete
Backmittel optimieren.
Backmittel sind Zusatzstoffe bei der Teigbereitung, die auf vielerlei
Art die Produktqualität verbessern und Probleme bei der Herstellung
vermeiden helfen sollen. Da der Teig bei der maschinellen Produktion intensiven
Belastungen ausgesetzt ist, muss er eine hohe Plastizität und Elastizität
(Maschinengängigkeit) besitzen. Im Idealfall bietet das Mehl selbst
diese Eigenschaften durch seinen Gehalt an Stärkekleister und Klebereiweiß.
Als Naturprodukt mangelt es ihm jedoch oft an der erforderlichen Qualität;
der Teig gerät dann ohne Hilfsmittel leicht zu dünnflüssig
oder zu zäh, und er besitzt häufig keine ausreichende Gärstabilität.
Bei einem gärstabilen Teig dagegen führt auch eine etwas zu
lange Gare und intensive Gärführung nicht zu Löchern in
der Krume bzw. zu Rissen in der Kruste. Daher verwendet man Backmittel,
die dem Brot auf jeden Fall eine gleichmäßig feinporige, weiche
und saftige Krume und eine glatte, knusprige, farblich ansprechende Kruste
sowie angenehmen Geschmack und Geruch verleihen und auch möglichst
lange erhalten. Die Backindustrie verfügt heute über ein reiches
Arsenal von Hilfsstoffen, wie z. B. biotechnologisch oder synthetisch
hergestellte Farb- und Gewürzstoffe.
Qualität und Haltbarkeit
Zur Lagerung von Brot empfiehlt
sich eine Temperatur von 15 bis 20 °C sowie eine relative Luftfeuchte
von etwa 60 %. Je nach Lagerbedingungen, Sorte und Größe des
Brots ist es zwischen vier und neun Tagen haltbar. Die Haltbarkeit steigt
mit dem Roggengehalt und der Größe.
Das Einfrieren von Ganzbrot
ist eigentlich keine geeignete Aufbewahrungsmethode für Brot, da
es dabei leicht austrocknet und die Krume verfestigt. Will man Brot dennoch
einfrieren, so sollte es möglichst frisch und gut verpackt
sein. Die Lagerdauer sollte einen Monat nicht überschreiten. Die
Tiefkühlung fertiger Backwaren ist auf Feinbackwaren, Kleingebäck
sowie geschnittenes Weizen- und Toastbrot beschränkt.
Zur Verhütung von Schimmelbefall
dienen Propion- und Sorbinsäure sowie ihre Salze. Da diese Stoffe
aber einen störenden Geschmack mit sich bringen, sterilisiert man
das Brot in seiner Verpackung vorzugsweise durch Hitzeeinwirkung.
Unter Brotfehlern
versteht man Qualitätsminderungen, die von Rohstoffmängeln,
falscher Teigführung und Ofenhitze herrühren. Dazu zählen
das Abbacken, bei dem sich die Kruste ablöst, Schliff, das heißt
porenlose Bereiche im Brot, Risse in Kruste und Krume sowie Wasserstreifen
an der Unterseite. Eine klitschige (nasse) Krume entsteht, wenn die Stärke
sich schwer verkleistern lässt und das beim Gerinnen des Klebereiweißes
abgegebene Wasser nicht aufnimmt. Abhilfe schafft hier der Zusatz von
Quellmehl. Ist das Brot während des Backens in die Breite geflossen,
so enthält der Teig zu wenig Gluten (Klebereiweiß) und Emulgator.