


CHARLES ROBERT DARWIN wurde am 12.02.1809 als fünftes Kind einer wohlhabenden Arztfamilie in The Mount bei Shrewsburry geboren. Im gleichen Jahr hatte der Franzose JEAN BAPTISTE DE LAMARCK (1744 – 1829) seine Vorstellungen von der Artenänderung veröffentlicht. Die meisten Naturwissenschaftler waren jedoch weiterhin Anhänger der von GEORGES DE CUVIER (1769 – 1832) vertretenen "Katastrophentheorie" (Sintflut). Danach werden Tiere im Laufe der Erdgeschichte Opfer von Naturkatastrophen, wobei nach jeder Katastrophe eine Neubesiedlung durch Tiere aus anderen Gebieten erfolgt.
Schule und Ausbildung
Nach dem frühen Tod seiner Mutter besuchte CHARLES von 1817 bis 1825
eine Internatsschule und wurde dann von seinem Vater auf die Universität
von Edinburgh geschickt. Er sollte Arzt werden, brach das Studium aber
nach zwei Jahren ab. Stattdessen, ebenfalls auf Wunsch seines Vaters,
studierte er von 1827 bis 1831 Theologie in Cambridge. Hier lernte er
den Geistlichen und Botanikprofessor HENSLOW kennen, der sein Interesse
an den Naturwissenschaften erkannte und förderte. Nach Abschluss
des Studiums las DARWIN den Bericht des Naturforschers ALEXANDER VON HUMBOLDT
über dessen Südamerikareise und sammelte im Rahmen einer geologischen
Exkursion nach Nordwales (England) Geländeerfahrung.
Die Weltreise mit der Beagle
Noch im gleichen Jahr (1831) nahm DARWIN die Gelegenheit wahr, als unbezahlter
Naturforscher an einer Weltreise mit dem Segelschiff Beagle
teilzunehmen. Die Reise dauerte vom 27.12.1831 bis zum 02.10.1836 und
führte zu Küstenregionen und Inseln der südlichen Erdhalbkugel.
Unterwegs las DARWIN das Buch "Grundzüge
der Geologie" von CHARLES LYELL (1797 – 1885). Darin erläutert
LYELL das Aktualismusprinzip, nach dem die in der Gegenwart wirkenden,
die Erdoberfläche gestaltenden Kräfte auch in der Vergangenheit
in gleicher Weise gewirkt und über Jahrmillionen die gewaltigen Veränderungen
der Erdoberfläche bewirkt haben.
Vor allem in Südamerika hatte DARWIN viel Zeit, ins Landesinnere
vorzustoßen, um Tier- und Pflanzenarten zu beobachten und genau
zu beschreiben. Daneben sammelte er Fossilien, das sind versteinerte Überreste
meist ausgestorbener Tiere. Alle seine Beobachtungen notierte er sorgfältig.
So beobachtete er während eines längeren Aufenthaltes auf den Galapagosinseln Finken, die sich sehr ähnlich sahen. Sie bewohnten verschiedene Biotope (Boden, Kakteen, Bäume) und waren aufgrund unterschiedlich ausgebildeter Schnäbel auf bestimmte Nahrungszonen spezialisiert (Insekten, Körner). DARWIN konnte mehr als zehn Arten unterscheiden. Als er später seine Aufzeichnungen auswertete, kam ihm der Gedanke, dass diese Finkenarten miteinander verwandt sein könnten. So könnten einige Finken einer auf dem südamerikanischen Festland beheimateten Stammform die Inseln besiedelt haben. Aus diesen könnten sich dann die verschiedenen Arten entwickelt haben.
Darwins Schaffensphase
Von der Weltreise zurückgekehrt, ließ sich DARWIN in Cambridge
nieder. Hier begann er sofort mit der Auswertung der mitgebrachten Materialien
und verfasste ein "Erstes Notizbuch über
die Umwandlung der Arten" (1838).
Er heiratete 1839 seine Cousine EMMA WEDGWOOD und zog mit ihr 1842 auf seinen Landsitz in Down (südlich von London). Sie bekamen zehn Kinder, von denen drei im Kindesalter starben. DARWIN war inzwischen wirtschaftlich unabhängig und arbeitete ausschließlich als Privatgelehrter. Alle weiteren Arbeiten entstanden auf dem Landsitz.
Seine Veröffentlichung "Über den Bau und die Verbreitung von Korallenriffen" von 1842 beinhaltet eine bis heute gültige Erklärung darüber, wie Atolle, das sind ringförmige Korallenriffe, entstehen. Neben seiner geologischen Tätigkeit setzte DARWIN die Untersuchungen zur Evolution fort und entwarf noch im gleichen Jahr eine kurzgefasste Skizze seiner Abstammungstheorie, die er ständig erweiterte.
Mit dem Buch "Reise eines Naturforschers um die Erde" (1845) wurde DARWIN weltweit einer breiten Öffentlichkeit bekannt.
Nach zeitaufwendigen Untersuchungsreihen und Literaturstudien schrieb
er sein Hauptwerk "Über die Entstehung von
Arten durch natürliche Zuchtwahl" (engl. Originaltitel:
"On the origin of species by means of natural
selection"). Das in vierzehn Kapitel gegliederte Buch erschien
am 24.November 1859 unter Zeitdruck, denn der Engländer ALFRED
RUSSEL WALLACE (1823 – 1913) hatte sich ebenfalls der Evolutionsforschung
angenommen und war zu ähnlichen Ergebnissen gekommen wie DARWIN.
Diese Ergebnisse wollte er ebenfalls veröffentlichen.
Dieses Hauptwerk erweiterte und korrigierte DARWIN bis an sein Lebensende.
Die wesentlichen Aussagen seiner Theorie, die sich – anders als bei vielen
seiner Vorgänger – auf die Betrachtung von Populationen, d. h. von
Organismengruppen bezogen, lenkten den Blick auf die Evolutionsursachen.
Seinen Abstammungsgedanken hat er im Vorwort seines Hauptwerkes wie folgt
formuliert:
"
so kann ich doch keinen Zweifel mehr daran
hegen, dass die Ansicht, die die meisten Naturforscher bis vor kurzem
vertraten und die ich selbst früher vertrat, nämlich, dass jede
Art unabhängig für sich geschaffen wurde, irrig ist. Ich bin
vollkommen überzeugt, dass die Arten nicht umwandelbar sind, sondern
dass die ein und derselben Gattung angehörenden in gerader Linie
von anderen, gewöhnlich schon erloschenen Arten abstammen
".
Er ging von Beobachtungen aus, die er auch als
Taubenzüchter gewonnen hatte. Jeder wusste zur damaligen Zeit, dass
unter den Nachkommen von Zuchttieren immer auch solche mit besonders starker
oder schwacher Herausbildung von Merkmalen vorkamen, selten sogar mit Neubildungen.
Die Weiterzucht solcher Individuen (künstliche
Zuchtwahl) führt im Lauf der Zeit zu Individuen, die von der Ausgangsform,
u. a. der Wildform, erheblich abweichen. Dies gilt für Pflanzen ebenso
wie für Tiere.
DARWIN erkannte nun, dass in der Natur vergleichbare Vorgänge ablaufen
müssten, wobei es zu klären galt, wer hier die Rolle des Züchters
übernahm und welches die Kriterien der Auswahl seien. Bei der Analyse
möglicher Faktoren, die ein Überleben begünstigen, sind die
Lebewesen die besseren, die tüchtigeren Nachkommen, die sich in der
Auseinandersetzung mit der Umwelt behaupten können.
Die von DARWIN gewählten Formulierungen, die auch zu Missverständnissen
in der Auslegung führten, lauteten, dass im "struggle
for life" ("Kampf ums Dasein") sich ein "survival
of the fittest" abzeichnet, ein Überleben der Bestgeeigneten.
Selbstverständlich ist eine solche "natürliche
Zuchtwahl" oder Selektion
nur dann möglich, wenn auch Merkmalsunterschiede
zwischen den Individuen einer Art bestehen.
Diese Unterschiede nannte DARWIN Variationen.
Sie existieren und werden durch die natürliche Zuchtwahl innerhalb
der Nachkommenschaft "sortiert". Die Frage ist nun, wodurch immer
wieder neue Variationen entstehen.
Darwin kannte zwei Arten von Veränderungen:
Spätere Werke
DARWINS Forscherdrang war auch in der Folgezeit ungebremst. Seine wichtigsten
Werke aus dieser Phase sind:
DARWIN starb am 19.04.1882 und wurde in der Westminster Abtei dicht neben
ISAAC NEWTON in London beigesetzt. Seine Leistung ist vor allem eine Integrations-
und Transferleistung, das heisst, er hatte es verstanden, fachübergreifend
Zusammenhänge zu erkennen und deren Bezug zur Evolution aufzuzeigen.