Bau der Zelle
Vererbung und Fortpflanzung
sind an die Zelle gebunden. Die Erhaltung der Artmerkmale und der individuellen
Merkmale eines Organismus ist nur im Zusammenhang mit seiner Fortpflanzung
möglich. Bei der geschlechtlichen Fortpflanzung werden genetische
Informationen auf Zellen übertragen, aus denen sich ein Lebewesen
entwickeln kann. Es vereinen sich die Geschlechtszellen zur befruchteten
Eizelle (Zygote), aus der sich
dann ein neues arttypisches Lebewesen entwickelt.
Teilen sich z. B. durch Wachstum und Entwicklung bedingt Hautzellen beim
Menschen oder Rindenzellen bei einer Pflanze, so entstehen aus diesen
Zellen wiederum Haut- und Rindenzellen mit ihren spezifischen Funktionen.
Vererbung findet demnach sowohl auf
Organismusebene als auch im zellulären Bereich statt. In beiden Fällen
trägt Vererbung zur Aufrechterhaltung einer gewissen Konstanz bei.
Zellkern - Träger der Erbinformation
Das Hauptmerkmal der Zellen höherer Organismen besteht in ihrer Untergliederung
in Zellkern und Cytoplasma. Beide Bereiche werden durch eine doppelte
Kernmembran voneinander getrennt.
Der
Zellkern
ist der
Träger
der Erbinformation. Von ihm werden alle Lebensprozesse gesteuert, die
im
Cytoplasma realisiert werden
müssen. Die Kernmembran setzt sich dazu in Membransystemen fort, die
das Cytoplasma durchziehen und
endoplasmatisches
Retikulum genannt werden. Am endoplasmatischen Retikulum laufen die
meisten Stoffwechselprozesse ab. Es ist dicht mit
Ribosomen,
den Orten der Eiweißsynthese, besetzt. Im Zellplasma finden wir verschiedene
Organellen, wie den
Golgiapparat
(
Dictyosomen), die Mitochondrien
und in Pflanzenzellen zusätzlich Plastiden und Vakuolen. Der Golgiapparat wird auch
als Hauptumschlagplatz der Zelle bezeichnet. In ihm werden Enzyme gebildet
und verschiedene Stoff- und Energiewechselprozesse durchgeführt. Die
Mitochondrien sind die Orte
der Zellatmung. In den
Chloroplasten
der Pflanzenzellen findet die Fotosynthese statt. Die
Vakuolen
besitzen Speicherfunktion für verschiedene Stoffe. Alle Zellen werden
von einer
Zellmembran umgeben.
Pflanzliche Zellen besitzen zusätzlich noch eine Zellwand. Beide Strukturen
regeln neben ihrer Abgrenzungsfunktion noch den Stoff- und Energiewechsel
mit den benachbarten Zellen.
Die Bedeutung
des Zellkerns für die Vererbung
Die Rolle des Zellkerns bei der Vererbung lässt sich am Beispiel der
Transplantationsexperimente mit der einzelligen, bis zu 10 cm großen
und im Mittelmeer vorkommenden Schirmalge
Acetabularia
erkennen. Die in Schirm und Stiel gegliederten Algen sind mit einem wurzelähnlichen
Haftorgan, dem Rhizoid, das auch den Zellkern trägt, am Boden befestigt.
Die beiden Arten
Acetabularia mediterranea (a)
und
Acetabularia wettsteinii (b) unterscheiden
sich durch die Größe und Kammerung ihres Huts. Pfropft man z. B.
den kernlosen Stiel von
Acetabularia mediterranea
auf das kernhaltige Rhizoid von
Acetabularia wettsteinii,
so bildet die Pflanze später den kleineren Hut von
Acetabularia
wettsteinii aus. Auch das umgekehrte Experiment beweist, dass die
Form des Huts durch den Zellkern festgelegt wird.