


Weltweit gibt es über 3 000 Arten von Regenwürmern, in Deutschland sind es immerhin ca. 36. Der Gemeine Regenwurm ist die bekannteste Art. Er kann eine Länge von 30 cm erreichen. Regenwürmer gehören zu den Ringelwürmern (Annelida).
Der Gemeine Regenwurm
bewegt sich kriechend fort. Verantwortlich für diese Fortbewegung
ist sein Hautmuskelschlauch.
Durch Zusammenziehen der Ringmuskeln
wird der Körper gestreckt, er wird dünn. Dabei erschlaffen die
Längsmuskeln. Anschließend ziehen sich die Längsmuskeln
zusammen und die Ringmuskeln erschlaffen. Der Regenwurm wird an dieser
Stelle dicker und zieht den Körper nach. Durch dieses abwechselnde
Zusammenziehen und Erschlaffen der Muskeln entsteht eine wellenförmige
Bewegung, die dem gliedmaßenlosen Tier ein Vorwärtskriechen
ermöglicht. Die Borsten unterstützen die Fortbewegung, indem
sie sich im Boden festhalten und ein Zurückgleiten verhindern.
Atmung
Tagsüber halten sich die Regenwürmer im kühlen und feuchten
Erdboden auf. Sie meiden also Sonne und Trockenheit. Der hohe Feuchtigkeitsbedarf
der Regenwürmer hängt mit ihrer Atmung zusammen. Die Aufnahme
von Sauerstoff und die Abgabe von Kohlenstoffdioxid erfolgen durch die
dünne, feuchte und schleimige Haut. Er ist ein Hautatmer.
Starke Sonneneinstrahlung würde seine Haut austrocknen und sie für
Atemluft unpassierbar machen. Er müsste ersticken. Deshalb kommt
er meist nur nachts zur Nahrungssuche aus seinen selbst gegrabenen Erdröhren
und lebt tagsüber im feuchten Boden.
Er ist ein Feuchtlufttier
und gut an das Leben im Boden angepasst.
Fortpflanzung
Der Regenwurm besitzt sowohl
männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane. Er ist ein Zwitter.
Zur Fortpflanzung müssen
sich jedoch immer zwei Tiere paaren, denn es erfolgt stets eine wechselseitige
Begattung. Dabei legen sich zwei geschlechtsreife Tiere mit den Vorderenden
an einer rot gefärbten, ringförmigen Verdickung, dem Gürtel,
aneinander und tauschen Samenzellen aus.
Die Samenzellen werden in Samentaschen im Inneren des Körpers aufbewahrt.
Sind die Eizellen reif, sondert der Gürtel Schleim ab und bildet
somit eine schützende Hülle, die wie eine Manschette den Körperabschnitt
umgibt. Nun windet sich der Regenwurm aus der Schleimhülle heraus,
dabei findet die Befruchtung statt.
Die Schleimhülle erhärtet an der Luft, sie wird zu einem Kokon.
In ihm befinden sich die befruchteten Eizellen.
Aus den befruchteten Eizellen entwickeln sich kleine Regenwürmer.
Die Entwicklungsdauer ist u. a. von der Bodentemperatur abhängig.
Sie dauert in unseren geografischen Breiten etwa drei bis vier Wochen.
Reaktion auf Umweltreize
Der Regenwurm reagiert auf Umwelteinflüsse. Er besitzt keine Augen.
Trotzdem kann er hell und dunkel unterscheiden. Verantwortlich dafür
sind lichtempfindliche Zellen, die über die gesamte Körperoberfläche
verteilt sind, am Kopfende jedoch besonders dicht beieinander liegen.
Diese lichtempfindlichen Zellen stehen mit dem Gehirn und dem Strickleiternervensystem
in Verbindung.
Sobald der Regenwurm tagsüber an die Erdoberfläche gelangt,
nehmen die Lichtsinneszellen die Lichtunterschiede wahr. Er kriecht wieder
ins Dunkle zurück. Der Regenwurm ist auch in der Lage, Berührungen
und Erschütterungen wahrzunehmen. Er zieht sich daraufhin ebenfalls
sofort in seine Erdröhre zurück.
Lebensraum
Der Lebensraum der Regenwürmer
ist der Boden. Sie leben in einem verzweigten Röhrensystem, das von
der Erdoberfläche bis in 2 Meter Tiefe reicht. Das Röhrensystem
wird ständig ausgebaut und erweitert, indem sich die Regenwürmer
regelrecht durch das Erdreich bohren und fressen.
Die neu entstandenen Gänge werden anschließend mit Schleim
und Kot ausgekleidet, so dass keine Erde nachrutschen kann. Dieses Röhrensystem
stellt somit ein ideales Bewässerungs- und Durchlüftungssystem
des Bodens dar. Die Regenwurmröhren erleichtern das Eindringen von
Regenwasser und Luft in den Erdboden.
Gleichzeitig bewirkt die Tätigkeit der Regenwürmer eine Auflockerung
des Bodens. Durch die Tätigkeit der Regenwürmer wird den Pflanzenwurzeln
das Eindringen ins Erdreich erleichtert.
Ernährung
Nachts ziehen Regenwürmer Blätter, Gräser oder abgestorbene
Pflanzenteile als Nahrung in ihre Erdröhre. Diese werden jedoch nicht
sofort gefressen, sondern erst wenn sie durch die Tätigkeit von Mikroorganismen
zersetzt sind. Die zersetzten Stoffe werden dann zusammen mit Erde durch
den zahnlosen Mund aufgenommen (heterotrophe
Ernährung).
Unverdaute Nahrungsreste und Mineralien findet man oft als kleine Kothäufchen
an der Erdoberfläche unmittelbar neben der Öffnung von Wurmröhren.
Auf diese Weise tragen Regenwürmer mit ihrem Kot zur Humusbildung
und Bodendurchmischung
und damit zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit bei.