












Im Nationalpark wechseln sich verschiedene Landschaftszonen
ab. Im Nordwesten reicht die Serengeti fast bis an den Victoria-See.
Dort gibt es ausgedehnte Busch- und
Baumsavannen, durchsetzt von großen Grassavannen
und Akazienwäldern. Im Süden
und Südosten sind die offenen, ins Unendliche scheinenden Grasflächen
("siringet"), vor allem Kurzgrassavannen,
charakteristisch. Im Südwesten gehen sie in die Langgrassavannen
über. Im Nordteil der Serengeti findet man Büsche und Bewaldungen,
das Land wird hügelig und grenzt an das Masai-Mara-Reservat (gehört
zu Kenia). Im Osten und Südosten geht die Serengeti in vulkanisches
Hochland über, dort befinden sich das geschützte Gebiet des
Ngorongoro-Kraters und das Loliondo-Überwachungsgebiet.
So liegt der Serengeti-Nationalpark auf einer Höhe zwischen 910 m
und 1820 m über dem Meeresspiegel.
Im Zentrum der Serengeti liegt die Akaziensavanne, im Tal des Flusses Seronera. Hier wurde 1962 ein Forschungsinstitut (Serengeti Research Institut) gegründet. In ihm werden seitdem weltweit anerkannte ökologische und ethnologische Forschungsarbeiten durchgeführt. Seronera ist auch Sitz der Hauptverwaltung des Nationalparks.
In Teilen des Nationalparks befinden sich auch Inselberge, Felseninseln,
die hier Kopjes genannt werden (Bild
4). Übersetzt bedeutet Kopje etwa "kleiner Kopf". Diese
aus Granit, Gneis oder Quarzit bestehenden kuppelartigen und reich zerklüfteten
Felsformationen sind meistens mit höheren Büschen und Bäumen
bewachsen. Sie sind für zahlreiche Tiere Schutz-, Wohn- und Ruheplatz.
Beispielsweise finden die possierlichen Klippschliefer
(Verwandte der Elefanten und Seekühe) in den Höhlen der Kopjes
Schutz vor ihren Feinden, z. B. den Leoparden und Schakalen. Löwenfamilien
liegen tagsüber träge und sich sonnend auf den Felsen. Die Kopjes
sind aber auch Lebensraum für die gewandten Klippspringer
(kleine, zierliche Antilopenart).
Auch zahlreichen Pflanzenarten, vor allem Kräutern und Büschen,
bieten die Kopjes ausreichende Lebensbedingungen und Schutz, z. B.
vor Wassermangel, zu langer Trockenheit und Sonneneinstrahlung.
Die Entwässerung der Serengeti erfolgt durch mehrere Flüsse, die ganzjährig Wasser führen, zum Victoria-See. Dies sind unter anderem die Flüsse Mara, Grumeti, Orangi, Seronera, und Mbalageti. Entlang der Flussläufe wächst dichter Galeriewald, ein schützender Lebensraum für viele Tiere.
Geografisch befindet sich die Serengeti
im Hochbecken von Uganda und Tansania,
worin auch der Victoria-, der Tanganjika- und der Malawisee liegen. Das
Hochbecken ist Teil des Zentralafrikanischen Grabens
und wird im Westen von dessen Steilstufe begrenzt. Im Osten steigt das
Hochbecken allmählich zum Ostafrikanischen Graben
an. Die Gräben sind durch abgesunkene oder herausgehobene und angekippte
Schollen entstanden und werden an ihren Rändern von Hochlandschwellen
flankiert. Als Begleiterscheinung dieser tertiären Bruchtektonik
sind zahlreiche vulkanische Deckenergüsse und Vulkane entstanden.
Sie befinden sich meist an den Schwellenrändern und in Gebieten der
stärksten Heraushebung und Zerstückelung. Im Bereich des Ostafrikanischen
Grabens sind dies u. a. die Vulkane Kenia, Kilimandscharo und Meru sowie
das Gebiet der Riesenkrater. Das Gebiet der Riesenkrater mit dem mächtigen
Ngorongoro Krater war früher der Serengeti zugeordnet. Um den Masai
zu ermöglichen, in ihrer völkischen Identität am angestammten
Platz zu leben, ist es 1956 zur "Conservation Area" erklärt
worden.
Im Untergrund und teilweise auch an der Oberfläche des Serengeti-Nationalparks
befinden sich größtenteils Tiefengesteine und metamorphe Gesteine
wie Granite und Gneise. Nur im Nordwesten, am Victoria-See, gibt es Sedimentgesteine
und im Südosten, auf der Hochlandschwelle am Ngorongoro-Krater,
sind Ausbruch- und Ergussgesteine wie Basalt, Tuff und vulkanische Asche
zu finden.
Die Tiere der Serengeti (Auswahl)
Weltweit bekannt ist die Serengeti für ihren Tierreichtum.
In ihr findet man die größte Konzentration von wildlebenden
Großsäugern,
zum Beispiel Gnus (ca. 1,6 Mio.),
Gazellen (ca. 250000), Zebras
(ca. 200000), Büffel (ca. 30000),
Antilopen (ca. 10000), Giraffen
(ca. 8000), Löwen (ca. 3000),
Elefanten (ca. 500), Hyänen
(ca. 3000-4000), Geparden (ca. 200-300),
Leoparden (ca. 500-1000).
Hinzu kommen kleinere Säugetierarten wie Dachse, Meerkatzen, Klippschliefer, Klippspringer, Paviane sowie über 400 Vogelarten, z. B. Strauße, Kronenkraniche, Helmperlhühner, Marabus, Webervögel.
Im Folgenden wird eine kleine Auswahl vorgestellt.
Steppen-Zebras
Das Steppen-Zebra lebt in
Familienverbänden mit
12-15 Mitgliedern, geführt von einer Leitstute und einem
Hengst. Es hat eine kleine, kräftige, pferdeähnliche Gestalt,
kleine Ohren, eine kurze Mähne und breite schwarze und weiße
Streifen. Beginnen in der Trockenzeit die Wanderungen, vereinigen sich
die Familieverbände zu großen Herden.
Weißbart-Gnus
Das Weißbart-Gnu vereint
in sich Merkmale der Antilopen, Rinder und Pferde. Es besitzt eine Rücken-
und Halsmähne, einen langen Schwanz, ein langes Gesicht mit stark
gebogenen Hörnern. Seinen Namen hat diese Gnuart von einem "weißen
Bart", lange weiße Haare am Hals hängend. Weißbart-Gnus
leben in großen Herden.
Thomson-Gazellen
Die sprunggewandte Thomson-Gazelle (Bild
7) ist schlank, langbeinig, auf dem Rücken hellbraun und am Bauch
weißlich. An jeder Seite besitzt sie einen breiten schwarzen Streifen
und unter dem sich ständig bewegenden Schwanz einen weißen
"Spiegel". Diese kleinen, bis 65 cm hoch werdenden flinken Gazellen
leben in Herden von bis zu 50 Tieren zusammen.
Kaffernbüffel
Der Kaffernbüffel lebt
in den Gras- und Buschsavannen. Trotz seiner untersetzten und großen
Gestalt (Bullen bis 900 kg, Kühe bis 600 kg) ist er wendig und schnell.
Seine mächtigen gebogenen Hörner sind für ihn ein wirksamer
Schutz gegen angreifende Feinde, z. B. Löwen. Die Büffel leben
in festen Gemeinschaften, in Herden. Diese können im Serengeti-Nationalpark
bis zu 350 Tiere umfassen.
Massai-Giraffen
Die Massai-Giraffe bevorzugt
Wald-Grasland und Buschsavannen. Durch ihre langen Beine und den langen
Hals sind die Giraffen die höchsten Tiere (bis zur Scheitelhöhe
ca. 5,6 m). Die drei Unterarten (Massai-Giraffe, Netz-Giraffe,
Rothschild-Giraffe) unterscheiden sich durch die spezifische Fellzeichnung.
Die Massai-Giraffe ist die in Ostafrika am häufigsten vorkommende
Art. Ihre am ganzen Körper vorhandenen dunklen Flecken sind unregelmäßig
durch Weiß begrenzt und erinnern in der Form an Weinlaub. Die Giraffen
leben in losen Verbänden von bis zu zwölf Tieren.
Afrikanische Elefanten
Der Afrikanische Elefant
lebt sowohl in den Gras- und Buschsavannen als auch in den offenen Baumsavannen
und Wäldern. Er kann bis zu sechs Tonnen schwer werden. Charakteristische
Merkmale sind ein langer Rüssel, zwei gebogene Stoßzähne
(obere Schneidezähne, je über 20 kg schwer) und große
Ohren (im Unterschied zum Indischen Elefanten, der kleine Ohren besitzt).
Afrikanische Elefanten sind gesellig und leben meist in kleinen Familienverbänden
von 10 bis 15 Tieren (Weibchen und Junge) zusammen. Angeführt wird
die Familie von der ältesten Elefantenkuh, sie gilt als Leitkuh.
Manchmal vereinigen sich Familien zu kleinen Herden. Der alte Bulle ist
oft Einzelgänger.
Kuhantilopen
Die braune (auf der Bauchseite auch heller gefärbte) Kuhantilope
besitzt einen ausgeprägten Schulterbuckel. Auf dem langen
Kopf sitzen kräftige, nach innen gebogene Hörner. Sie leben
in kleineren Gruppen von bis zu 15 Tieren zusammen.
Topis
Das Topi ist eine große
und kräftig gebaute Antilopenart mit deutlichem Schulterbuckel. Es
besitzt ein rotbraunes Fell mit dunklen Flecken auf dem länglichen
Gesicht und den Schenkeln. Die kräftigen Hörner stehen eng und
sind nach hinten einfach gebogen. Topis sind schnelle Läufer.
Tüpfelhyänen
Die Tüpfelhyäne (Bild 13)
hat einen kräftigen Körperbau, gut ausgebildete Sinnesorgane
und ein Raubtiergebiss. Ihr Fell ist dunkel gefleckt. Sie ist in der Savanne
und in der Nähe von Felseninseln (Kopjes) beheimatet. Meist leben
sie paarweise, gehen aber im Rudel gemeinsam auf Jagd. Sie sind Jäger
und Aasfresser, die sich auch von Beuteresten anderer Tiere ernähren.
Die große Tierwanderung ("Migration")
Bekannt wurde die Serengeti nicht nur wegen ihres riesigen Tierreichtums
(Studien schätzen eine Tierbevölkerung von etwa vier Millionen),
sondern auch wegen der alljährlichen Wanderung von hunderttausenden
von Weißbart-Gnus und Steppen-Zebras. Das faszinierendste und atemberaubendste
Naturschauspiel - die große Tierwanderung
("Migration") - wird bestimmt vom regelmäßigen
Wechsel zwischen Trockenzeit und Regenzeit (Bild 14).
In der Regenzeit (November bis Mai)
bevölkern hunderttausende Tiere die Savannen im Süden und Südosten
der Serengeti. Dort kommen auch im Februar, wenn alles ergrünt und
ausreichend Nahrung vorhanden ist, die Kälber zur Welt.
Im Mai/Juni, wenn die Trockenzeit (Juni
bis Oktober) beginnt und das Savannengras abgefressen ist, versammeln
sich vor allem die Gnus, Zebras, Gazellen und Antilopen. In riesigen Herden
vereint ziehen sie auf ihrer großen Wanderung nach Nordwesten zum
Victoria-See und nach Norden ins Masai-Mara-Reservat, wo sie die Landesgrenzen
zu Kenia überschreiten. Die Tiere ziehen immer dorthin, wo sie genügend
Nahrung finden.
Ab September/Oktober setzt die Rückwanderung
von Norden und Nordwesten ein. Die Gnus bilden kilometerlange Marschkolonnen,
die Zebras und Gazellen aufgelockerte Herden. Sie alle wandern zurück
in die Savannengebiete der Serengeti und bevölkern diese wieder zahlreich
ab November, dem Beginn der Regenzeit. Hier bleiben sie bis zum Mai des
darauffolgenden Jahres, um dann wiederum ihre große jährliche
Wanderung anzutreten.
Das Serengeti-Ökosystem
Der Serengeti-Nationalpark bildet das Zentrum eines riesigen Ökosystems
. Wie in vielen Nationalparks auf verschiedenen Kontinenten überschreiten
die Wildtiere bei ihren Wanderungen die engen Nationalparkgrenzen. So
geschieht es auch in der Serengeti. Die riesigen Herden ziehen jährlich
zweimal (bei ihrer Hinwanderung und bei der Rückwanderung) über
die Nationalparkgrenzen, im Nordwesten in tansanische Schutzgebiete und
im Norden nach Kenia und später wieder zurück.
Zahlreiche Wissenschaftler aus aller Welt kämpften um die Erweiterung
der Nationalparks, damit die Tiere ungestört ihre Wanderungen ausführen
können. Dabei haben sich zwei deutsche Wissenschaftler besonders
verdient gemacht, Prof. Dr. Dr. BERNHARD GRZIMEK
und sein Sohn MICHAEL GRZIMEK.
Bereits im Jahre 1957 wurden von ihnen aus der Luft die Tiere bei ihren
Wanderungen beobachtet und gezählt, um einen genauen Überblick
zu bekommen. Sie schrieben ihr weltberühmtes und später auch
verfilmtes Buch "Die Serengeti darf nicht sterben". Bei den
Dreharbeiten zu diesem Film verunglückte MICHAEL GRZIMEK mit seinem
Flugzeug tödlich (am 10. 01. 1959). Ihm und seinem Vater zum Gedenken
wurde am Rande des Riesenkraters Ngorongoro ein pyramidenförmiges,
kleines Denkmal errichtet.
Heute gehören zum Ökosystem der Serengeti mehrere angrenzende Schutzgebiete . Es sind im Süden und Südosten das Mazwa-Wildreservat (ca. 2200 km²) und das Ngorongoro-Schutzgebiet (ca. 8200 km²), im Nordwesten und Norden das Grumeti-Überwachungsgebiet (ca. 3000 km²), das Ikorongo-Überwachungsgebiet (ca. 3000 km²) und das Masai-Mara-Wildreservat in Kenia (ca. 1600 km²) sowie im Osten das Loliondo-Überwachungsgebiet (ca. 4000 km²). So umfasst das Serengeti-Ökosystem insgesamt eine geschützte Fläche von ca. 36800 km². Es ist damit weltweit ein einmaliges Paradies für Tiere.
Von vielen wird die Serengeti als schönstes Tierparadies der Erde
bezeichnet. Dies zu erhalten und zu schützen ist nur durch eine internationale
Zusammenarbeit möglich. So wurde 1981 die Serengeti von der UNESCO
zum Weltnaturerbe und zum Internationalen
Biosphärenreservat erklärt.