











Das Mongolische Becken erstreckt sich von Nordwest nach Südost über
2400 km und von Südwest nach Nordost über 1600 km. Durchschnittlich
liegt es 1580 m über dem Meeresspiegel. Der höchste Punkt mit
4374 m befindet sich im Nordwesten, es ist der Tawan Bogd Uul, der Grenzberg
auf dem Dreiländereck Russland, China, Mongolei. Der niedrigste
Punkt (552 m) befindet sich im Nordosten am Zufluss eines Endsees. Zwei
Drittel dieses großen Gebietes liegen außerhalb der Weltwasserscheide,
d. h., sie gehören zum zentralasiatischen Binnenentwässerungssystem.
Lediglich im Norden und Nordosten sind Selenga, Orchon, Onon und Kerulen
Nebenflüsse von Zubringern der Weltmeere.
Das Mongolische Becken ist auch der einzige Punkt auf der Welt, wo der
Dauerfrostboden am weitesten nach Süden und die außertropische
Wüste am weitesten nach
Norden vordringen, 47° nördlicher Breite (Ulan Bator /Budapest)
bzw. 50°30' nördlicher Breite (mittlere mongolische Nordgrenze/Prag).
Die Wüste Gobi - zentraler
Teil des Mongolischen Beckens
Die Wüste Gobi (mongolisch Gow
= "Wüste", chinesisch Hanhai = "trockenes Meer"
oder Schamo = "Sandwüste") bildet den zentralen Teil des
Mongolischen Beckens. Sie nimmt eine Fläche von ca. 2 Mio. km²
(5,6 mal so groß wie Deutschland) ein und liegt durchschnittlich
auf 1500 m Meereshöhe.
Das Innere der Gobi ist von eiszeitlichen (pleistozänen) Ablagerungen
bedeckt. In den Randgebieten, besonders im Norden, treten die Gesteine
des Untergrundes an die Oberfläche, die reich an Bodenschätzen
sind.
Im Norden der Gobi herrscht noch die Steppe
vor. Die Vegetation wird aber schnell dürftig, dass bald der Zustand
einer Halbwüste eintritt (Bild
3). Weiter südlich überwiegen dann die wüstenartigen Gebiete.
Eine gewisse Grenzfunktion zwischen Halbwüste und Wüste
nimmt der Gobi-Altai (3957 m) ein, der die Fortsetzung des Mongolischen
Altai darstellt. Im äußersten chinesischen Süden entstehen
wieder halbwüstenartige Verhältnisse.
Die Gobi hat strenges Kontinentalklima. Im Sommer herrschen große Trockenheit und Dürre bei Temperaturen um +35 °C. Die Winter sind sehr kalt und schneearm und haben Temperaturen bei -30 °C, maximal -49 °C. Der Jahresniederschlag bleibt unter 200 mm. Die Durchschnittstemperatur des wärmsten und kältesten Monats in Dalanzadgad, Hauptort des mongolischen Aimaks (Bezirk) Südgobi, ist z. B. 22 °C (Juli) bzw. -16 °C (Januar). Der Jahresniederschlag beträgt 152 mm. Davon fallen 125 mm in den Monaten Juni bis August.
In den Randgebieten der Gobi wurden in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts intensive Erkundungen durchgeführt. Dabei sind wertvolle Erze (u. a. Kupfer-, Blei-, Molybdän-, Eisen- und Golderz), Stein- und Braunkohlen sowie Erdöl entdeckt worden. Dies führte zur industriellen Entwicklung des sonst extensiv agrarischen Landes. In diesem Zusammenhang wurde auch die 1955 fertiggestellte Transmongolia gebaut, die die Gobi durchquert und auf kürzestem Wege Peking mit der Transsibirischen Eisenbahn verbindet. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde diese Entwicklung unterbrochen. Die Industrieanlagen sind weitgehend zerfallen. In jener Zeit wurden auch im Zentrum der Gobi eine Vielzahl von Brunnen gebohrt, die heute nur noch teilweise gewartet werden.
Die Wüste Gobi - Lebensraum
für Menschen und Tiere
Die Gobi ist sehr dünn besiedelt. Im Aimak Südgobi (165000 km²;
9,3 mal Fläche der neuen Bundesländer) beispielsweise leben
ca. 27000 Personen; das bedeutet: ein Mensch pro 6 km² Landesfläche.
Die Bewohner der Gobi sind Viehzüchter (Araten) mongolischer Abstammung,
die mit ihren Filzzelten (Jurten)
und Herden (Schafe, Ziegen, Kamele, Pferde) umherwandern. Die größte
Gefahr für diese nomadisierende Viehwirtschaft
sind kalte Winter mit viel Schnee bzw. mit hartgefrorener Schneedecke.
Dann können die Tiere die spärlich unter dem Schnee verbliebene
Nahrung mit den Hufen nicht mehr freischarren. Sie sterben dann in großer
Zahl. Die Natur gibt nicht her, dass größere Futterreserven
im Sommer angelegt werden können. Die letzte Katastrophe dieser Art
ereignete sich im Winter 2000/2001. Von den ca. 25 Mio. Stück Vieh
in der Mongolei, davon ca. 15 Mio. Schafe und 5 Mio. Ziegen, sind annähernd
5 Mio. Stück Vieh verendet. Und dies bei einer Bevölkerungszahl
von etwa 2,5 Millionen (2 Einw./km²).
Die traditionellen Jurten (mongolisch = "ger"), als vereinzelte, weiße Punkte in der unendlichen Weite erkennbar, sind seit Jahrhunderten die Wohn- und Lebensstätten der Mongolen in der Wüste Gobi und haben sich auch bewährt (Bild 4). Im Winter, mit getrocknetem Kot beheizt, sind sie warm und im Sommer, bei Luftzirkulation durch eine geringe Öffnung in der unteren Wandabdeckung, sind sie angenehm kühl. Sie werden aus einem auseinandergezogenen Scherengitter, das zum Kreis zusammengefasst die Wand bildet, errichtet . In der Mitte des Kreises tragen zwei erhöhte Pfosten eine Art gewölbtes "Wagenrad". Zu diesem werden fächerartig von der Umwandung Holzstangen gelegt. Auf das Gerüst kommen je nach Außentemperatur eine Anzahl von Filzbahnen übereinander, die mit Kalk, Knochenmehl oder weißer Erde aufgehellt wurden. Die Jurte wird dann mit weißem Leinentuch abgedeckt, das Seile aus Pferdehaar festhalten. Das "Wagenrad" erhält eine besondere Abdeckung, die mit Seilen nach Belieben geöffnet oder geschlossen werden kann, z. B. zur Be- und Entlüftung, bei Regen oder um das Eisenrohr des "Bullerjans", des Ofens, herauszuschieben.
An der Südseite der Jurte (heilige Richtung der Mongolen) ist in das Schärengitter eine buntbemalte Eingangstür (mehr eine Klappe) mit hoher Schwelle eingebunden. Auf diese Schwelle darf niemand treten, noch über sie stolpern. In alten Zeiten stand darauf sogar die Todesstrafe.Im Inneren der Jurte herrscht eine strenge Ordnung. Gegenüber dem Eingang, an der Nordseite, steht eine größere Truhe, die durch Teppiche gepolstert, auch als Sitzgelegenheit für Gäste benutzt wird. Im Osten steht das Bett der Hausfrau und im Westen das Bett des Hausherrn. Die Kinder schlafen in den Betten der Eltern oder auf dem Boden. Neben dem Eingang auf der Frauenseite befinden sich die Küchengeräte und die Vorräte .
Dabei dürfen airag (bei Russen und Turkvölkern Kumyß genannt), das ist vergorene Stutenmilch, bjaslag, das ist Weichkäse (für den Winter luftgetrocknet und beinhart heißt er aaruul) nicht fehlen sowie auch archi, ein aus Milch gewonnener klarer Hausbrand-Schnaps, und suutei tsai, grüner Ziegeltee (gepresste Stiele und Blätterreste der Teepflanze) mit Salz, Milch, etwas (ranziger) Butter oder Hammelfett versetzt.Die Herden der Viehzüchter sind
in der Gobi viel größer, als in dieser kargen Landschaft erwartet
wird. Schafe werden zur Fleisch- und Wollproduktion
gehalten; Hammelfleisch gehört zu den Hauptnahrungsmitteln. Ziegen,
vor allem die Kaschmir-Ziege, liefern das flaumig-seidige Haar für
die Herstellung von feinen Kaschmirprodukten.
Pferde dienen vorwiegend als Reittiere und werden teilweise auch
für den Einsatz in unwirtlichen Gegenden exportiert. Das mongolische
Pferd ist winterhart und von der Größe mit dem Pony vergleichbar.
Alle genannten Tierarten werden auch zur Gewinnung von Milch für
die Herstellung von Getränken, Butter und Käse herangezogen.
Zu diesem Zweck werden die weiblichen Tiere mehrmals am Tag gemolken,
die Stuten sogar 4- bis 7-mal.
Von den Kamelen dienen die Trampeltiere, im Gegensatz zum einhöckrigen
Dromedar, auch der Wollproduktion. Sie verlieren ihr Winterfell im Juni.
Das Kamelhaar schlabbert dann in großen Fetzen an ihrem Körper.
Ansonsten sind die Kamele recht schnelle Reittiere und das traditionelle
Transportmittel in der Gobi, mit denen auch Jurten und Gerätschaften
umgesetzt werden.
Der im Norden der Mongolei weit
verbreitete Yak, der bis auf Höhen von 5000 m geht, Steigungen von
75 % überwindet und Temperaturen bis -50 °C erträgt,
ist in der Gobi selten zu finden.
Im chinesischen Teil der Gobi ist das Land teilweise schon parzelliert.
Sesshaftigkeit ist bei den Viehzüchtern eingezogen. Dort gibt es
Koppelzäune und Lehmhütten.
Die Wüste Gobi und der Tourismus
In zunehmendem Maße wurde die Gobi auch für den Tourismus
erschlossen. Dies begann in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.
Von Ulan Bator fuhr man mit dem Jeep zum 500 km südlich gelegenen
Dalanzadgad oder flog mit einer kleinen Propellermaschine in die Gobi.
Die Maschine landete auf der betonhart getrockneten Naturfläche.
Kam Sturm, musste sie angepflockt werden, kam Regen, konnte sie tagelang
im Morast nicht starten. Von dort wurde 70 km nach Westen zu einem ersten
Jurtenlager für Ausländer gefahren: drei Schlaf-, eine Ess-
und eine Küchenjurte. In den 70er Jahren entstand das erste Camp
mit ca. 30 Jurten, eine große Prachtjurte für Versammlungen,
ein Versorgungsgebäude, Brunnen, Stromaggregate. Die Flugzeuge landeten
nun neben den Jurten. Heute gibt es ein zweites ähnlich großes
modernes Camp in der Nähe, das privat betrieben wird.
Verschiedene Exkursionen können vom Camp aus unternommen werden:
Die Wüste Gobi - Geburtsstätte
Dschingis Khans
Am nordöstlichen Rand der Gobi, in den Steppen zwischen Onon und
Kerulen (Bild 14), liegt das Stammgebiet DSCHINGIS
KHANS (1155 oder 1167 bis 1227). Sein eigentlicher Name ist TEMUDSCHIJN.
Er entstammt dem verarmten mittleren Adel und wuchs als Außenseiter
auf. Gerade seine Herkunft und Entwicklung dürften ihn zum charismatischen
Anführer gemacht haben, der bei den nomadisierenden zentralasiatischen
Stämmen eine neue politisch-militärische Ordnung einführte
und das größte Weltreich aller Zeiten schuf. Bis zum Jahre
1205, nach vielen Erfolgen und Rückschlägen, hatte TEMUDSCHIJN
alle tatarischen Stämme der Region unterworfen. Im Jahr darauf, er
war bereits 50 Jahre alt, hob ihn die Versammlung der Khane auf den
"weißen Filz der Ehre" und erklärte ihn zum Großkhan.
Dies geschah 1206 an der Quelle des Onon mit der Absicht, einen Ersten
unter Gleichen zu haben. TEMUDSCHIJN aber sah das anders.
Er nahm den Namen DSCHINGIS KHAN (der vom Himmel Gesandte) an und gab
seinen Stämmen als "vom Himmel auserwähltes Volk"
den Namen Mongolen (die Siegenden). DSCHINGIS
KHAN führte eine strenge Militärordnung mit Zehner-, Hundert-
und Tausendschaften ein, die von zuverlässigen Anführern befehligt
wurden. So entstand ein einheitliches gehorsames mongolisches Heer, von
schneller, beweglicher, leichter Reiterei.
Auch Rechtsnormen setzte er durch. Bei Todesstrafe durfte kein Mongole
einen anderen berauben, betrügen oder befeinden. Er selbst war tolerant
und fürsorglich gegenüber seinen Freunden und Gefolgsleuten,
aber brutal und grausam zu jedem, der sich ihm nicht unterordnete. Seine
Feinde soll er lebendigen Leibes in Kessel mit kochendem Wasser geworfen
haben.
Von DSCHINGS KHAN wurde auch
ein Verkehrs- und Nachrichtensystem geschaffen. Seine berühmten "Pfeilreiter",
bei häufigen Pferdewechsel auf den Pferden festgebunden, sollen 2000
km in sechs Tagen zurückgelegt haben.
Mehr von Zufällen ausgelöst als weitsichtig geplant, begannen
seine Feldzüge in alle Himmelsrichtungen,
die stets Raubfeldzüge waren. Es ging immer um Beute; Gefangene wurden
nicht gemacht. Wer nicht bereit war, für ihn zu kämpfen, wurde
getötet. An der Beute waren alle, auch die einfachen Soldaten beteiligt.
Das motivierte seine Krieger, erforderte aber immer neue Eroberungszüge.
Im Jahre 1225, ein Jahr vor der Einnahme von Tiflis, kehrte er in sein
Stammland zurück, wo er 1227 verstarb. Gut 20 Jahre hat er Weltgeschichte
geschrieben.
Sein Sohn ÖGEDEI führte den Feldzug nach Westen fort, bis er
1241 bei Liegnitz vernichtend geschlagen wurde. Unter ihm wurde Karakorum
Hauptstadt und Zentrum des Weltreiches. Zeitweilig sollen dort
tausende Gesandte akkreditiert gewesen sein. Die Karawanenwege führten
in Karakorum zusammen. Nach dem Tod ÖGEDEIS (1241) setzte bereits
der Zerfall des Imperiums in unabhängige
Teilreiche ein. Als sich
DSCHINGIS KHANS Enkel, KHUBLAI, ohne die Generalversammlung der Heerführer
und Gouverneure zu fragen, zum neuen Khan erklären ließ, war
das Auseinanderbrechen des Weltreiches nicht mehr aufzuhalten.
KHUBLAI KHAN verlegte die Hautstadt von Karakorum nach Peking. Dort ließ
er sich 1259 zum Kaiser von China proklamieren und begründete so
die Yuan-Dynastie. Er trat damit als "Sohn des Himmels" die
Nachfolge der Dynastien von drei Jahrtausenden an.
Nur gut 50 Jahre existierte das mongolische Weltreich; 100 Jahre später
zerfielen auch die mongolischen Einzelreiche. Mit kleinem mongolischem
Bevölkerungsanteil, ohne Staatsideologie und Verwaltungssystem konnten
keine Nachfolgereiche entstehen, die sich auf die frühere Weltmacht
beriefen.
So plötzlich wie das Weltreich des DSCHINGIS KHANS entstand, so schnell
war es auch wieder verschwunden.
Bis in die 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts existierte auch in der
Zeit der Volksrepublik der Name DSCHINGIS KHANS faktisch nicht; seine
Raubkriege waren verfemt. Jetzt feiert er eine Renaissance. Die Straße,
die vom Flughafen ins Zentrum von Ulan Bator führt, trägt heute
seinen Namen. Das modernste Hotel wurde nach ihm benannt. Gedenksteine
und -tafeln sind errichtet worden. Es gibt glorifizierende
Filme über ihn, und in Wohnungen und Jurten löst zunehmend sein
Bild das des Revolutionshelden von 1921, SUCHBAATAR, ab.