



Zunehmende Differenzierung bei Tieren
Die Progressionsreihe der Atmungsorgane
von Lurchen, Kriechtieren und Säugetieren zeigt eine zunehmende Vergrößerung
der für den Gasaustausch in der Lunge verfügbaren Fläche.
Diese Oberflächenvergrößerung wird durch zunehmende Ausbuchtung
und Auffaltung des Lungengewebes erreicht (Bild 2).
Was bei solchen Progressionsreihen oft übersehen wird, sind gewisse Aspekte, die nicht so schön ins Bild passen, z. B.:
Diese Tatsache passt deshalb nicht so recht in das Bild der Progressionsreihen,
weil man eine Abfolge Lurche , Kriechtiere, Vögel, Säugetiere
im Zuge der "Höherentwicklung" erwarten würde.
Zunehmende Zentralisierung der Nervensysteme
Ein klassisches Beispiel zur Verdeutlichung der Zentralisierung bieten
die Nervensysteme verschiedener
Tiergruppen. Während einfache Nervensysteme, z. B. das der Schwämme
oder des Süßwasserpolypen, kaum differenziert, sondern eher
netzartig aufgebaut sind, zeigen die Nervensysteme der Insekten
schon eine Differenzierung, sie besitzen ein Strickleiternervensystem.
Aufgrund der Lage auf der Bauchseite wird es als Bauchmark bezeichnet.
Dabei treten neben den Nervenverbindungen auch Nervenknoten auf, die im
Kopfbereich meist eine besonders deutliche Ausprägung in Form eines
großen Knotens (Oberschlundganglion) erfahren.
Eine noch stärkere Differenzierung findet man bei den Wirbeltieren,
z. B. Hund, Katze und dem Menschen, wo neben dem peripheren Nervensystem
ein Zentralnervensystem
(ZNS) existiert. Dieses Zentralnervensystem wird in Gehirn und Rückenmark
unterteilt. Diese Zentralisierung mit der weiteren Differenzierung des
Großhirns innerhalb der Wirbeltiere
und beim Menschen ist die Voraussetzung für die komplexen Lern- und
Gedächtnisleistungen der Tiere und des Menschen (Bild 3).
Differenzierung und Zentralisierung
des Blutgefäßsystems
Ein weiteres Beispiel für die Differenzierung und Zentralisierung,
verbunden mit einer Leistungssteigerung, veranschaulichen die Blutgefäßsysteme.
Bei zahlreichen wirbellosen Tieren, z. B. den Insekten und Weichtieren,
fließt das Blut, das aus dem einfach gebauten Herzen gepumpt wird,
nur eine kurze Strecke in einigen ableitenden Gefäßen, die
offen in Gewebsspalten enden. Das Blut strömt durch weitere Gewebsspalten
in den Körper und umfließt die Organe. Durch enge Gewebsspalten
fließt das Blut wieder zum Herzen zurück. Solch ein Kreislaufsystem
wird offenes Blutgefäßsystem
oder offener Blutkreislauf genannt (Bild 4).
Die Wirbeltiere und der Mensch haben ein geschlossenes Blutgefäßsystem, d. h. einen geschlossenen Blutkreislauf. Das vom Herzen angetriebene Blut fließt in Arterien in den Körper. Die Arterien verzweigen sich in feinste Blutkapillaren. In den Blutkapillaren erfolgt der Gasaustausch. Sie vereinigen sich zu Venen, die das Blut wieder dem Herzen zuführen. Das geschlossene Blutgefäßsystem ist also ein geschlossenes Röhrensystem, in dem das Blut kreist.
Der Blutkreislauf der Fische ist einfach. Das Herz besteht aus einem Vorhof und einer Herzkammer. Das sauerstoffarme und mit Kohlenstoffdioxid angereicherte Blut gelangt in der Körpervene zum Vorhof, anschließend in die Herzkammer. Diese pumpt das Blut in die Kiemen. Dort erfolgt der Gasaustausch. Das mit Sauerstoff angereicherte Blut strömt in der Körperarterie zu den Organen. Dort erfolgt wiederum der Gasaustausch. Das nun mit Kohlenstoffdioxid angereicherte Blut fließt in der Körpervene wieder zurück zum Herzen.
Die landlebenden Wirbeltiere, die Lurche, Kriechtiere, Vögel und Säugetiere sowie der Mensch, atmen durch Lungen. Es hat sich neben dem Körperkreislauf ein Lungenkreislauf herausgebildet. Deshalb wird gesagt, diese Lebewesen besitzen einen doppelten Blutkreislauf. Damit steht das aus zwei Hälften bestehende Herz in Beziehung. Aus der rechten Hälfte gelangt das Blut zur Lunge, aus der linken Hälfte in den Körper.
Bei den Lurchen (Amphibien) gibt es zwei Vorhöfe und nur eine Herzkammer. Das sauerstoffreiche Blut strömt aus der Lunge in die linke Vorkammer, von dort ins Herz. Das kohlenstoffdioxidreiche Blut gelangt aus dem Körper in die rechte Vorkammer, von dort ebenfalls ins Herz. In der ungeteilten Herzkammer findet eine Durchmischung des Blutes statt. In den Körper wird Mischblut gepumpt.
Bei den Kriechtieren (Reptilien) wird die Herzkammer teilweise in zwei Hälften getrennt (s. Bild). Dadurch wird die Durchmischung des Blutes eingeschränkt. Aus der Herzkammer entspringen drei Adern. Die rechte Ader führt mit Kohlenstoffdioxid angereichertes Blut zur Lunge, die linke Ader transportiert sauerstoffreiches Blut in den Körper. Sie vereinigt sich mit der mittleren Ader, die Mischblut enthält, zur Körperarterie.
Bei den Vögeln, Säugetieren
(s. Bild) und dem Menschen ist
das Herz vollständig in zwei Vorkammern und zwei Herzkammern getrennt.
Das aus der Lunge kommende sauerstoffreiche Blut und das mit Kohlenstoffdioxid
angereicherte Blut aus dem Körper vermischen sich nicht. Lungenkreislauf
und Körperkreislauf sind vollständig getrennt.
Aus der linken Herzkammer entspringt die Körperarterie, die den Körper
mit seinen Organen und Zellen mit Sauerstoff versorgt. Die rechte Herzkammer
pumpt das in der Körpervene aus dem Körper kommende kohlenstoffdioxidangereicherte
Blut zur Lunge. Dort erfolgt der Gasaustausch.
Differenzierung der Gewebe bei Moos-,
Farn- und Samenpflanzen
Auch innerhalb der Pflanzen ist eine Differenzierung und Zentralisierung
von Strukturen festzustellen.
Im Verlauf der Stammesgeschichte haben sich beispielsweise besondere Leitgewebe
mit auffälligen Zellelementen in den Sprossachsen höherer Pflanzen
herausgebildet.
Die Moose besitzen demgegenüber nur einen unzureichenden Verdunstungsschutz und kein oder nur schwach entwickeltes Leit- und Festigungsgewebe. In ihrem äußeren Bau sind sie in Moosblättchen, Moosstämmchen und Rhizoid gegliedert. Durch Moose werden überwiegend feuchte Standorte besiedelt.
Die Farnpflanzen und Samenpflanzen
weisen neben der Gliederung in die Grundorgane Blatt, Sprossachse und
Wurzel zunehmend differenzierte Abschlussgewebe, Wasseraufnahme- und Leitungsgewebe
sowie Festigungsgewebe auf.
Die Gewebe in den Sprossachsen der verschiedenen Pflanzengruppen sind
aber unterschiedlich stark differenziert (Bild 5).