


Eiweiß stellt das Grundgerüst jeder lebenden Zelle dar. Die Bezeichnung "Protein" stammt aus dem Griechischen, "protos" bedeutet "der Erste". Damit wird bereits auf die erstrangige Bedeutung der Eiweiße für unsere Ernährung hingewiesen. Tausende verschiedener Eiweißarten sind bekannt.
Aminosäuren sind die Bausteine alle Eiweiße. 20 Aminosäuren bilden durch vielfältige Verknüpfungsmöglichkeiten das Grundgerüst der Eiweiße. Einige Aminosäuren
kann der Mensch im Stoffwechsel selbst herstellen. Sie sind nicht lebensnotwendig ("nicht-essenziell").
Aber 8 Aminosäuren kann der menschliche Organismus nicht produzieren.
Sie müssen mit der Nahrung aufgenommen werden, denn sie sind lebensnotwendig
(essenziell).
Essenzielle Aminosäuren sind: Isoleucin,
Leucin, Lysin, Methionin, Valin, Threonin, Phenylalanin, Tryptophan. Daneben
ist die Aminosäure Histidin für den Säugling essenziell. Der junge Organismus kann sie nicht selbst herstellen.
Durch die jeweilige Kombinationsform ändert sich die Zusammensetzung des Eiweißes im menschlichen Organismus. Die entsprechende Struktur bzw. die Zusammensetzung hängt immer von der Aufgabe im menschlichen Organismus ab.
Eiweiß sollte nicht mit Eiklar, dem Weißen des Hühnereies, verwechselt werden. Eiklar besteht hauptsächlich aus Wasser, enthält aber auch Aminosäuren, Vitamine und Mineralien.
Eiweiß ist das Baumaterial
unseres Körpers. Muskeln, Blutkörperchen, Organe, Haut, die
Knorpel, Knochen und Sehnen, Hormone, Enzyme und Abwehrkörper bestehen
zum größten Teil aus Eiweiß. Dieses Körpereiweiß
wird ständig verändert. Der Körper baut fortwährend
Eiweiße auf, andere werden verändert oder zersetzt. Es kann nur sehr begrenzt gespeichert werden. Es gibt eine Aminosäurereserve
("Aminosäurenpool"), die beim Stoffwechsel anfällt.
Das sind aber nur höchstens 600 - 700 g. Eiweiß muss also
möglichst täglich durch die Nahrung
zugeführt werden. Wenn das nicht geschieht (z. B. bei extremen Diäten),
muss das Eiweiß von relativ unwesentlichen Bereichen des Organismus,
z. B. den Muskeln, abgezogen werden. Es wird dann für lebensnotwendigere
Bereiche, z. B. die Hormon-, Enzym- und Abwehrproduktion genutzt. Das bedeutet,
dass man Körpersubstanz verliert und die körperliche Leistungsfähigkeit
darunter leidet.
Über die Nahrung werden zwar Aminosäuren zum Aufbau von Eiweiß
geliefert. Dabei kommt es nicht auf die Gesamtmenge des gelieferten Eiweißes an,
sondern auf die Qualität, d. h. den Gehalt an essenziellen Aminosäuren. Diese befinden sich vor allem in tierischem
Eiweiß. Für den Menschen ist tierisches Eiweiß deshalb biologisch wertvoller
als pflanzliches Eiweiß.
Welche
Menge von diesen essenziellen Aminosäuren gebraucht wird, hängt
vom Lebensalter und von der Art der körperlichen Beanspruchung ab.
Das minderwertigere pflanzliche Eiweiß kann durch Kombination mit
tierischem Eiweiß aufgewertet werden. Die im Übermaß
vorhandenen essenziellen Aminosäuren im tierischen Eiweiß ergänzen
die fehlenden essenziellen Aminosäuren im pflanzlichen Eiweiß.
Die entstandene Kombination (z. B. Hühnereier und Kartoffeln) ist
ernährungsphysiologisch sehr wertvoll. Das sogenannte "Bauernfrühstück"
ist also durchaus geeignet, einen körperlich anstrengenden Tag zu
beginnen.
Die biologische Wertigkeit von Eiweiß
gibt an, wie viel Gramm körpereigenes Eiweiß durch 100 g Nahrungseiweiß
aufgebaut werden kann. Je hochwertiger also das zugeführte Eiweiß
ist, desto weniger davon wird benötigt, um seine Körpereiweiß-Bilanz
aufrechtzuerhalten. Durch die Kombination von tierischem mit pflanzlichem
Eiweiß können auch viel höhere biologische Wertigkeiten
erzielt werden, als dies durch ausschließlich tierische Eiweißzufuhr
möglich wäre.


Von Vorteil ist, dass nicht beide Bestandteile einer hochwertigen Kombination
gleichzeitig gegessen werden müssen. Eine entsprechende Nachspeise
oder Zwischenmahlzeit (z. B. nach einer Stunde) erbringt noch den gewünschten
Effekt.
Einen besonderen Stellenwert nehmen die Milch, ihre Produkte und auch
Eier in unserer Ernährung ein.
Mit einem Glas Milch zu jeder Mahlzeit lässt sich die Eiweißwertigkeit
einer Mahlzeit fast immer zusätzlich aufbessern.
Das Eiweißminimum für den
Menschen liegt bei ca. 30 g reinem Eiweiß am Tag. Liegt die Menge darunter, wird Körpersubstanz
abgebaut und es treten auf Dauer Mangelerscheinungen und damit Krankheiten
auf. Die empfohlene Eiweißzufuhr liegt bei 0,9 g pro Kilogramm Körpergewicht
am Tag. Säuglinge, Kinder, Jugendliche, aber auch alte Menschen benötigen
mehr Eiweiß.
Auch bei Sportlern ist eine höhere Eiweißzufuhr erforderlich.
Die größere körperliche Belastung führt zu einem
höheren Verschleiß von Eiweiß in den Muskelfasern, Knorpeln,
Enzymen und Hormonen. Das muss wieder ausgeglichen werden.
Kraftsportler benötigen noch erheblich mehr Eiweiß, (bis zu
4 g Eiweiß pro kg Körpergewicht am Tag). Durch ihr Krafttraining
werden Reize an das Wachstum der Muskulatur gesetzt. Ohne ausreichende
Eiweißzufuhr aber wachsen keine Muskeln.
Wird mehr Eiweiß als benötigt verzehrt, entsteht eine höhere
Belastung durch giftigen Stickstoff der beim Eiweißstoffwechsel
anfällt. Die Nieren müssen die Entgiftungsarbeit vollziehen.
Bei Veranlagung zu Nierenschwäche kann eine ständige Eiweiß-Überernährung
zu Nierenkrankheiten führen. Tierische Eiweißträger wie
Fleisch und Fleischprodukte enthalten oft auch reichlich Fett und können
so leicht zur überreichlichen Kalorienzufuhr beitragen.