



Jugend und Ausbildung
ERNST HAECKEL wurde am 16. Februar 1834 in Potsdam geboren. Seine
Jugend verbrachte er in Merseburg. Ein Privatlehrer führte ihn in
die Naturbetrachtung und Systematisierung ein. Bereits als Schüler
wurde HAECKEL durch die Schrift "Reise eines
Naturforschers" auf CHARLES
DARWIN (1809 – 1882) aufmerksam. Das Studium des Buchs "Die
Pflanze und ihr Leben" von MATTHIAS
JACOB SCHLEIDEN (1804 – 1881) erweckte in ihm den Wunsch, bei SCHLEIDEN
in Jena Botanik zu studieren. Doch auf Wunsch seines Vater studierte er
zunächst Medizin (1852 – 1858). Während dieser Studienzeit waren
bedeutende Wissenschaftler seine Lehrer, die einen großen Einfluss
auf ihn ausübten. Besonders RUDOLF
VIRCHOW (1821 – 1902) bestimmte mit seiner antivitalistischen Position HAECKELS
weitere philosophische Entwicklung. Er war es auch, der HAECKEL als Assistenten
an sein Institut holte. Seine Dissertation "Über
die Gewebe des Flusskrebses" vereidigte er 1857. In den darauffolgenden
Jahren unternahm er Studienreisen nach Italien und begann mit seinen Forschungen
an Radiolarien (Strahlentierchen).
Wissenschaftliche Tätigkeit
Von seiner Studienreise in Italien kehrte ERNST HAECKEL mit über
100 neu entdeckten Radiolarienarten zurück. Während der Erarbeitung
einer Monografie über die Radiolarien las er DARWINS Werk zur Deszendenztheorie.
Diese Theorie beeindruckte ihn tief und er versuchte, diese neuen Erkenntnisse
in seiner Monografie zu verarbeiten.
1861 erhielt HAECKEL eine Anstellung als Privatdozent in Jena, ein Jahr
darauf wurde er zum außerordentlichen Professor für Medizin
berufen. Gleichzeitig wurde er mit der Leitung des Zoologischen Museums
betraut.
In seinen Vorlesungen vertrat er konsequent den Darwinschen
Entwicklungsgedanken. Er ging sogar noch weiter und schloss auch die
Entstehung des Lebens und die Evolution
des Menschen in diese Entwicklungslehre mit ein.
DARWINS Evolutionstheorie ließ
ihn nicht mehr los. Er entwarf Stammbäume,
die mit den Protozoen begannen und bis hinauf zum Menschen führten.
Seine Theorie brachte ihm nicht nur Anerkennung, sondern auch den Hass
und Spott der Kirche und Ablehnung zahlreicher Fachkollegen ein. Das hinderte
ihn aber nicht daran, mit seinen Arbeiten fortzufahren.
1865 wurde HAECKEL Ordinarius für Zoologie an der Philosophischen
Fakultät Jena und gleichzeitig Direktor des Zoologischen Museums.
Damit war die Zoologie erstmals eine eigenständige Disziplin geworden
und unterstand nicht mehr der Medizin.
Sein wichtigstes Werk in dieser Zeit war eine ausführliche Bearbeitung
der Darwinschen Evolutionstheorie, welches 1866 unter dem Titel "Generelle
Morphologie der Organismen" (2 Bände) erschien. In diesem
Werk verifizierte er die Evolutionslehre
am Beispiel niederer Meerestiere. In diesem Jahr traf HAECKEL auf einer
Englandreise mit CHARLES DARWIN und HENRY HUXLEY zusammen. Eine geplante
englische Ausgabe von HAECKELS o.g. Werk kam aber nicht zustande.
Durchsetzung des Entwicklungsgedanken
HAECKEL war stets bemüht, den Evolutionsgedanken allen Menschen
nahezubringen. Deshalb hielt er u. a. sogenannte Darwinismus-Vorlesungen
im Wintersemester 1867/68. Diese Vorlesungen erschienen unter dem Titel
"Natürliche Schöpfungsgeschichte"
(1868). Hierin dehnte er die Evolutionslehre auf den Menschen aus und
widersprach damit der biblischen Schöpfungslehre. Die Entstehung
des Menschen wurde damit auf "natürliche" Weise erklärt.
1874 setzte sich HAECKEL in seinem Werk "Anthropogenie
oder Entwicklungsgeschichte des Menschen – gemeinverständliche Vorträge
über die Grundzüge der menschlichen Keimes- und Stammesgeschichte"
noch ausführlicher mit dieser Problematik auseinander. In diesem
Werk wandte er sich mit scharfen Worten gegen das religiöse Dogma
der Erschaffung des Menschen. Damit spitzte sich die Auseinandersetzung
zwischen HAECKEL und einigen Fachkollegen zu, die 1877 auf der 50. Versammlung
Deutscher Naturforscher und Ärzte ihren Höhepunkt erreichte.
Obwohl auch der große deutsche Gelehrte RUDOLF VIRCHOW entgegengesetzter
Auffassung war, erhöhte sich die Anhängerzahl HAECKELS. An seinem
50. Geburtstag war HAECKEL bereits Mitglied oder Ehrenmitglied von über
30 in- und ausländischen Akademien und naturwissenschaftlichen Gesellschaften.
Entwicklungsgedanke und Volk
HAECKEL forderte in zahlreichen Veranstaltungen und Vorträgen
die Einführung der Evolutionstheorie in den allgemeinbildenden Schulunterricht,
wogegen die kirchlichen und staatlichen Institutionen waren. Deshalb verfasste
er ein allgemeinverständliches Buch mit dem Namen "Die
Welträtsel" (1899). Es wurde in vielen Auflagen gedruckt
und erläuterte HAECKELS Ideen vom "Monismus", nach dem
sich das Universum selbstständig
aus einer Ursubstanz entwickelt hat.
HAECKEL liebte die kämpferische Auseinandersetzung mit seinen Gegnern
und scheute auch nicht die polemische Argumentation.
Zusammenfassung
Wie kein anderer hat HAECKEL die Lehre CHARLES DARWINS in Deutschland
verbreitet und weiter entwickelt. Deshalb wurde er auch der "deutsche
DARWIN" genannt. Als Naturforscher machte sich HAECKEL mit zoologischen
Studien einen Namen ("Kunstformen der Natur",
1899 – 1904), er war der erste, der Stammbäume für Tiergattungen
erstellte und den Begriff "Ökologie" für eine Wissenschaft
vom Naturhaushalt einführte.
ERNST HAECKEL starb als weltberühmter Gelehrter am 9. August 1919 in der Villa Medusa in Jena. Es ist heute das ERNST-HAECKEL-Museum.