






Neben dem Gewöhnlichen Delfin umfasst die Familie der Delfine u. a. den Schwertwal, den Grindwal, den Commerson-Delfin, den Großen Tümmler, sowie den Weißschnauzendelfin mitsamt seinen Verwandten. Diese Tiere zeichnen sich durch Schnelligkeit, Spielfreudigkeit und ein hohes Maß an Intelligenz aus.
Bestand
Der Gewöhnliche
Delfin (Delphinus delphis) ist einer der
am häufigsten vorkommenden Kleinwale auf der Erde. Trotzdem müssen
einige Populationen, die durch Fänge entsprechend dezimiert wurden,
als bedroht eingestuft werden, so z. B. die Bestände des Schwarzen
Meers, des Mittelmeers und des östlichen Pazifiks. Auch in Japan,
Norwegen und Südamerika wird der Gewöhnliche Delfin weiterhin
gefangen. Er wird dort sogar aktiv gejagt, weil er eine angebliche Konkurrenz
um die Fischbestände heraufbeschwört. Vor der japanischen Küste
werden beispielsweise jedes Jahr ganze Delfinschwärme an Land getrieben und
bestialisch abgeschlachtet. Walfleisch gilt in Japan auch heute noch als
eine hochbezahlte, begehrenswerte Delikatesse. Leider gerät vor allem
der Delfin sehr häufig z. B. beim Thunfischfang versehentlich in die
lebensbedrohlichen Fischernetze, wie Treibnetze oder die im tropischen
Ostpazifik durch Umkreisen von Delfinen eingesetzten Ringwadennetze. Dort
sind Gelbflossen-Thunfische mit Delfinen vergesellschaftet.
Körperform und Merkmale
Die meisten Delfine haben einen, langen, stromlinienförmigen Körper.
Sie sind grundsätzlich von runder, torpedoartiger Gestalt und elastischer
Körperbedeckung. Flussdelfine besitzen sogar Haare. Ein weiteres
Erkennungszeichen ist die stark gewölbte Stirn und bei den meisten
Arten ein schnabelförmiges Maul. Die Delfine gehören in der
Regel zu den kleinsten Walen. Mit Ausnahme des Schwertwals (Orkas),
der auf eine Länge von bis zu 9,7 m kommen kann und somit eindeutig der
größte Vertreter unter den Delfinen ist und im Gegensatz zu
den anderen Arten seiner Gruppe auch kein schnabelförmiges Maul besitzt.
Die Nasenöffnung liegt am oberen Ende des Kopfs.
Es gibt keine äußerlichen Hinterextremitäten, aber eine große, flache, horizontal verbreiterte Schwanzflosse, die der Fortbewegung dient. Die paarig angelegten Brustflossen dienen der Steuerung, und die senkrecht nach oben ragende Rückenflosse trägt zur Stabilisierung des Körpers im Wasser bei.
All diese Merkmale sind neben dem stromlinienförmigen Körper
charakteristisch für ein extrem an das Leben im Wasser angepasstes
Meeressäugetier.
Auch ihre glatte Haut trägt dazu bei, dass der Wasserwiderstand herabgesetzt
wird. Delfine sind daher in der Lage, bei der Fortbewegung im Meer auf
maximal 55 Stundenkilometer zu kommen.
Lebensweise
Delfine schwimmen sehr schnell und jagen meist in geringen Tauchtiefen,
wobei sie mehrmals pro Minute an die Wasseroberfläche kommen, um
Luft zu holen. Sie bevorzugen als Nahrung vorwiegend mittelgroße
Fische (u. a. Fliegende Fische). Ausnahmen bilden z. B. die Rundkopfdelfine,
sie jagen hauptsächlich Kalmare, dabei handelt es sich um zehnarmige
Kopffüßer. Oder aber der Schwertwal, der als aggressiver Räuber
auch Seelöwen, Vögel und andere Wale auf seinem Speiseplan hat.
Delfine gelten als sehr gesellig, leben in Gruppen ("Schulen")
von 20 bis zu mehreren 100 Tieren zusammen, und die Gruppen, in denen sie
zusammen leben, unterliegen einer klaren Rangordnungsstruktur. In freier
Wildbahn sind diese Wale sehr aktiv und verspielt, oft begleiten sie Schiffe
über weite Strecken und reiten stundenlang auf den durch die Schiffe
verursachten Bugwellen. In Gefangenschaft sind diese Tiere sehr schwierig
zu halten.
Fortpflanzung
Die Tragzeit beträgt bei Delfinen 9-16 Monate. Die
Jungtiere werden mit 75-100 cm Länge geboren. Bei den Grindwalen
z. B. beträgt die Tragzeit für ein Jungtier tatsächlich
16 Monate und das Kalb wird ein ganzes Jahr lang von der Mutter gesäugt.
Männchen und Weibchen sind bei den Delfinen nur sehr schwer auseinanderzuhalten. Eigentlich kann man das Geschlecht nur eindeutig erkennen, wenn man ihre Unterseite sehen kann. Das Weibchen hat die Afteröffnung direkt am Genitalschlitz und neben dem Genitalschlitz sind dann auch die beiden Zitzen zum Säugen zu finden. Beim Männchen dagegen ist die Afteröffnung weiter vom Genitalschlitz entfernt.
Atmung
Bei allen Walen läuft die Atmung
grundsätzlich gleich ab. Die Blaslöcher öffnen sich, ein
explosionsartiges Ausatmen mit sofortigem Einatmen folgt und die Blaslöcher
schließen sich wieder. Der ganze Vorgang dauert bei Walen, die häufig
für sehr kurze Zeit auftauchen, weniger als eine halbe Sekunde. Atmen
stellt für die Tieftaucher immer eine Einschränkung ihrer Aktivitäten
dar. Delfine atmen nicht so häufig wie Menschen oder andere landbewohnende
Säugetiere. Allerdings bedeutet das nicht, dass sie weniger Sauerstoff
aufnehmen können, denn der Anteil des ausgetauschten Gases am Lungenvolumen
ist mit etwa 80-90 % viel größer als die 15 % beim Menschen.
Außerdem ist die Ausnutzung des Sauerstoffs in den Lungen sicher
besser als beim Menschen. So enthält die nach längerem Atemanhalten
ausgeatmete Luft eines Großen Tümmlers weniger als 1,5 % Sauerstoff.
Der Blas, so nennt man die Fontäne eines Wals, ist ein fesselndes Merkmal der Wale. Sie ist von Art zu Art unterschiedlich in Größe, Aussehen und Sichtbarkeit und somit für den Walbeobachter ein gutes Unterscheidungs- bzw. Erkennungsmerkmal für die Beurteilung, um welchen Wal es sich tatsächlich handelt. Der Blas eines Blauwals steigt z. B. blitzschnell als 9 m hohe, dünne Säule rauchähnlichen Dampfs auf. Im Gegensatz dazu ist der Blas von Delfinen klein. Ist die Luft warm, kann man ihn kaum sehen. Die Ursache des Sichtbarwerdens des Blases ist noch umstritten. Er enthält in jedem Fall Wasserdampf, der in der kalten Luft kondensiert und eventuell eine geringe Menge Seewasser, das sich im Blasloch angesammelt hat. Es wird auch vermutet, dass der Blas kleinste Tropfen von Öl oder Fett enthalten könnte.
Sehen und Hören
Das Sehvermögen spielt bei den Walen eine viel geringere Rolle als
für die meisten Landtiere. Denn die Intensität des Sonnenlichts
nimmt mit zunehmender Wassertiefe rapide ab. Unterhalb 400 m herrscht
auch in klaren Gewässern kein Licht mehr, in trüben, nährstoffreichen
Gewässern sogar noch früher. Wahrscheinlich verlassen sich Wale,
die unterhalb einer Wassertiefe von 500 m nach Nahrung suchen, auf die
Fähigkeiten ihres Echolotsystems.
In den oberen Wasserschichten, wo noch Licht eindringt, scheinen sich
alle Wale optisch zu orientieren. Durch die große Elastizität
der Linse hat sich das Walauge daran angepasst, sowohl in Luft als auch
im Wasser gut zu funktionieren. Der Gesichtssinn wird vor allem zur Herstellung
von Kontakten zu Artgenossen, zur Untersuchung des unmittelbaren Lebensraums
sowie zur Identifizierung von ungewöhnlichen Objekten, wie etwa Schiffen
oder auch Feinden, eingesetzt.
Die Ohren der Delfine sind sehr gut an das Leben im Wasser angepasst. Die äußeren Ohren verschwanden vor sehr langer Zeit. Die kleine Öffnung, die zum inneren Ohr führt, erkennt man nur als winzig kleines Loch gleich hinter den Augen. Das Innenohr mit dem eigentlichen Hörorgan, der Schnecke (Cochlea), ist vom Schädel durch schaumgefüllte Hohlräume akustisch völlig isoliert. Ohne diese akustische Isolierung könnten Wale die Richtung eines aufgenommenen Schalles nicht orten. Das kommt daher, weil Schallwellen im Wasser direkt durch die Schädelknochen eines Säugetiers hindurchgehen. In der Luft ist dies nicht der Fall, hier werden die Hauptanteile vom Schädel zurückgeworfen. Der die Schnecke umgebende Schaum behält seine akustischen Isoliereigenschaften bis zu einem Druck von 100 Atmosphären (das entspricht einer Tauchtiefe von 1 000 m). Deshalb kann ein Wal sogar bei einem tiefen Tauchgang die Richtung des Schalls orten.
Ultraschall-Orientierung
Alle Zahnwale erhöhen den Anteil an Lautinformationen, den sie aus
der Umwelt erhalten, durch die Anwendung eines Echolotsystems. Dieses
Echolotsystem ist von den Fledermäusen
bekannt. Das Prinzip dieses Sonarsystems
besteht darin, dass Klicklaute vom Tier ausgesendet werden, die von jedem
Objekt zurückgeworfen und vom Wal als Echo
aufgenommen werden. Dieses Echo informiert über Art, Form und Beschaffenheit
eines Objekts und auch darüber, in welcher Weise es sich bewegt.
Der Zeitraum zwischen Aussenden des Signals und Empfangen seines Echos
gibt Auskunft über die Entfernung des Objekts zum Wal.
Dieser außergewöhnliche Sinn ermöglicht es dem Wal schnell
schwimmende Beute in absoluter Dunkelheit zu orten, zu verfolgen und zu
fangen. In einem Bassin kann ein blinder Delfin nicht nur schwimmen, ohne
irgendwo anzustoßen, er kann auch dressiert werden, aus einer Entfernung
von mehreren Metern zwischen verschieden großen Bällen oder
hohlen und soliden Kugeln gleicher Größe zu unterscheiden.
Das gleiche Prinzip wendet man übrigens bei den Echolot-Einrichtungen
auf Schiffen an, um z. B. Unterseeboote zu orten. In diesem Zusammenhang
sollte kritisch darauf hingewiesen werden, dass Hirnforschung an Delfinen
im Dienste des Militärs durchgeführt wird. Aufgrund ihres spezialisierten
Sonarsystems werden dressierte Delfine eingesetzt, um Minen o. Ä.
aufzuspüren. Gehirne von Delfinen und mittlerweile auch von Fledermäusen
werden untersucht, um die Fähigkeiten der Tiere technisch nachbilden
zu können. Mit den gewonnenen Daten werden Rechner gespeist, um die
Aktivität der Nervenzellen im Gehirn der Delfine oder Fledermäuse
zu simulieren. Diese neuronalen Netze sind sozusagen lernfähige Rechnerarchitekturen,
die in gewisser Weise durchaus an Nervennetze von Gehirnen erinnern und
die in der Lage sind, Muster wiederzuerkennen, wie z. B. das Spektrum einer
Mine im Echo eines Sonars.
Die Klicklaute im Rahmen der Echoorientierung unterscheiden sich von
den Lauten, die Delfine zur Kommunikation
mit Artgenossen einsetzen. Die typischen Klicklaute sind sehr kurz (kürzer
als 1 Millisekunde) und werden viele Male pro Sekunde wiederholt. Die
Sequenz hört sich für das menschliche Ohr manchmal wie das Knarren
einer Tür an.
In etwa der gleichen Weise, wie der Mensch beispielsweise den Lichtkegel einer Taschenlampe oder eines Blitzlichts auf ein Objekt richtet, das er bei Nacht sehen will, können Wale ihre Ultraschall-Orientierungslaute bündeln und auf ein Objekt ausrichten. Dies bewirkt ein stärkeres Signal, das über sehr große Entfernungen funktioniert. Hierin stimmen viele Walforscher überein, doch wie die Klänge erzeugt und wie sie gebündelt werden, darüber gibt es noch Unstimmigkeiten.
(Für die Entstehung dieses Artikels bedankt sich die Redaktion bei
Andrea und Wilfried Steffen sowie bei der Gesellschaft zur Rettung der
Delphine e.V.).