Der Name Ginkgo kommt von den japanischen
Zeichen für Silber (Gin) und Aprikose (Kyo). Die mirabellengrossen
Samen besitzen eine gelbsilbrige Samenhülle und erinnern vermutlich
durch ihr Aussehen an eine Art "Silberaprikose". Die Herbstfärbung
der Ginkgoblätter ist auch sehr schön.
Der Ginkgobaum sieht auf den ersten Blick aus wie ein Laubbaum, doch
er gehört zu den Nadelbäumen
(Koniferen). Seine flachen, fächerförmigen
Blätter haben keine Mittelrippe und keine Queradern. Vor mehr als
100 Millionen Jahren war er auch in Mitteleuropa ein ganz gewöhnlicher
und weit verbreiteter Baum. Als Kulturpflanze wurde er nur in China
und Japan vor dem Aussterben bewahrt. Seine "primitive" Stellung
im Pflanzenreich zeigt seine Art der Befruchtung: Er entwickelt Spermatozoiden,
d. h. sich aktiv bewegende Spermazellen, die schwimmend die Eizelle
erreichen und dann mit dieser verschmelzen.
In Europa wird er vor allem wegen seiner Resistenz gegenüber Schadstoffen
und wegen seiner allgemeinen Robustheit, z. B. auch gegen schlechte
Wetterverhältnisse als Parkbaum geschätzt. Nach Europa kamen
die ersten Exemplare des ungewöhnlichen Baumes Mitte des 18. Jahrhunderts.
Bekanntheit hat er aber auch als Heilpflanze
erlangt, seine Wirkung wird mittlerweile auch in der europäischen
Schulmedizin geschätzt. Vor allem wird er in der Homöopathie
verwendet, denn seine Inhaltsstoffe wirken gefäßerweiternd
und steigern die Durchblutung in peripheren Arterien, besonders in den
Beinen. Deshalb nutzt man bei arterieller Mangeldurchblutung, z. B.
in den Beinen, bei Krampfadern, Raucherbein, aber auch bei Schwindelerscheinungen
bei älteren Menschen, die Wirkung der extrahierten Inhaltsstoffe.
Auch bei Störungen der Hirnleistung, etwa Vergesslichkeit, und
bei Gefäßverengung kann erfolgreich Abhilfe geschaffen werden.
In der chinesischen Medizin wird der Gingkobaum bereits seit Jahrhunderten
auf vielfältige Weise für die Heilung von Krankheiten eingesetzt:
Extrakte von Nüssen und Samen des Gingkobaums werden bei Erkrankungen
der Atemwege, des Unterleibs und der Verdauung angewendet. Auszüge
der Blätter helfen bei Wunden, Hautflecken und sogar bei Frostbeulen.
Pflanzliche Wirkstoffe des Ginkgos sind u. a. Ginkgolide, Bilobalid,
Flavonoide, Glykoside, Flavonoidglykosidcumarylester, Biflavone, Terpene,
Terpenlactone, Procyanidine.
In Japan ranken sich viele Sagen um den Ginkgobaum. Dort wird er als
Symbol des Lebens, für das Überleben verehrt. Denn nach der
verheerenden Atombombenexplosion in Hiroshima 1945 war alles Leben erloschen.
Aber im Frühjahr 1946 trieb aus einem schwarz verkohlten Baumstumpf
neues Grün. Heute kann man an der Stelle einen stattlichen Ginkgobaum
bewundern.
Übrigens: Schon JOHANN WOLFGANG VON GOETHE (1749-1832) war von dem Ginkgobaum fasziniert und hat den Ginkgo auf ewig literarisch in seinem Gedicht "Ginkgo biloba" (1815) verewigt:
Ginkgo biloba
Dieses Baumes Blatt, der von Osten
Einem Garten anvertraut,
Giebt geheimen Sinn zu kosten
Wie' s den Wissenden erbaut.
Ist es Ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt,
sind es zwey die sich erlesen,
Daß man sie als Eines kennt.
Solche Frage zu erwiedern
Fand ich wohl den rechten Sinn,
Fühlst du nicht an meinen Liedern
Daß ich Eins und doppelt bin?
Er sandte dieses mit Ginkgoblättern verzierte Gedicht an MARIANNE
VON WILLEMER (1784-1860) und begründete damit eine eigenartige
Tradition:
Zur Freude der Juweliere schenken literarisch gebildete junge Männer
seit der Existenz dieses Gedichts ihren Herzensdamen eine Ginkgo-Blatt-Brosche.