








Der Begriff "Drogenabhängigkeit" wurde 1964 von der Weltgesundheitsorganisation
(WHO) für alle Arten von Drogensucht und -gewöhnung vorgeschlagen.
Rauschdrogen wirken über definierte Rezeptoren bzw. Überträgersubstanzen (Neurotransmitter) im Gehirn. Die Bewusstseinsveränderung kann sich z. B. als körperliches Wohlbefinden (Euphorie) oder als Veränderungen der Wahrnehmung, der Wachheit oder des Erinnerungsvermögens äußern. Ebenso werden physiologische Reaktionen beeinflusst (z. B. Appetitsteigerung durch Haschisch).
| Illegale Rauschgifte bzw. Rauschdrogen mit einem hohen Potenzial für Sucht oder Abhängigkeit lassen sich z. B. einteilen in: | |
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1.
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"klassische" Drogen natürlicher Herkunft (z. B. Kokain, Koffein, Haschisch, Opium) und |
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2.
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halb- bzw. vollsynthetische Drogen (z. B. Amphetamine, Barbiturate, Crack, Ecstasy, Heroin, Lysergsäurediethylamid [Abk. LSD], Phencyclidin). |
Andere Klassifizierungen unterscheiden auch nach physikalischen oder chemischen Eigenschaften. Nach ihrer Wirkung unterscheidet man Euphorika, welche unbegründete Euphoriegefühle (Glücks- und Begeisterungsgefühle) auslösen und Halluzinogene, die Halluzinationen (Wahrnehmungsstörungen, Trugbilder) hervorrufen.
Euphorika
Zu den Euphorika gehören die Opiate (z. B. Opium, Morphium,
Heroin) und Kokain.
Die Einnahme von Drogen hat sehr lange Tradition sowohl bei den Naturvölkern
wie auch in den Industriegesellschaften.
Beispiele hierfür sollen bei der Besprechung der einzelnen illegalen
Drogen aufgeführt werden.
Opiate
Während Opium (griech. opion = Mohnsaft)
seit über 6 000 Jahren aus dem Saft der Schlafmohnkapseln gewonnen
wurde, ist Morphium die in modernen Laboratorien extrahierte und angereicherte
Variante. Die hochkonzentrierte Form des Morphiums ist Heroin. Opiate
wurden und werden als "Mohnmilch" getrunken, als Pillen geschluckt,
geraucht und/oder gespritzt.
Opiate wirken auf spezifische Rezeptoren der Synapsenmembran und können
so die Erregungsübertragung verändern. Sie wirken bereits in
sehr geringen Konzentrationen und unterdrücken den diffusen, dumpfen,
mehr chronischen und nicht lokalisierbaren Schmerz. Daneben reduzieren
sie die geistige Aktivität, beseitigen Konflikt- und Angstgefühle,
erhöhen die Stimmungslage, hemmen das Atem- und Hustenzentrum und
führen bei wiederholter Anwendung zu Toleranzentwicklung, das heißt,
für die Bildung des Ausgangseffektes ist dann eine Dosiserhöhung
erforderlich.
Der Nachweis spezieller Opiat-Rezeptoren im menschlichen Gehirn gelang
1973 mithilfe radiomarkierter Opiate.
Durch Opiate wird u. a. die Empfindlichkeit der Zellen gegenüber Übertragungsstoffen
beeinflusst. So hemmt Morphin
die Serotoninwirkung auf die Zellen. Der Organismus gleicht den Mangel
bzw. Verlust durch Erhöhung der Serotonin-Bindungsstellen und verstärkte
Serotoninbildung aus.
Bei Entzug fällt wiederum die Hemmung der Serotoninwirkung weg, die
zellphysiologischen Veränderungen bleiben aber bestehen und führen
zu typischen Entzugsbeschwerden, z. B. verstärkter Muskelkontraktion
und Krämpfen. Diese werden durch die verstärkte und überdosierte
Abgabe von Serotonin an die Muskelzellen bewirkt. Außerdem werden
Schlafrhythmus, Sexualtrieb und die Temperatur des Körpers negativ
beeinflusst.
Warum besitzen manche Zellen Opiatrezeptoren?
Diese Frage wurde 1975 erfolgreich beantwortet, als die Isolierung opiatartiger
Substanzen aus Schweinegehirnen gelang. Opiatrezeptoren sind beim Menschen
besonders in Bereichen lokalisiert, in denen Schmerz oder Gefühlsregungen
wahrgenommen werden.
Körpereigene Opiate bezeichnet man als Endorphine,
sie werden in Extremsituationen vom Organismus hergestellt und reagieren
mit den Opiatrezeptoren in den Schmerzzentren. Unter extremen Belastungen
des Körpers und damit verstärkter Bildung von Endorphinen werden
euphorische Empfindungen ausgelöst. Die körpereigenen Opiate
(Endorphine) vermindern so das Schmerzempfinden und verschaffen den Betroffenen
Entlastung bei entsprechenden Verletzungen oder Krankheiten.
Heroin
Heroin wird von Süchtigen
meist gespritzt. Aufgrund seiner guten Fettlöslichkeit kann es leicht
die Blut-Hirn-Schranke passieren und reichert sich dann im Gehirn an.
Im Körper wird Heroin wieder in Morphin umgewandelt. Der rasante
Konzentrationsanstieg führt zu dem sog. "Kick", einem Glücksgefühl,
das sehr schnell zu körperlicher Abhängigkeit (Drogenabhängigkeit)
führt (schon 1 – 2 Spritzen reichen aus, um einen Menschen süchtig
zu machen). Abstinenz führt zu starken Entzugserscheinungen wie Schwindel,
Durchfall, Erbrechen, Schweißausbrüchen, Schlaflosigkeit und
Schmerzen. Die Folgen des Heroinmissbrauchs sind vielfältige gesundheitliche
Schäden sowie schwere psychische und soziale Probleme, die vielfach
in die Kriminalität führen (zur Beschaffung der Droge) und nicht
selten durch eine Überdosis Heroin tödlich enden. Der Tod tritt
durch Hirnschwellung, Blutstauungen in der Lunge und Atemstillstand ein.
Kokain
Kokain wird aus den Blättern des Coca-Strauchs gewonnen.
Er wächst in Peru, Kolumbien, Ecuador und Bolivien, v. a. in den Anden
und am Amazonasbecken. Er wird heute auch in Indien, Sri Lanka und Java
angebaut. Die bis 5 m hohe Pflanze mit rötlicher Rinde, spatelförmigen,
wechselständigen Blättern kann bis 4-mal im Jahr beerntet werden.
Kokain ist ein suchterzeugendes Rausch- und Betäubungsmittel, welches Enthemmung, Euphorie und Halluzinationen hervorruft und das außerdem leistungssteigernd, blutgefäßverengend und auf das menschliche Hungerzentrum betäubend wirkt. Es führt zur verstärkten Adrenalinfreisetzung in den Nervenfasern, zur Sympathikusreizung und Anreicherung von Serotonin in den Gehirnzellen. Übererregbarkeit, Erhöhung der Herzschlagfrequenz, Selbstüberschätzung und Hemmungslosigkeit sind die Folge. Regelmäßiger Kokainkonsum führt zu Schlaf- und Appetitlosigkeit und kann neben sozialen und gesundheitlichen Folgen das plötzliche Auftreten psychotischer Verhaltensstörungen und einen Verlust der Persönlichkeit verursachen, da langer Kokain-Missbrauch zur irreversiblen Schädigung der Hirnzellen führt.
Die Wirkungen von Kokain sind seit ca. 5 000 Jahren bekannt. Die ursprünglichste Form der Aufnahme durch südamerikanische Bauern ist das Zerkauen der Cocablätter, wobei das Kokain freigesetzt und dadurch Hunger, Durst und Müdigkeit gedämpft wurden. Die derzeit verbreitetste Einnahmeform des häufig gestreckten Kokains ist das Schnupfen.
Kokain ist ein Alkaloid, dessen Reindarstellung 1855 gelang.
Im 1. Weltkrieg wurde vielen Soldaten dieses Rauschmittel verabreicht,
um ihre Angst vor dem Kampf zu nehmen und die Einsatzbereitschaft zu steigern.
In den Jahren um 1920 und 1970 war das Schnupfen von Kokain "schick".
Es wurde nicht genügend geahndet und hat seit 1980 wieder gefährliche
Bedeutung erhalten.
Crack
Crack ist eine basische Variante
des Kokains und entsteht u. a. durch Mixtur aus Backpulver und Wasser. Crack
wird meist mittels spezieller Pfeifen geraucht und gelangt so in wenigen
Sekunden über die Blut-Hirn-Schranke in das Zentralnervensystem.
Der schnelle, heftige Wirkungseintritt kann zu Störungen des Herz-Kreislauf-Systems
bis hin zum tödlichen Kollaps führen (weitere Nebenwirkungen
vgl. Kokain). Charakteristisch für Crack ist die schnell einsetzende,
starke psychische Abhängigkeit, d. h. diese Droge besitzt ein hohes
Suchtpotenzial.
Halluzinogene
Halluzinogene sind eine Gruppe von Rauschgiften, die in nicht giftigen
Dosen Veränderungen in der Wahrnehmung, im Bewusstsein und in der
Gemütslage hervorrufen. Sie führen zu visuellen Illusionen und
gefährlichen "Horrortrips", bei denen es aufgrund eines
Kontrollverlustes zu Handlungen mit Fremd- oder Eigengefährdung kommen
kann. Zu den Halluzinogenen (Halluzinationen auslösende Stoffe)
gehören Meskalin, Psilocybin und Haschisch mit natürlichem Ursprung
sowie das künstlich hergestellte LSD.
Halluzinogene wirken meist auf die Serotonin-Übertragung im ZNS, vor allem in der Großhirnrinde.
Meskalin ist ein Alkaloid, das aus dem Peyote-Kaktus Mexikos gewonnen wird oder aber synthetisch hergestellt werden kann. Es wurde häufig bei rituellen Treffen der Indianer konsumiert, führte zu Halluzinationen und half damit z. B. grausame Anforderungen zu bestehen. Als Nebenwirkungen des Meskalin-Genusses werden u. a. Erbrechen, Durchfall sowie eine Blutdrucksteigerung mit erhöhter Herzschlagfrequenz, Muskelverspannungen, Pupillenerweiterung und erhöhte Körpertemperatur beobachtet. In Deutschland wurde Meskalin durch LSD verdrängt.
Psilocybin wird aus den mexikanischen
Pilzen der Gattung Psilocybe gewonnen. Ein weiterer Inhaltstoff ist Psilocin.
Die Pilze dienten den Indianervölkern als Halluzinogen für Heilerinnen
und wurden bei religiösen Zeremonien konsumiert. Ihre Wirkungen beruhen
auf dem Prinzip einer Pilzvergiftung und gleichen den halluzinogenen Folgen
bei der Einnahme von LSD, sie weisen jedoch eine geringere Intensität
auf.
Cannabis
Cannabisgewächse gehören zur Familie der Brennnesselartigen.
Cannabis stammt ursprünglich
aus Zentralasien und ist heute über alle gemäßigten und
subtropischen Zonen verbreitet. Die einzige noch lebende Art ist der Gewöhnliche
Hanf (Cannabis sativa). Eine als Indischer
Hanf (Cannabis sativa ssp. indica) bezeichnete
Unterart dient in erster Linie zur Gewinnung der Rauschdrogen Haschisch
(Hanfharz) und Marihuana (getrocknete Blüten- und Blätterteile),
die geraucht, gegessen oder getrunken werden. Sie erzeugen je nach Zustand
und Persönlichkeit des Konsumenten Apathie, Euphorie, Halluzinationen
oder Erregungszustände und verändern das Hunger- und Zeitgefühl.
Über das bestehende Verbot von Haschisch und Marihuana gibt es sehr
kontroverse Meinungen.
Haschisch (von arab. hai = Gras, Kraut, Haschisch) taucht im illegalen Handel meist in Form gepresster Harzkugeln oder -platten auf. Die Aufnahme von Haschisch (umgangssprachlich u. a. Hasch, Gras, Dope, Pot, Kif, Shit, Peace) erfolgt meist durch Rauchen, dazu wird die Droge mit Tabak vermischt. Jedoch kann die Substanz auch mit Flüssigkeiten oder Nahrungsmitteln vermischt aufgenommen werden.
Marihuana ist die amerikanische
Anwendungsvariante der Rauschdroge Cannabis und besteht aus dem tabakartig
aufgearbeiteten Gemisch aus den getrockneten, fermentierten und zerkleinerten
Blütentrieben. Es wird in Zigarettenform als "joint" geraucht.
Der halluzinogen wirksame Stoff von Haschisch und Marihuana ist das Tetrahydrocannabiol
(THC). THC wird aufgrund seiner hohen Fettlöslichkeit
lange im Gehirn und andernen Organen gespeichert.
Problematisch sind die Dosierung der Droge und der hohe Anstieg der Drogenbereitstellung
und Verbreitung (in Deutschland werden etwa 100 bis 600 t Cannabisprodukte
pro Jahr verbraucht). Zu den Langzeitschäden bei regelmäßigem
Cannabiskonsum gibt es derzeit einige Untersuchungen. Diskutiert werden
vor allem Beeinträchtigungen der Denkleistung sowie des Merk- und
Konzentrationsvermögens.
LSD (Lysergsäurediäthylamid)
Lysergsäure wird im Mutterkornpilz,
einem Pilz (Claviceps purpurea), der an Getreideähren
schmarotzt, gebildet. Bei Mutterkornvergiftungen treten Krämpfe,
Durchblutungsstörungen und schwere Verhaltensänderungen auf.
LSD
wird synthetisch hergestellt, es sollte als Medikament bei psychischen
Erkrankungen dienen. Aber bereits kleinste Mengen (25 – 100 mg) reichen
aus, um Rauschzustände hervorzurufen, die subjektive Verzerrungen
der Gefühle und Sinneswahrnehmungen auslösen und zu wahnsinnsähnlichen
Reaktionen ("horror trip") führen können.
LSD verdrängt Serotin in den Synapsen und hebt dessen hemmende Wirkung
auf. Dadurch entstehen übersteigerte Sinneswahrnehmungen.
Ecstasy
In den letzten Jahren wird in Deutschland vor allem von Jugendlichen das
"muntermachende" Mittel Ecstasy
genommen. Ecstasy gehört zu den sogenannten Designerdrogen – Stoffe,
die unter Ableitung von bekannten Rauschmitteln künstlich unter geringem
Kostenaufwand erzeugt werden. Sie haben ähnliche Wirkungen wie die
Ausgangssubstanzen, können jedoch aufgrund der massiven Verunreinigungen
bei der Herstellung lebensgefährlich und in ihren Folgen schwer einzuschätzen
sein.
Ecstasy (umgangssprachlich: XTC, Pille, Smiley) ist wegen seiner aufputschenden
Wirkung in der Musik-Szene häufig in Gebrauch. Es wurde 1914
synthetisiert und dann wegen seiner Nebenwirkungen verboten.
Ecstasy hat pharmakologisch eine große Ähnlichkeit mit z. B.
Amphetamin, Kokain. Es besteht eine chemische Verwandtschaft zum Meskalin.
Ecstasy fördert die Freisetzung von Serotonin und hemmt gleichzeitig
die Rückaufnahme dieser Überträgersubstanz in die Nervenzelle.
Serotoninfreisetzung versetzt den Körper eigentlich in einen Alarmzustand
und erhöht damit die Leistungsbereitschaft. Müdigkeit, Hunger
und andere Warnsignale sind unterdrückt. Mit der Einnahme von Ecstasy
können die Leistungsgrenzen des Körpers überschritten werden,
natürliche Warnsignale (wie Erschöpfung oder Gliederschmerzen)
werden nicht mehr wahrgenommen. In Folge können im "Tanzrausch"
Flüssigkeitsmangel, Überhitzung und schließlich Herz-Kreislauf-Versagen
auftreten. Die Beeinflussung zentraler Synapsen führt zur zeitlich
begrenzten Euphorie und z. T. zu Halluzinationen und endet schließlich
in Depressionen. Um den Depressionen zu entgehen, wird häufig die
Einnahme der Mittel wiederholt. Es entsteht eine psychische Abhängigkeit
und die Gefahr, andere Drogen zusätzlich zu nehmen oder auf "harte"
Drogen umzusteigen.
Trotz Kenntnis der Gefahren, die von Rauschdrogen ausgehen, hat sich
die Bereitschaft zur Einnahme von diesen Substanzen nicht wesentlich vermindert.
Vor allem Jugendliche sind stark gefährdet, da die Veränderungen
im ZNS sich nachhaltiger entwickeln.