

Immunreaktionen
und Immunität
Zahlreiche Krankheitserreger,
hauptsächlich Bakterien und Viren, gelangen ständig in unseren
Körper, z. B. über Atemwege, über Wunden oder über verschiedene
Körperkontakte. Aber nicht immer bricht die entsprechende Krankheit
aus. Der Körper reagiert mit natürlichen Abwehrreaktionen.
Man sagt, der Körper ist gegen bestimmte Krankheitserreger immun. Die
Abwehrreaktionen des Körpers werden als Immunreaktionen
bezeichnet.
Zum menschlichen Immunsystem
gehören die Lymphknoten, die Thymusdrüse, das rote Knochenmark,
die Milz, die Gaumen- und Rachenmandeln sowie der Wurmfortsatz des Blinddarms.
Wesentlichen Anteil an Immunreaktionen besitzen die weißen Blutzellen,
insbesondere die Lymphzellen oder Lymphozyten, die man in B- und T-Lymphzellen
unterteilt. Etwa 25 % der weißen Blutzellen sind Lymphzellen. Sie
stellen die zelluläre Grundlage des Immunsystems dar.
Angeborene und erworbene Immunität
Die Immunreaktionen können sowohl unspezifische (angeborene) als auch spezifische
(erworbene) Reaktionen sein.
Beispielsweise lässt eine gesunde und unverletzte Haut keine Erreger
in den Körper. Sekretbildungen wie Tränenflüssigkeit, Speichel,
Nasensekret schließen aufgrund ihrer schleimigen Beschaffenheit
Mikroorganismen ein, so dass sie mit dem Sekret aus dem Körper entfernt
werden. Im Magen werden eingedrungene Erreger oftmals von der Magensäure
abgetötet, im Blut werden sie von bestimmten weißen Blutzellen
vernichtet. Einige Gruppen von amöboid beweglichen weißen Blutzellen
(Fresszellen genannt) umfließen eingedrungene Krankheitserreger,
z. B. Bakterien oder Viren, aber auch andere Fremdkörper, nehmen diese in ihr Plasma auf und
verdauen sie.
Im Blut befinden sich weitere Abwehrstoffe in Form von Enzymen, die die
eingedrungenen Krankheitserreger abtöten.
Diese unspezifischen Abwehrreaktionen machen unseren Körper auf natürlichem Weg widerstandsfähig (resistent) gegenüber Krankheitserregern.
Man sagt, unser Körper besitzt eine natürliche Immunität (Widerstandsfähigkeit, Unempfindlichkeit). Er ist gegenüber
Krankheitserregern immun (unempfindlich). Diese natürliche Immunität
ist angeboren.
Es gibt aber auch eine erworbene Immunität. Darunter versteht man die Widerstandsfähigkeit oder Unempfindlichkeit des Körpers gegenüber bestimmten Krankheitserregern aufgrund des Vorhandenseins von verschiedenen Abwehrstoffen im Körper. Die Abwehrstoffe wurden in der Auseinandersetzung mit eingedrungenen Krankheitserregern oder Fremdkörpern erreicht. Sie blieben nach der überstandenen Erkrankung erhalten. Die im Knochenmark entstandenen B-Lymphzellen bilden im aktivierten Zustand Antikörper. Diese sind körpereigene Eiweiße, die an das Blut und die Lymphe abgegeben werden.
Antigen-Antikörper-Reaktion
Die T-Lymphzellen, insbesondere die THelferzellen,
können Krankheitserreger als körperfremd erkennen und aktivieren
die B-Lymphzellen zur Bildung von Antikörpern oder Abwehrstoffen.
Nur die B-Lymphzellen, die zu den Erregern passen, stellen gegen die eingedrungenen
Erreger Antikörper her. Diese Antikörper sind also auf bestimmte
Erreger spezialisiert (spezifische Immunreaktion).
Die eingedrungenen Erreger tragen auf ihrer Oberfläche Merkmale
oder Strukturen, die als Antigene bezeichnet werden. Werden die Antigene
der Erreger von den Fresszellen und den T-Helferzellen als körperfremd
"erkannt", beginnen die Gegenmaßnahmen. Die Fresszellen
umschließen die Eindringlinge und verdauen sie. Ist eine große
Anzahl von Erregern vorhanden, werden die B-Lymphzellen zur Bildung der
Antikörper aktiviert. Diese verbinden sich mit den Antigenen der
Erreger. Die Erreger verklumpen und werden von Fresszellen vernichtet.
Durch diese Antigen-Antikörper-Reaktion
oder Immunreaktion werden die Erreger unschädlich gemacht und durch
Fresszellen beseitigt.
Lebenslange Immunität
Bestimmte Lymphzellen können sich bei einem erneuten Zusammentreffen
mit einem Antigen, das schon einmal die Bildung von Antikörpern ausgelöst
hat, "erinnern". Diese Lymphzellen nennt man Gedächtniszellen.
Deshalb kommt es bei wiederholter Infektion mit dem gleichen Erreger häufig
nicht mehr zum Ausbruch der Krankheit. Beispielsweise erkrankt man an
den Infektionskrankheiten
Masern, Röteln, Mumps und Windpocken
in der Regel nur einmal im Leben. Es wurde eine lebenslange Immunität
erworben.
Immunität ist die Widerstandsfähigkeit des Körpers gegenüber
Krankheitserregern aufgrund des Vorhandenseins von Abwehrstoffen. Bei
einer Immunreaktion werden im Körper Abwehrstoffe gebildet, mit deren
Hilfe eingedrungene Krankheitserreger abgetötet werden. Die Antikörper
bleiben dann oft im Körper erhalten.