











Jeder Mensch durchläuft in seinem Leben eine Entwicklung, die mit der befruchteten Eizelle (Zygote) beginnt und mit dem Tod endet. Das ist verbunden mit Wachstum, Gestaltwandel, Ausbildung körperlicher und geistiger Fähigkeiten, allmählicher Entfaltung und Wiederabnehmen des Leistungsvermögens bis hin zu Alterungs- und Abbauerscheinungen. Diese Vorgänge beruhen auf Veränderungen in den Zellen und Organen unseres Körpers und unterliegen gewissermaßen einem "inneren Programm". Sie sind nicht aufhaltbar und nicht rückgängig zu machen (irreversibel), verlaufen aber bei jedem Menschen in einer individuellen Ausprägung.
Man unterscheidet innerhalb dieser Individualentwicklung zwei Hauptabschnitte:
Die vorgeburtliche Entwicklung
Die Entwicklung der befruchteten Eizelle bis zum geburtsreifen Kind im
Bauch der Mutter nennt man Schwangerschaft.
Sie dauert von der letzten Menstruation gerechnet etwa 9 Monate. Die befruchtete
Eizelle beginnt sich bereits auf ihrem Weg durch den Eileiter in die Gebärmutter
zu teilen. Es entsteht ein Zellhaufen und daraus ein Bläschen mit
einer winzigen Keimlingsanlage im Inneren. Dieses Keimbläschen nistet
sich nach 7 bis 10 Tagen in die Gebärmutter ein.
In den folgenden Wochen entwickelt sich aus der Keimlingsanlage der Embryo und aus der Hüllschicht der Keimblase, die mit ihren feinen Zotten in die Gebärmutterschleimhaut hineinwächst, der sogenannte Mutterkuchen (Plazenta). Das ist ein spezielles Organ, durch welches im Verlauf der Schwangerschaft das Kind mit Sauerstoff und Nahrung versorgt wird.
Entwicklung des Embryos während
der Schwangerschaft
Im Alter von 6 Wochen ist der Embryo
knapp 2 cm groß, die Hälfte davon macht der Kopf aus. Äußerlich
sind bereits die Ansätze von Armen und Beinen, Augen- und Gehöranlagen
erkennbar. Innerlich haben sich Anfänge für einen Magen-Darm-Kanal
und ein einfaches schlauchförmiges Herz entwickelt, das bereits regelmäßige
Pumpbewegungen ausführt.
Im 3. Monat sind in dem ca. 8 cm langen und 30 g schweren Embryo praktisch alle wichtigen Organe angelegt, wenn sie auch noch nicht voll funktionieren. Die menschliche Gestalt ist jetzt schon deutlicher ausgeprägt. Die Nabelschnur führt zum Mutterkuchen. Man kann auch einige größere Blutgefäße sehen, die den Embryo mit dem Mutterkuchen verbinden.
Der vier Monate alte Keimling (nun Fetus genannt) ist schon etwa 20 cm groß und ca. 150 g schwer. Kopfhaare, Finger- und Zehennägel wachsen bereits. Die Mutter spürt etwa in dieser Zeit zum ersten Mal Bewegungen des Kindes in ihrem Bauch. Die Muskeln sind also schon entwickelt und allmählich verknöchert auch das Skelett. Mit einem Stethoskop kann der Arzt die Herztöne des Kindes abhören. Genauere Informationen über Lage und Größe des Kindes, die Bewegungen der Gliedmaßen und die Herztätigkeit vermitteln Untersuchungen mit dem Ultraschallgerät. Damit lässt sich auch feststellen, ob Zwillinge unterwegs sind oder, ab dem 6. Monat, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist.
Am Ende des 7. Monats ist das Kind etwa 35 cm groß und 1 300 g schwer. Zu diesem Zeitpunkt ist seine Organentwicklung so weit fortgeschritten, dass Chancen bestehen, es bei einer vorzeitigen Geburt (Frühgeburt) durch spezielle Pflegemaßnahmen am Leben zu erhalten.
In den letzten beiden Monaten bis
zur normalen Geburt erfolgt die weitere "Ausreifung" des Kindes.
Es bilden sich Fettpolster in der Haut; die Körperformen runden sich.
Das Kind nimmt an Größe, Gewicht und Körperkraft weiter
zu; am Ende der Schwangerschaft ist es 50-52 cm lang und 2 800-3 400 g schwer.
Es hat nun auch seine spätere Geburtslage in der Gebärmutter
eingenommen; das ist in der Regel mit dem Kopf nach unten.
Während der gesamten Schwangerschaft liegt das sich entwickelnde
Kind gut geschützt in der mit Fruchtwasser gefüllten Fruchtblase.
Durch die Nabelschnur ist es mit dem Mutterkuchen verbunden. Über
die Poren von Kapillaren und die Hohlräume im Mutterkuchen findet
zwischen Mutter und Kind ein reger Stoffaustausch statt.
Aus dem Blut der Mutter gehen Sauerstoff und Nährstoffe in das Blut
des Kindes über. Umgekehrt werden Kohlenstoffdioxid und weitere Stoffwechselendprodukte
aus dem Blut des Kindes in das der Mutter abgegeben.
Über den Mutterkuchen gelangen auch Hormone und Antikörper in
den Organismus des heranwachsenden Kindes. Auf dem gleichen Wege können
aber auch schädliche Stoffe wie Alkohol, Nikotin, Medikamente oder
Drogen sowie Krankheitserreger in den kindlichen Kreislauf gelangen.
Gefahren für die Mutter und das
ungeborene Kind
Im Verlauf der Schwangerschaft gibt es sogenannte "sensible Phasen",
in denen das heranwachsende Kind besonders empfindlich gegenüber
schädlichen Stoffen, Infektionen und anderen Einwirkungen ist. Das
sind vor allem die ersten drei Schwangerschaftsmonate, wenn sich beim
Kind die Organe ausbilden.
Solche schädigenden Einflüsse können u. a. sein:
Merkmale der Schwangerschaft
Die Schwangerschaft bewirkt große Veränderungen im Körper
der Frau, die ihren Organismus stärker belasten und auch allgemeine
Beschwerden verursachen können.
In den ersten Schwangerschaftsmonaten leiden viele Frauen unter Übelkeit
und Brechreiz. In den letzten Monaten bereiten der stark vergrößerte
Bauchumfang, die Gewichtszunahme und der Druck des Kindes in der bis zum
Zwerchfell reichenden Gebärmutter der werdenden Mutter zunehmend
Beschwerden. Sie wird schwerfälliger, die "Puste" geht
ihr schneller aus und sie muss häufiger Ruhepausen einlegen. Verständnis
und Hilfe der Familienangehörigen sind hier dringend geboten!
Verantwortung für das ungeborene
Kind
Durch verantwortungsbewusste Lebensführung
trägt die werdende Mutter zur gesunden Entwicklung ihres ungeborenen
Kindes wesentlich bei. Das wird unterstützt durch staatliche Vorsorge- und Betreuungsmaßnahmen.
Die werdende Mutter kann sich (auf Kosten der Krankenkassen) regelmäßig
alle 2 Wochen untersuchen lassen. Dabei kommen moderne medizinische Geräte
zum Einsatz, z. B. das Ultraschallgerät.
Die werdende Mutter kann an Kursen zur Geburtsvorbereitung teilnehmen.
Ein guter Vorbereitungskurs berücksichtigt folgende Elemente: Atem-
und Entspannungsübungen, Gymnastik und Gespräche. Die Schwangerschaftsgymnastik
lockert den Körper, kräftigt den Rücken und stärkt
den Beckenboden.
Die Geburt
Der Beginn der Geburt zeigt
sich durch Einsetzen der Wehen an, das sind Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur.
Sie werden durch ein Hormon, das von der Hirnanhangdrüse (Hypophyse)
abgegeben wird, ausgelöst.
Die Geburt verläuft in 3 Phasen:
In der ersten Phase der Geburt (Eröffnungsphase)
bereiten die zunächst in größeren Abständen eintretenden
Eröffnungswehen den Geburtskanal für den Austritt des Kindes
vor. Der Ausgang der Gebärmutter (Muttermund) öffnet sich und
die in immer kürzeren Abständen wiederkehrenden Wehen drücken
die Fruchtblase mit dem Kind langsam in Richtung Scheide. Dabei platzt
sie und das Fruchtwasser fließt aus (Blasensprung).
In der zweiten Phase (Austreibungsphase) wird das Kind durch kräftigere Wehen, die von der Frau durch aktives Pressen mit ihrer Bauchmuskulatur unterstützt werden (Presswehen), in der Regel mit dem Kopf voran durch den inzwischen vollständig (8-10 cm) geöffneten Muttermund in den Scheidenkanal gedrückt.
Mit Unterstützung der Geburtshelfer (Hebammen, Schwestern und Ärzte) schieben sich der Kopf, die Schultern, der übrige Körper des Babys aus dem Bauch der Mutter, das Kind ist geboren.
Das Neugeborene hängt zunächst noch an der 0,5-1 m langen
Nabelschnur, die anschließend abgebunden und durchtrennt wird.
Da das Kind nun nicht mehr über den Mutterkuchen mit Sauerstoff versorgt
wird, reichert sich in seinem Blut Kohlenstoffdioxid an; dadurch wird
sein Atemzentrum gereizt. Das Neugeborene fängt kräftig an zu
schreien, füllt dabei seine Lunge mit Luft und beginnt, selbstständig
zu atmen.
In der dritten Phase (Nachgeburtsphase) löst sich 5-30 Minuten nach der Geburt des Kindes der Mutterkuchen - da er funktionslos geworden ist - von der Gebärmutterwand ab und wird mit den Fruchthüllen und der anhängenden Nabelschnur ausgestoßen (Nachgeburt).
Der gesamte Geburtsvorgang dauert bei Erstgebärenden etwa 9 bis
14 Stunden; bei den nachfolgenden Geburten nur noch 4 bis 8 Stunden. Die
Geburt sollte möglichst in einer Geburtsklinik erfolgen, weil dort
moderne Geräte und gut ausgebildete Fachkräfte zur Verfügung
stehen.
Beispielsweise werden mit dem Herzton-Wehenschreiber Dauer und Stärke
der Wehen und der Herzschlag des Babys aufgezeichnet.
Geburten vor der 37. Schwangerschaftswoche werden als Frühgeburten
bezeichnet. Die Überlebenschancen richten sich nach dem Reifegrad
des Kindes. Frühgeborene müssen bei Unreife der Organe in einem
Inkubator ("Brutkasten") aufgezogen, künstlich ernährt
und manchmal auch beatmet werden.
Die nachgeburtliche Entwicklung
Nach der Geburt finden große Veränderungen für das Baby
statt. Atmungs-, Kreislauf- und Verdauungsorgane werden auf den eigenen
Körper umgestellt.
Die nachgeburtliche Entwicklung ist
die Entwicklung des Organismus von der Geburt bis zum Tode. Sie umfasst
mehrere Entwicklungsabschnitte:
Entwicklung im Säuglingsalter
Diese erste Phase der nachgeburtlichen Entwicklung des Menschen umfasst
das erste Lebensjahr, das Säuglingsalter.
Das neugeborene Menschenkind ist (im Vergleich zu unseren tierischen Verwandten)
eine lange Zeit hilflos und auf sorgsame Betreuung durch die Eltern angewiesen,
weil es viele körperliche Grundtätigkeiten erst lernen muss.
In den ersten Wochen nach der Geburt schläft das Baby 14-18 Stunden
am Tag. Alle 3-4 Stunden braucht es Nahrung.
Am günstigsten ist das Stillen mit Muttermilch, denn diese enthält
zugleich Abwehrstoffe gegen Krankheiten. Jede Mutter sollte deshalb mindestens
3 Monate stillen. Zusammen mit Pflegemaßnahmen, wie Windeln, Waschen
und Baden, sowie anderen Formen liebevoller Kontaktaufnahme entsteht dadurch
eine enge Mutter-Kind-Beziehung. Diese ist sehr wichtig für die gesunde
Entwicklung des Babys.
Bis Ende 3. Monat: Heben des Kopfs, Festhalten von Gegenständen, Suchbewegungen der Augen, Lächeln, quietschende und gurrende Lautäußerungen; das Kind kann sich für kurze Zeit auf dem Unterarm abstützen und für wenigstens 1 Minute den Kopf hochhalten.
Bis Ende 6. Monat: Drehen aus der Rückenlage in die Bauchlage, gezielte Kopf- und Augenbewegungen, Erkennen von Personen; das Baby will nun unbedingt in die aufrechte Position und hilft beim Hochziehen zum Sitzen sehr aktiv mit.
Bis Ende 9. Monat: Kriechen und Sitzen, gezieltes Greifen nach Gegenständen, erste Aufstehversuche, Plappern von Silben; das Kind versucht sich an Gegenständen hochzuziehen und steht dann schon recht stabil mit voller Gewichtsübernahme.
Bis Ende 12. Monat: Gehen an einer
Hand, selbstständiges Trinken, versuchen mit dem Löffel zu essen,
Sprechen erster sinnvoller Worte in "Kindersprache", Verstehen
von Aufforderungen und Verboten; das Kind zieht sich selbstständig
an Möbeln hoch und kann - wenn es sich festhält - in die Hocke
gehen, um ein Spielzeug aufzuheben.
Entwicklung im Kleinkindalter
(2.-4. Lebensjahr)
Merkmale im Kleinkindalter sind Spielen mit Gegenständen und Geräten,
später auch Nachahmungs- und Rollenspiele; Erlernen der Sprache,
Beobachten und Untersuchen der Umwelt, beginnendes Fragen nach dem "Warum".
Entwicklung im Vorschulalter
(4.-6. Lebensjahr)
Kinder erweitern im Vorschulalter ihre sozialen Kontakte, lernen mit anderen
in einer Gruppe zu spielen und gemeinsame Aktionen auszuführen. Wesentliche
Erweiterung des Wortschatzes, Verse aufsagen, Lieder lernen.
Entwicklung im Schulalter
Ab dem 6. Lebensjahr vollzieht sich bei Mädchen und Jungen der erste
Gestaltwandel. Er äußert sich u. a. in betontem Streckungswachstum
mit Verlängerung der Arme und Beine, in einer deutlicheren Gliederung
des Rumpfs in Brust und Bauch (Taillenbildung) sowie in der Kräftigung
der Muskulatur. Die Bewegungen des Körpers werden zielgerichteter
und flüssiger. Auch die geistige Entwicklung der Kinder geht weiter
voran: Die Sprache wird bewusster gestaltet und verfeinert. Das kausale
und abstrakt-logische Denken bilden sich heraus. Im Verlauf des Schulalters
erfolgt auch der Wechsel vom Milchgebiss zum bleibenden Gebiss (Dauergebiss).
Entwicklung im Jugendalter
Etwa zwischen dem 11. und 17. Lebensjahr findet der Übergang vom
Mädchen zur jungen Frau und vom Jungen zum jungen Mann statt. (Diese
Phase bezeichnet man als Jugendalter.)
Bei Mädchen beginnt er meist etwas früher als beim Jungen. Er
ist verbunden mit den Vorgängen der Pubertät,
also dem Eintritt der Geschlechtsreife, einem starken Wachstumsschub und
mit der Ausprägung der sekundären Geschlechtsmerkmale.
Man bezeichnet das auch als zweiten Gestaltwandel. Er führt zu tiefgreifenderen körperlichen und geistig-seelischen Veränderungen, die sich bei jedem Jugendlichen verschieden (individuell) auswirken. Nicht selten kommt es zu Problemen im Umgang mit Eltern, Lehrern, mit sich selbst und dem anderen Geschlecht).
Das Erwachsenenalter
Mit 18 bis 20 Jahren ist das Stadium des Erwachsenseins biologisch gesehen
erreicht (Erwachsenenalter).
Jeder Mensch hat sein persönliches Erscheinungsbild (Konstitution)
entsprechend den Erbanlagen und äußeren Faktoren ausgeprägt.
Zwischen 20 Jahren und 40 Jahren erreicht er sein optimales körperliches
und geistiges Leistungsvermögen (das sogenannte "Leistungsalter").
Viele Menschen leisten auch danach noch Bedeutendes in Beruf und Gesellschaft.
Greisenalter und Tod
Im Greisenalter nehmen die Verschleißerscheinungen und Rückbildungsvorgänge
zu, die mit zunehmender Lebensdauer in verschiedenen Organsystemen des
Körpers eintreten. Sie führen zur allmählichen Abnahme
des Leistungsvermögens und der Arbeitsfähigkeit und schließlich
zum Tod.
Der zeitliche Verlauf und die Symptome der Verschleißerscheinungen und Rückbildungsvorgänge sind beim einzelnen Menschen je nach individueller Veranlagung, Belastung, Lebensführung unterschiedlich (allgemeine Erscheinungen und Merkmale des Alterns nach Organsystemen geordnet).
Als Ursachen für die mit dem Altern verbundenen Verschleiß- und Abbauvorgänge hat die medizinische Altersforschung (Gerontologie) mehrere im Komplex wirkende Faktoren ermittelt:
Hieraus ergeben sich Maßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung von
Alterserscheinungen. Diese vorbeugenden Maßnahmen könnten auch
zur weiteren Erhöhung der Lebensdauer und Lebensqualität der
älteren Menschen beitragen.
Erscheinungen des Alterns
Hautsystem: Erschlaffung, Runzel-
und Faltenbildung, Rückgang der Kopf- und Körperhaare.
Stütz- und Bewegungssystem: Zwischenwirbelscheiben schrumpfen, Körperhöhe nimmt ab; stärkere Wirbelsäulenkrümmung und gebeugte Körperhaltung. Kalkverlust und Brüchigwerden der Knochen (Osteoporose), Abnutzungserscheinungen an Gelenken, Verringerung der Muskelmasse.
Atmungs- und Kreislaufsystem: Abnehmende Leistungskapazität von Lunge, Herz und Blutgefäßen. Geringere Sauerstoffzufuhr bewirkt zusammen mit Veränderungen am Bewegungssystem Rückgang des körperlich-sportlichen Leistungsvermögens.
Sinnes- und Nervensystem: Abnehmende
Sehleistungen (Alterssichtigkeit, fortschreitende Sehschwäche) und
Hörleistungen (Schwerhörigkeit); nachlassende Reaktionsfähigkeit.
Mit zunehmendem Alter auch Minderung der Gedächtnis-, Orientierungs-
und Denkleistungen, in schweren Fällen Altersschwachsinn (Alzheimerkrankheit).