

















Die Insekten (Insecta) sind die artenreichste Klasse der Gliedertiere (Arthropoda) und auch die artenreichste Gruppe der Tiere überhaupt. Allein in Deutschland kennt man 33 000 Arten. Etwa 1 Millionen Arten sind weltweit bestimmt worden, man vermutet jedoch, dass mehrere Millionen noch nicht entdeckt sind und/oder noch nicht beschrieben worden sind.
Körpergliederung und äußerer
Bau bei Insekten
Insekten gehören wie Krebs-
und Spinnentiere zu den Wirbellosen.
Untersucht man verschiedene Insekten, z. B. Honigbiene, Stubenfliege und
Maikäfer, so kann man bei allen deutlich drei Körperabschnitte
erkennen, den Kopf, die Brust
und den Hinterleib. Umgeben
sind diese Abschnitte außen von einer dünnen schützenden
Chitinschicht, dem Außenskelett. Am Kopf befinden sich ein Paar
zusammengesetzte Augen (Netzauge,
Komplexauge oder Facettenauge),
Mundwerkzeuge und ein Paar Fühler.
Die zusammengesetzten Augen bestehen aus keilförmigen Einzelaugen,
durch die in ihrer Gesamtheit ein Bild entsteht. Sie werden Komplexaugen genannt. Sie sind besonders leistungsfähig bei der Wiedergabe von
Bewegungen. Eine Stubenfliege hat z. B. ungefähr 4 000 und eine Libelle
3 000 Einzelaugen.
Die Fühler sind wie die Augen Sinnesorgane. Sie heißen auch Antennen. Sie dienen vor allem dem Riechen und Tasten.
Die Mundwerkzeuge entsprechen der Ernährungsweise der Insekten. Es werden u. a. beißende, saugende, stechende und leckende Mundwerkzeuge unterschieden.Innerer Bau
Auch Insekten müssen wie alle anderen Lebewesen atmen. Dazu besitzen
sie in ihrem Körper ein verzweigtes Röhrensystem (Tracheen).
Die Öffnungen der Tracheen liegen im Hinterleib. Vor dem Abflug werden
die Flügel gleichmäßig bewegt. Durch dieses "Pumpen"
werden die Tracheen mit Luft gefüllt und damit alle Teile des Körpers
mit Sauerstoff versorgt. In den Flügeln sind die Tracheen als "Adern"
sichtbar.
Insekten haben als Blutgefäßsystem
nur ein Rückengefäß. Ansonsten umspült das Blut ohne
Gefäße die inneren Organe. Insekten besitzen also ein offenes
Blutgefäßsystem.
Insekten besitzen ein Strickleiternervensystem.
Dieses befindet sich auf der Bauchseite des Insekts. Die Entwicklung der
Lebewesen vom Niederen zum Höheren ist auch durch die Weiterentwicklung
der Nervensysteme gekennzeichnet. Der Regenwurm besitzt ein Strickleiternervensystem,
das in jedem Segment zwei Knoten mit einer Querverbindung hat. Bei den
Insekten liegt eine Verschmelzung der Nervenknoten im Kopf vor (einfaches
Gehirn). Durch diese Konzentration an Nervenzellen wird eine höhere Leistungsfähigkeit
erreicht.
Insekten benötigen wie alle anderen Lebewesen Energie für ihre Lebensfunktionen. Dafür müssen sie sich ernähren. Mithilfe ihrer Mundwerkzeuge nehmen sie ihre Nahrung, z. B. Blütenstaub (Pollen), Nektar und Pflanzenteile, auf. Die Nahrung wird im Darm verdaut. Unverdaute Stoffe verlassen den Körper durch den After. Aus den mit der Nahrung aufgenommenen Nährstoffen werden in den Zellen verschiedene körpereigene, organische Stoffe, z. B. Kohlenhydrate, Fette, aufgebaut. Sie werden für den Zellaufbau benötigt und dienen als Energiequelle.
Fortpflanzung und Entwicklung
Insekten sind getrenntgeschlechtlich, d. h., es gibt bei ihnen Männchen
und Weibchen. Diese unterscheiden sich oft in der Größe und
auch in der Färbung. Männchen und Weibchen paaren sich. Im Innern
des Weibchens werden die Eier befruchtet (innere Befruchtung). Sie legen
zahlreiche befruchtete Eier ab. Es gibt zwei verschiedene Entwicklungsarten. Bei vielen Insektenarten schlüpfen
aus den Eiern Larven, die völlig
anders aussehen und gebaut sind als die ausgewachsenen Insekten. Sie haben
keine Flügel, fressen andere Nahrung, z. B. Blätter, und bewegen
sich oftmals kriechend vorwärts. Sie wachsen und müssen sich
dabei mehrere Male häuten.
Die letzte Larvenhaut erstarrt, wird fest. Es ist eine fast bewegungslose
Puppe entstanden.
In der Puppe entwickelt sich das voll ausgebildete Insekt, das die Puppenhaut verlässt.
Die Entwicklung vom Ei über ein Larven- und Puppenstadium zum ausgewachsenen
Insekt wird vollkommene
Verwandlung (vollkommene Metamorphose)
genannt. Diese Form der Entwicklung gibt es u. a. bei Käfern, Schmetterlingen,
Haut- und Zweiflüglern.
Insektenordnungen
Mit ungefähr 1 Millionen bekannter Arten sind die Insekten auf der Erde die am meisten
verbreitete Tiergruppe. Sie bewohnen fast alle Lebensräume. Um eine
Ordnung in diese vielen Arten zu bringen,
wurde ein Ordnungssystem aufgestellt, in dem die Insekten nach ihrem äußeren
und inneren Bau, aber auch nach ihrer stammesgeschichtlichen Entwicklung
zusammengefasst wurden. Ein wesentliches Merkmal der Zuordnung zu Insektengruppen
ist beispielsweise die Anzahl und Beschaffenheit der Flügel. Diese sind
bei den verschiedenen Insekten sehr unterschiedlich. Vier wichtige Gruppen
können so u. a. unterschieden werden:
Diese Gruppen werden von den Biologen aufgrund gemeinsamer Merkmale Insektenordnungen
genannt. Betrachtet man einen Käfer, z. B. Maikäfer
findet man 2 feste Vorderflügel. Diese werden Deckflügel
genannt. Sie schützen den Körper und die unter ihnen liegenden
dünnhäutigen Hinterflügel. Nur die Hinterflügel dienen dem Fliegen.
Auf einer Blüte lässt sich ein farbenprächtiger Schmetterling
nieder, z. B. ein Tagpfauenauge.
Seine Vorder- und Hinterflügel sind dünnhäutig. Sie besitzen
einen Überzug aus dachziegelartig angeordneten farbigen Schuppen.
Vorder- und Hinterflügel werden beim Fliegen genutzt.
Die Gemeine Wespe besitzt ähnlich ausgebildete Vorder- und Hinterflügel. Sie sind dünnhäutig und durchsichtig, beide Flügelpaare dienen dem Fliegen. Die Insektenordnung mit solchen Flügeln heißt Hautflügler.
Im Aussehen sind Insekten sehr unterschiedlich. Weitere Insektenordnungen sind z. B.
Bedeutung der Insekten
1. Nützliche Insekten
Nützliche
Insekten produzieren Rohstoffe, die vom Menschen genutzt werden (z. B.
Honigbiene, Seidenspinner).
Sie sind Blütenbestäuber (z. B. Hummeln, Bienen, Schmetterlinge)
oder erhöhen als Bodenbewohner die Fruchtbarkeit des Bodens (z. B.
Maulwurfsgrille). Insekten
sind Nahrung für andere nützliche Tiere (z. B. Vögel, Fische)
oder vernichten Schadinsekten
(z. B. Schlupfwespe, Marienkäfer, Ameise).
Holzwespen-Schlupfwespe (Hautflügler):
Schlupfwespen legen ihre
Eier in Larven anderer Insekten. Aus den Eiern sich entwickelnde Schlupfwespenlarven
fressen von innen her den Wirt auf und vernichten somit schädliche
Insektenlarven.
2. Schadinsekten
Schaden wird hauptsächlich hervorgerufen durch Schadfraß an
Kulturpflanzen (z. B. Kartoffel-, Borkenkäfer), an Lebensmittelvorräten
(z. B. Schaben, Kornkäfer), an Textilien und Pelzwaren (z. B. Kleidermotten,
Pelzkäfer), an Holz (z. B. Hausbock) und durch Übertragung der
Erreger von Pflanzenkrankheiten sowie von Krankheiten des Menschen und
der Tiere (z. B. Anophelesmücke).
Kartoffelkäfer (Käfer):
Kartoffelkäfer stammen ursprünglich aus Nordamerika. Von dort haben sie sich zusammen mit ihrer Futterpflanze, der Kartoffel, nach Europa (um 1870) und fast über die ganze Welt ausgebreitet.
Die Käfer und Larven fressen die Blätter der Kartoffelpflanze. Dadurch verhindert der Kartoffelkäfer den Aufbau von organischen Stoffen aus anorganischen Stoffen mithilfe des Sonnenlichtes in den Laubblättern (Fotosynthese). Die Knollenbildung wird somit ebenfalls verhindert, es kommt zum Absterben der befallenen Pflanze.
Der Kartoffelkäfer sorgte im 19. Jahrhundert in Europa und Amerika oftmals für einen hohen Ernteausfall, sodass die Menschen hungern mussten.
Apfelwickler (Schmetterling):
Die Larve (Raupe) legt Fraßgänge im Fruchtfleisch und im Kerngehäuse
an, wechselt dann zu anderen Äpfeln. Der Apfelwickler löst also
ein Faulen der befallenen Frucht aus.
Ökologische Bedeutung der Insekten
Insekten sind in fast allen Lebensräumen der Erde, z. B. auf einer
Wiese, in Gärten, auf Feldern, im Wald, auf einer Hecke, zu finden.
Die voll ausgebildeten Insekten und ihre Entwicklungsstadien sind an ihre
Umwelt gut angepasst. Anpassung an die Umwelt bedeutet auch, dass Organe
so aufgebaut sind, dass bestimmte Umweltbedingungen (z. B. Nahrungsquellen)
genutzt werden können. Das kannst du auf deinen Spaziergängen
beobachten. Die Schmetterlinge z. B. saugen mit ihrem langen Saugrüssel
den Nektar vom Blütengrund. Die Hummel fliegt u. a. zu den Blüten
von Taubnessel, Klee und Wiesensalbei. Die langrüsseligen Arten erreichen
den Nektar am Grund der Blüte. Sie kriechen in die Blüte hinein,
dabei bleibt Blütenstaub am Körper hängen. Die nächste
Blüte wird damit bestäubt.
Ein blühender Kirschbaum oder Brombeerstrauch wird u. a. von Honigbienen besucht. Der Blütenboden ist nur wenig eingesenkt, sodass die Bienen mit ihrem kurzen Rüssel den Nektar erreichen. Alle diese Blütenbesucher tragen den Blütenstaub von Blüte zu Blüte. Sie sorgen für eine ausreichende Bestäubung als notwendige Voraussetzung für die Bildung von Samen und Früchten. Andere Insekten ernähren sich von toten Tieren, abgestorbenen Pflanzen und Tierausscheidungen (z. B. Kot). Beispielsweise kannst du Aaskäfer beobachten, wie sie eine tote Zauneidechse zerfressen, oder Mistkäfer, wie sie einen Dunghaufen "durcharbeiten". Die Beseitigung und Zerstörung toter Substanzen ist für den Gesamthaushalt der Natur von wesentlicher Bedeutung.
Häufig findest du auf Heckenrosen große Ansammlungen von Blattläusen. Sie saugen aus Blättern und Stängeln Saft, sodass die Pflanzen Schaden nehmen. Die klebrige, zuckerhaltige Flüssigkeit wird von den Ameisen aufgenommen. Ja, sogar die Blattläuse selbst werden von Ameisen "gemolken".Marienkäfer fressen die Blattläuse. So werden Pflanzenschädlinge von anderen
Insekten vernichtet.
Aus den beschriebenen Beispielen kannst du schlussfolgern, dass es unter
den Insekten sowohl Pflanzenfresser, z. B. Blattläuse, Borkenkäfer,
Larven vom Kohlweißling, als auch Fleischfresser, z. B. Marienkäfer,
Laufkäfer oder Ameisen gibt.
Andere Tiere, wie Vögel, Frösche, Eidechsen und Kröten,
ernähren sich von Insekten oder ihren Larven und Puppen. So bestehen
im Naturhaushalt enge Nahrungsbeziehungen. Eine einfache Nahrungsbeziehung
zwischen einer Pflanze oder Teilen der Pflanze, Pflanzenfresser und Fleischfresser
wird von Biologen als Nahrungskette
bezeichnet.
Anfangsglieder von Nahrungsketten sind Pflanzen. Sie sind die Grundlage
für die Ernährung und erzeugen (produzieren) die organischen
Stoffe.
Die Pflanzen sind die Erzeuger oder Produzenten. Pflanzenfresser und Fleischfresser
ernähren sich von den organischen Stoffen. Sie sind die Verbraucher
oder Konsumenten.
Lebewesen, die sich von toter organischer Substanz ernähren, z. B.
Aasfresser, zersetzen die organische Substanz. Sie sind die Zersetzer
oder Destruenten.
So entsteht ein Stoffkreislauf in der Natur. Wichtige Glieder dieses Stoffkreislaufs
und der Nahrungsbeziehungen sind die Insekten. Insekten sind für
viele Tiere eine wichtige Nahrungsgrundlage. Damit sind sie ein notwendiges
Glied im Stoffkreislauf
der Natur.
Unter den Insekten gibt es viele geschützte Arten. Der Bestand an Insektenarten geht ständig zurück. In die Rote Liste von Sachsen wurden insbesondere die Tagfalter aufgenommen, da ihr Vorkommen an ganz spezielle ökologische Bedingungen, z. B. bestimmte Lebensräume, gebunden ist.
Ursachen für den Rückgang der Insekten sind beispielsweise eine Nutzungsänderung von Flächen, z. B. Aufforstung von Trockenrasen, Umwandlung von Flächen in Ackerland, eine Veränderung der Baumartenzusammensetzung in den Wäldern oder auch die Entwässerung von Feuchtgebieten und die Bebauung mit Wohnsiedlungen, Sportanlagen, Campingplätzen. Der beste Schutz für die Insekten ist die Erhaltung ihrer Lebensräume und damit der dort wachsenden Pflanzen.
Pflanzen, z. B. die große Brennnessel, sind für die Raupen
der Schmetterlinge eine wichtige Nahrungsgrundlage. Zu den geschützten
Schmetterlingsarten gehört u. a. der Schwalbenschwanz. Stark gefährdet sind das Kleine Ochsenauge und der Segelfalter,
gefährdete Arten sind u. a. der Kleine Fuchs und der Große Schillerfalter.