


Fleischfressende Pflanzen
Fleischfressende
Pflanzen sind sonderbare Geschöpfe der Natur. Eigentlich ernähren
sie sich autotroph, sie besitzen
Chlorophyll und können mithilfe des Sonnenlichts aus anorganischen
Stoffen (Kohlenstoffdioxid und Wasser) organische Stoffe bilden. Trotzdem
erbeuten und verdauen sie Tiere, und zwar mithilfe raffiniert ausgeklügelter
Fangmechanismen. Es sind Pflanzen, die sich unterschiedlichen Lebensräumen
und unterschiedlichen Klimazonen angepasst haben.
Allerdings werden ihre Lebensräume, wie Sümpfe, Moore und
tropische Regenwälder, immer schneller vernichtet und damit auch
alle Tiere, die an diese extremen Standorte angepasst sind. Daher unterliegen
viele dieser Pflanzen dem Washingtoner
Artenschutzübereinkommen oder sind durch gesetzliche Regelungen
der Länder geschützt.
Vertreter dieser Pflanzengruppe sind Sonnentau, Kannenpflanze und Venusfliegenfalle.
Sonnentau
Der Sonnentau ist eine
insektenfressende Pflanze. Sie wurde bereits im Jahr 1544 als eine
solche Pflanze erkannt und ist damit die erste Pflanze in der Geschichte,
die als fleischfressend beschrieben wurde.
Der rundblättrige Sonnentau gehört zu den wenigen fleischfressenden
Pflanzen, die in Deutschland wachsen. Er ist eine kleine, eher unscheinbare
Pflanze, die in unseren Breiten sehr selten geworden ist. Die Pflanze
wächst in Mooren und Feuchtgebieten. Da diese heute oft trockengelegt
werden, ist der Lebensraum der Pflanze stark gefährdet und sie
steht auf der Roten Liste,
für vom Aussterben bedrohte Pflanzen. Den rundblättrigen
Sonnentau findet man auf Torfmoos. Die Pflanze bevorzugt den
typisch sauren Moorboden und die pralle Sonne. Wenn im Winter die Beleuchtungsdauer
und Beleuchtungsstärke sinken, sterben die äußeren Blätter
ab. Nur der innere Teil bleibt grün. Aus ihm entwickeln sich im
Frühjahr wieder neue Blätter.
Der Sonnentau gehört zu den pfiffigsten Fallenstellern. Die Fangarme
des Sonnentaus sind mit vielen Drüsen besetzt, die gestielt und
ungestielt sind. Die Drüsen produzieren Schleim sowie Enzyme zur
Verdauung. Die Fangarme üben dabei viele Funktionen gleichzeitig
aus: Sie sind Lockmittel, ersticken die Beute und verzehren das Opfer
anschließend. Die Beute des Sonnentaus sind Insekten.
Sie werden durch die in der Sonne glänzenden Tröpfchen angelockt
und bleiben am zähen Schleim kleben, wenn sie sich auf dem Blatt
niederlassen. Das Hin- und Herzappeln bei Befreiungsversuchen veranlasst
benachbarte Tentakel der Fangarme, sich in Richtung Beute zu biegen.
Bei einigen anderen Sonnentau-Arten klappt das gesamte Blatt ein. So
können die Insekten noch schneller verdaut werden.
Venusfliegenfalle
Die Venusfliegenfalle
ist wohl die bekannteste fleischfressende Pflanze. Sie hat eine ganz
faszinierende Fangmethode entwickelt - mit zwei blitzschnell zusammenschlagenden
Blatthälften fängt sie die Tiere ein.
Im Jahr 1769 wurde die Venusfliegenfalle von JOHN ELLIS (1710-1776)
entdeckt. Man glaubte zunächst nicht, dass diese Pflanze die Tiere
zu ihrem eigenen Nutzen verzehrt. Heute steht fest: Sie frisst tatsächlich
Fleisch! Denn man findet nach der Verdauung nur noch Hartteile der Insekten
in der Pflanze vor, das Fleisch wurde von Enzymen gespalten. Die Venusfliegenfalle
resorbiert die Nährstoffe.
Die Venusfliegenfalle wächst ausschließlich in den Feuchtgebieten
von North- und South-Carolina in den USA. Sie blüht im Frühjahr,
und zwar bringt sie eine weiße Blüte hervor.
Fangen und Verdauen der Beute
Man spricht beim Fangen und Verdauen der Beute zunächst einmal von
4 Stadien der Falle:
Die Falle ist offen. Die Pflanze "wartet auf Beute". Mit den Fühlhaaren auf jeder Blatthälfte erfühlt die Pflanze die Beute. Aber sie schnappt nicht sofort zu, wenn die erste Berührung erfolgt. Sie wartet. Erst wenn in den nächsten 20 Sekunden dasselbe Fühlhaar oder ein anderes berührt wird, schnappt die "Falle" endgültig zu.
Ist die Falle nach dem Beutefang geschlossen, ist das zweite Stadium erreicht. Jede Blatthälfte besitzt 14 bis 20 Zähne, die ineinandergreifen und so den Fluchtweg der Beute versperren. Beim Zappeln berührt das gefangene Insekt weitere Auslöseborsten. Dadurch wird die Falle immer enger zusammengepresst, das Beutetier wird eingequetscht. Hat die Falle das Insekt oder eine andere Beute eventuell verfehlt, oder das Tier konnte sich aus der Falle befreien, öffnet sich die Falle nach 1-2 Tagen wieder. Nur mechanische und chemische Reize lösen dann den Verdauungsvorgang aus.
Das ist das Stadium, in dem die Falle verschlossen bleibt und die Nahrung verdaut wird. Der Verdauungsvorgang dauert ca. 1 bis 2, manchmal auch 3 Wochen.
Ist der Verdauungsvorgang abgeschlossen, dann öffnet sich die Falle. Jetzt kann die Pflanze erneut Beute fangen, oder aber sie stirbt ab. Jede Falle stirbt nach ca. drei Verdauungsvorgängen oder nach etwa sieben Schließvorgängen. Da die Pflanze aus der verdauten Beute neue Nährstoffe gewinnt, ist sie in der Lage neue Fangblätter zu bilden.