

Rolle der nachwachsenden Rohstoffe
Nachwachsende Rohstoffe spielen heutzutage in der Diskussion um die
Energiegewinnung in
der Zukunft eine große Rolle. Unter nachwachsenden Rohstoffen
versteht man Pflanzen bzw. organisches
Material, aus dem Energie gewonnen werden kann oder das als Rohstoff
für die industrielle Produktion dient. Im Gegensatz zu den begrenzt
vorkommenden fossilen Brennstoffen erneuern sich die nachwachsenden
Rohstoffe in absehbaren Zeiträumen. Die Zeiträume für
die Gewinnung reichen dabei von einer andauernden Produktion (Biogas)
über jährliche Ernten (Raps) bis zu fast 100jährigen
Ernteintervallen (Holz). Damit können die nachwachsenden Rohstoffe
helfen, die begrenzten fossilen Ressourcen zu schonen.
Nachwachsende Rohstoffe wurden vom Menschen schon seit jeher zur Energie- und Rohstoffgewinnung genutzt. Erst mit der Entdeckung der Kohle und des Erdöls wurden sie als Energieträger fast vollständig abgelöst.
Anbau nachwachsender Rohstoffe in
Deutschland
Seit den 1970er-Jahren, den Jahren der Energiekrisen, versucht man den
Anteil der nachwachsenden Rohstoffe in der Energiegewinnung wieder zu
erhöhen, um im Fall einer weiteren Krise von Energie exportierenden
Ländern unabhängiger zu sein. Hauptsächlich werden nachwachsende
Rohstoffe in Deutschland jedoch wegen der in der EU beschlossenen Agrarreform
von 1993 angebaut. Sie fördert ihren Anbau finanziell. Hintergrund
dieser Reform ist es, die Produktion von Nahrungsmittelüberschüssen,
die in Deutschland in den 1980er-Jahren einsetzte, einzudämmen.
Folglich erhalten Bauern, die einen Teil ihrer Anbauflächen stilllegen
und darauf nachwachsende Rohstoffe anbauen, eine staatliche, finanzielle
Unterstützung. Mit diesem Programm wurde erreicht, dass zum Beispiel
in Deutschland 1995 etwa 4 % der gesamten Ackerflächen mit
nachwachsenden Rohstoffen bebaut wurden. Dies entspricht ca. 359 000 ha.
Bis zum Jahr 2006 wurde mit 13 % der gesamten Ackerflächen
(ca. 1,56 Mio. ha) eine deutliche Steigerung erreicht.
Umweltschonende Energie- und Rohstofflieferanten
Die Nutzung nachwachsender Rohstoffe in der Industrie ist besonders
von Vorteil, da Produkte, die aus ihnen hergestellt werden, biologisch
abbaubar sind. Des Weiteren wird bei ihrer Verbrennung etwa die Menge
an Kohlenstoffdioxid frei, die sie während ihres Wachstums durch
Fotosynthese an sich binden. Die Kohlenstoffdioxidbilanz ist demnach
ausgeglichen. Damit tragen sie dazu bei, die Atmosphäre von dem
Treibhausgas Kohlenstoffdioxid zu entlasten.
Ein massenhafter Anbau von Kraftstoff liefernden Pflanzen, wie zum Beispiel
dem Raps, hat jedoch eine intensive Landwirtschaft zur Folge. Auf großen
Flächen werden Monokulturen angebaut. Es besteht die Gefahr, dass
intensive Düngung und die Nutzung von Pflanzenschutzmitteln oder
genmanipulierten Sorten schädliche Einflüsse auf die Umwelt
ausüben. Ein möglichst umweltverträglicher Anbau der
nachwachsenden Rohstoffe sollte angestrebt werden.
Nachwachsende Rohstoffe als Energielieferanten
Sich erneuernde Energielieferanten
aus organischem Material gibt es als Festbrennstoffe, Flüssigbrennstoffe
und gasförmige Brennstoffe. Der bekannteste Festbrennstoff ist Holz,
aber auch Stroh wird zur Energiegewinnung verfeuert.
Die wichtigste Bedeutung der Flüssigbrennstoffe ist die Verwendung
als Treibstoff für Fahrzeuge. Die wichtigsten Vertreter sind Rapsöl
und der daraus gewonnene Rapsmethylester und Ethanol. Die das Öl
liefernde Pflanze ist der Raps, ein gelbes Kreuzblütengewächs.
Diese Kraftstoffe sind umweltfreundlich, da sie wegen ihrer nahezu ausgeglichenen
Kohlenstoffdioxidbilanz keine Schädigung der Atmosphäre verursachen.
Selbst bei größtmöglichem Anbau von Raps könnten
in Deutschland nur 10 % des weiterhin steigenden Diesel-Verbrauchs
gedeckt werden, die Umstellung von Benzin betriebenen Fahrzeugen auf
Rapsöl noch nicht eingerechnet.
Die gasförmigen Brennstoffe werden ausschließlich zur Energiegewinnung genutzt. Das bedeutendste Beispiel ist Biogas. Es wird in Biogasanlagen durch die Verwertung von Fäkalien gewonnen. Dies geschieht durch eine mikrobielle Zersetzung und ist nach einer Zwischenlagerung energetisch nutzbar. Auch im Kuhstall fällt Biogas an, dessen Nutzung jedoch nicht weit verbreitet ist.
Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die zur Energiegewinnung nutzbaren Pflanzen.

(Tabelle nach C.A.R.M.E.N e.V. Centrales Agrar-Rohstoff-Marketing- und
Entwicklungsnetzwerk Straubing)
Nachwachsende Rohstoffe für die industrielle
Produktion

(Tabelle nach C.A.R.M.E.N e.V. Centrales Agrar-Rohstoff-Marketing- und Entwicklungsnetzwerk Straubing)
Die Vielfalt der Produkte, die aus pflanzlichen Rohstoffen hergestellt werden können, ist groß. Besonders Öle und Fasern werden im Zusammenhang mit nachwachsenden Rohstoffen genannt, da sie ebenso aus fossilen Rohstoffen gewonnen werden könnten.
Auch hier spielt das Holz eine große Rolle. Aufgrund seiner guten Wärmedämmeigenschaft hat es eine große Bedeutung in der Bau- und Möbelindustrie. Seine Fasern werden für die Papierherstellung benötigt. Baumwolle, Flachs, Hanf und Jute sind wichtige Lieferanten für Fasern, die zum Beispiel in der Textilherstellung aber ebenfalls für Papier verwendet werden.